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Lachen ohne Weinen…(kt)

Bernhard Weber rezitiert Ringelnatz, Tucholsky und Kästner (Artikel vom 28.04.2008)weber08

Der Hamburger Schauspieler und Sänger Bernhard Weber fesselt sein Publikum von Anfang an mit kurzen zum Teil grotesk erscheinenden Reimen des literarischen Künstlers Joachim Ringelnatz, der 1883 in Wurzen zu Welt kam. Sein abenteuerliches Leben, welches durch viele verschiedene Berufe und Reisen geprägt wurden, verarbeitet Ringelnatz in Gedichtbänden, Romanen, Bühnenstücken und einigen Kinderbüchern. Ringelnatz Karriere als Vortragskünstler begann in der Berliner Kleinkunstbühne ” Schall und Rauch”. Mit dem Vortragen seiner Gedichte verdiente der Autor als “Reisender Artist” in den 20er Jahren seinen Lebensunterhalt. Er trat in allen großen Städten Deutschlands, in Prag, in Zürich und in Wien als Kabarettist auf. Kritisch und als Zweifler der damaligen Zeit verfasst er Verse, die auch in das heutige Bild passen und sich mit gesellschaftlichen Themen auseinander setzen. Auf den Punkt genau setzt Bernhard Weber seine Stimmenvielfalt ein und lässt Ringelnatz “Bandwurm” , “Wunderland” und “großer Vogel” ( um nur einige zu nennen) so lebendig erscheinen, das sich das Publikum immer wieder mit einbringt. Bei einem nach Hans Albers gesungenem ” La Paloma” singen auch die letzten ruhigen Zuhörer. Mit frecher Kinderzunge und schelmischer Gestik rezitiert Weber vor der Pause noch Teile aus dem “großen Kinderverwirrbuch”.
Der zweite Teil des Abends ist Kurt Tucholsky und Erich Kästner gewidmet.
Tucholskys oftmals lockerer und heiterer Stil steht in Kontrast zu seinem ruhelosen Leben. Er war sein Leben lang auf der Suche nach innerem Frieden und Geborgenheit, doch gesundheitliche und psychische Probleme zerstörten ihn langsam. 1935 nahm er sich im schwedischen Exil das Leben.
Mit seinen Texten beäugt er kritisch die Familie und mit speziellem Witz kommentiert er die herrschenden Gesellschaftsverhältnisse. Das Publikum merkt schnell das die Verse auch heute noch Gültigkeit haben und jeder Selbsterkenntnis erfahren kann.
” Es gibt nichts Gutes. Außer: Man tut es ! ” Mit diesen Worten leitet Weber zu Erich Kästner, der egal ob als Autor von Kinderbüchern, politischen Theaterstücken, Tagebüchern, Romanen, Drehbücher oder als Dichter bekannt ist.
Bernhard Weber lässt auch hier die Texte durch seine voluminöse Stimme, Pausen und Tempo so nah am Publikum zu, das diese oft mit einstimmen und von ihm sogar einen Applaus ernten.
Mit “Das Schlummerlied” von Joachim Ringelnatz und “Die Geburtenzahl” beendet Weber seinen Abend und erhält minutenlangen begeisterten Applaus , in dem voll besetzten “Haus des Gastes”.
Freuen dürfen sich alle, die im Oktober die Insel Amrum besuchen, denn hier kommt Bernhard Weber mit seinem Ensemble ” Die Dreigroschenoper” .

Verantwortlich für diesen Artikel: Kinka Tadsen

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Über Peter Lückel

Peter Lückel wurde 1961 in Duisburg geboren und ist in Mülheim an der Ruhr und Essen-Kettwig aufgewachsen. Seine Affinität zum Wasser hat ihn schon immer an das Meer gezogen. 1983 konnte er dem Sog nicht mehr widerstehen und ist sozusagen nach Amrum ausgewandert. Heute arbeitet er als freier Grafiker auf der Insel, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Im Jahr 2000 hat er Amrum-News mit gegründet und ist dort Chefredakteur.
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