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Nicht auf Tiefe gekommen…(to)

Vermutlich macht der hohe Sandeintrag während der zahlreichen Winterstürme den Hafenbetreibern in Dagebüll zu schaffen (Artikel vom 07.08.2008)akke
Durch das Festkommen einiger Fährschiffe der Wyker Dampfschiffs-Reederei im Dagebüller Hafen, während der noch vor kurzem vorherrschenden Ostwindlage, wurde Kritik an den abgeschlossenen Spülarbeiten laut. Anfang April hatte das 46 Meter lange Spezialschiff “Akke” der Meyer & van der Kamp GmbH aus Varel den Hafen im Wasserstromverfahren vom Schlick geräumt. Mit diesem Verfahren werden die abgelagerten Sedimente mit einer hydrodynamischen Egge mit hohem Wasserdruck aufgewühlt und mit dem natürlichen Ebbstrom abtransportiert. Diese Arbeiten werden zweimal im Jahr seit rund fünf Jahren durchgeführt. Durch diese Erhaltungsmaßnahme soll den Fähr- und Frachtschiffen der nötige Freiraum zum Manövrieren gegeben werden. Allerdings hatte sich nach den Arbeiten, direkt im Wendebereich eine nicht erklärliche Barre ausgebildet. Verschiedene Gremien erkundigten sich daraufhin nach dem Sachverhalt bei den Verantwortlichen der Hafengesellschaft. Auch auf der Sitzung des Verwaltungsrats der Versorgungsbetriebe Amrum wurde Norbert Gades (Mitglied der Hafengesellschaft) von den anwesenden Politikern um eine Stellungnahme gebeten.

Wie Gades erklärte, habe nach den Vermutungen von technischen Beratern ein hoher Sandeintrag während der Winterstürme im Hafen stattgefunden. Dieses Material kann aber die “AKKE” nicht räumen. Die Solltiefe konnte bei dieser Maßnahme also nicht erreicht werden. “Wir liegen zurzeit um 20 cm über unserer gewünschten Tiefe”, so Gades. Um dieses Defizit auszumerzen, müsste ein Hobberbagger eingesetzt werden.

Dass es doch dann sinnvoll sei, den geplanten Baggereinsatz des Wasser- und Schifffahrtsamtes vor Dagebüll zum Anlass zu nehmen, um einen Folgeauftrag zu vereinbaren, regten die Gremienmitglieder an.

Wie Gades erklärte, sei man erst durch die Presse informiert worden, dass überhaupt vor Dagebüll gebaggert werden soll. Eine Mitteilung durch das WSA sei nicht erfolgt. Man habe schon den Eindruck, dass man seitens der Behörde leicht “verschnupft” sei.

Diese Vermutung resultiert wiederum aus der Tatsache, dass die Versorgungsbetriebe Amrum, Anstalt des öffentlichen Rechts, als Rechtsnachfolgerin des Amt Amrum und die WDR einen Prozess gegen die Behörde führen. Das Wasser- und Schifffahrtsamt sieht sich immer noch nicht in der Verpflichtung, die Hafeneinfahrt Wittdüns auf Tiefe zu halten. So übernahmen bisher unter Vorbehalt das Amt Amrum zu 1/3 und die Reederei zu 2/3 die Kosten für mehrere Baggerungen, um die tideunabhängige Erreichbarkeit des Fähranlegers in Wittdün zu gewähren. Verschiedene Wirtschaftlichkeitsberechnungen rechtfertigen laut Aussage der Behörde dessen Haltung.

Norddorfs Bürgermeister Peter Koßmann äußerte sein Unverständnis über die Lage. Es könne doch nicht sein, dass zulasten einer ganzen Ferienregion Probleme nicht umgehend behoben werden. Der Ministerpräsident schaltet sich ein, wenn ein Flugzeug vom Kniepsand starten soll und hier, wo es um die wirtschaftliche Abhängigkeit der ganzen Insel geht, läuft nichts zusammen.

Auf Anfrage beim WSA in Tönning konnte Pressesprecher Dallhoff versichern, dass man keineswegs verschnupft sei. Man sehe das Verfahren wertfrei für die weitere Zusammenarbeit. Doch sei mann mit der Ausschreibung für die Baggermaßnahme vor Dagebüll nicht so weit fortgeschritten, dass man einen festen Termin veröffentlichen könne. Sobald Terminklarheit bestünde, hätte die Behörde ohnehin über die Maßnahme informiert.

Wie Gades erklärte, gelten allerdings für die Hafengesellschaft andere Vorschriften für Ausbaggerungen und Verklappungen als für das WSA. So dürfe nur bis zu einer Wassertemperatur von 10°C gearbeitet werden. Das mache einen Einsatz zu der geplanten Zeit der WSA-Maßnahme im Juni unmöglich. Hier habe die Behörde den Vorteil, dass sie nicht an diese Vorschrift gebunden ist. Zwar wird schon über eine Anhebung des Grenzwertes auf 12°C beraten, doch auch die würde dann wohl überschritten sein.

Nach Auskunft des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein, müsse in diesem Falle ein Antrag auf eine Dringlichkeit gestellt werden, der dann vom Landesbetrieb und dem Umweltministerium in Kiel zu befinden sei.

Gades versprach die Probleme bei Niedrigwasserständen noch vor der Hauptreisezeit abarbeiten, zu lassen. Gegebenenfalls wird dann noch kurzfristig ein geeignetes Gerät für Abhilfe sorgen.

Die Reederei bittet derweil ihre Kundschaft auf der Homepage um Verständnis, dass während des zeitlichen Zusammentreffens von Niedrigwasser und Ostwind der Fährfahrplan aufgrund der unzureichenden Wasserverhältnisse vor Dagebüll und im Dagebüller Hafen unterbrochen werden könnte. www.faehre.de

Verantwortlich für diesen Artikel: Thomas Oelers

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Über Peter Lückel

Peter Lückel wurde 1961 in Duisburg geboren und ist in Mülheim an der Ruhr und Essen-Kettwig aufgewachsen. Seine Affinität zum Wasser hat ihn schon immer an das Meer gezogen. 1983 konnte er dem Sog nicht mehr widerstehen und ist sozusagen nach Amrum ausgewandert. Heute arbeitet er als freier Grafiker auf der Insel, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Im Jahr 2000 hat er Amrum-News mit gegründet und ist dort Chefredakteur.
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