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Rede und Antwort…(to)

Interview mit dem Klinikdirektor der Fachklinik Satteldüne (Artikel vom 16.10.2008)

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In Unserem Artikel “Bestand der Fachklinik Satteldüne gesichert…” vom 22.09.2008, berichteten wir über 13 Millionen Euro, die die Rentenversicherung Nord für weitere Baumaßnahmen bewilligt hat. Da die Satteldüne größter Arbeitgeber der Insel ist, interessierten wir uns für genauere Hintergründe und besuchten Klinikdirektor Lothar Herberger in seinem Büro.

Amrum-News

Herr Herberger, wie wir kürzlich berichteten, sind Ihnen von der Rentenversicherung Nord 13 Millionen Euro zur Sicherung der Kinderfachklinik Satteldüne zugesichert worden. Wenn wir richtig informiert sind, sollte doch erst im Jahre 2010 über den Erhalt des Klinikstandortes entschieden werden. Bedeutet die Investitionszusage nun eine vorzeitige Sicherung des Fortbestandes?

Lothar Herberger

Mit dieser Zusage soll die Klinik unterstützt werden, die finanzielle Sicherung kurzfristig erreichen zu können. Das heißt, dass wir mit diesem Geld die notwendige Einrichtungen herstellen, mit denen für die Zukunft die Qualität der Behandlung verbessert wird und insbesondere die Patienten die von Familienangehörigen begleitetet, in der Klinik entsprechend untergebracht werden können. Damit wollen wir die Klinik qualitativ hochwertig aufstellen, um so den Fortbestand der Klinik dauerhaft garantieren zu können.

Amrum-News

Wann ist dann der Zeitpunkt erreicht, an dem die DRV-NORD die Entscheidung trifft, die Klinik zu erhalten?

Lothar Herberger

Ich bin mir sicher, dass wir uns mit dieser neuen Ausrichtung bereits jetzt schon so positiv positionieren konnten, dass für die Deutsche Rentenversicherung – Nord vielleicht eine frühzeitige, beziehungsweise kurzfristige Entscheidung ermöglicht sein wird.

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Amrum-News

Was hat die DRV-NORD dazu bewogen, in diesem Stadium Ihrem Kurs zu folgen und weiteres Geld in diese Einrichtung zu investieren?

Lothar Herberger

Wir, Herr Zwirner, mein Stellvertreter und ich, haben im letzten Jahr intensiv untersucht, wie die Patientenzuweisung und die Nachfrage in den letzten Jahren strukturiert gewesen ist. Dabei haben wir festgestellt, dass sich hierbei im erheblichen Masse ein Wandel vollzogen hat.

Zum einen ist die Zahl der chronisch erkrankten Patienten die bereits im frühen Kindesalter an Rehabilitationsmaßnahmen teilnehmen außerordentlich angestiegen. Dies bezieht sich insbesondere auf die Altersgruppe der Kinder bis 7 Jahre. Diese Kinder werden in der Reha-Maßnahme ausnahmslos von ihren Eltern (Mutter oder Vater) und Geschwistern begleitet.

Gleichzeitig ist die Zahl der älteren Kinder, sprich die zwölf- bis siebzehn-jährigen Kinder und Jugendlichen die an Rehabilitationsmaßnahmen teilnehmen, im Jahresdurchschnitt zurückgegangen. Diese Patientengruppe zeigt gleichzeitig eine erhöhte Nachfrage nach Rehabilitationsplätzen in den Ferienmonaten.

Des weiteren stand für die Entscheidung die Tatsache, dass wir im Rahmen unserer neuen konzeptionellen Vorstellungen nachweisen konnten, dass wir die fachlich notwendigen Voraussetzungen eingerichtet haben und werden, die für diese veränderte Situation erforderlich sind. Das bedeutet auch, dass wir in unserer Klinik künftig ein ganzheitliches Angebot anbieten, um den Eltern und gleichzeitig der ganzen Familie zu helfen, das Schicksal ein chronisch krankes Kind in der Familie zu haben, meistern.

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Amrum-News

Wo sie schon die Patientenstruktur angesprochen haben, ist es für unsere Leser von Interesse, wie sich die Situation der an der Mukoviszidose erkrankten Patienten zukünftig im Klinikum darstellt. In den zurückliegenden Jahren gehörten sie fest zur Patientenstruktur. Wird auch in der neuen Konzeptionierung Raum für die Behandlung der Mukoviszidose – Patienten (Cystische Fibrose /CF) sein und wird deren Behandlung weiterhin ein wichtiger Teil der medizinischen Arbeit in der Fachklinik Satteldüne sein oder verabschiedet man sich von dieser Patientengruppe?

Lothar Herberger

Genau dieser Punkt war eine der ersten Fragen, die wir mit dem Träger, der DRV-NORD, diskutiert haben. Wir haben deutlich gemacht, dass die rehabilitative Behandlung von Mukoviszidose – Patienten in Fachklinik Satteldüne auch künftig ein Schwerpunkt sein soll. Wir konnten zu dem damaligen Zeitpunkt und auch heute noch nicht, über die exakten Kosten für eine Rehabilitationsbehandlung etwas sagen, doch die DRV-NORD hat ohne das wir diese Kosten genau beziffern konnten verdeutlicht, dass die Behandlung von Mukoviszidose Patienten auch in der Zukunft unbedingt ein Schwerpunkt in der Behandlung der Klinik ist . Wir sind gemeinsam sogar noch ein Stück weitergegangen. Mit diesen jetzt bereitgestellt weiteren dreizehn Millionen Euro werden wir die Behandlung der CF-Patienten nochmals qualifiziert erweitern können. Das therapeutische Angebot und das Begleitangebot wird weiter verbessert, insbesondere auch deshalb, da sich auch hier in den letzten Jahren Anteil der jüngeren Patienten in Begleitung eines Elternteils verstärkt hat.

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Amrum-News

Wir haben schon darüber gesprochen, wofür ein Teil der 13 Mio. Euro verwendet werden sollen. Uns interessiert darüber hinaus, welche Veränderungen sie in ihrer Funktion als Klinikdirektor bisher vollzogen haben und was die Zukunft noch bringen wird?

Lothar Herberger

Wir, Herr Zwirner und ich, haben zum einen genau betrachtet, wo Ressourcen noch verbessert werden, beziehungsweise Ressourcen herausgearbeitet werden können. Zum anderen haben wir verdeutlicht, wo Einsparungen möglich sind. Hierzu wurden alle im Klinikum zu erbringenden Leistungen auf den Prüfstand gestellt. Dabei wurde in einigen Bereichen deutlich, dass externe Anbieter Leistungen preisgünstiger anbieten konnten, als die Betriebseigenen – wie zum Beispiel in den Teilereichen der Wäscherei oder in den Laborleistungen.

Im Ergebnis der Untersuchung wurden aber auch bereits an Fremdfirmen vergebene Bereiche wieder in den Eigenbetrieb eingegliedert. Hierzu gehören zum Beispiel die Küche, der Rezeptionsbereich und die Telefonzentrale. Bei diesen Neustrukturierungen haben wir darauf geachtet nach Möglichkeit Amrumer Firmen und Dienstleister mit ins Boot zu nehmen.

Weiter haben wir einhergehend mit der Neustrukturierung der Gebäudestruktur auch die Wohnungssituation für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verbessert. Mit Unterstützung vieler Amrumer können wir nun für alle adäquate Wohnungen außerhalb des Klinikgeländes anbieten. So ist bzw. wird es dem Personal künftig ermöglicht, nach getaner Arbeit im Klinikum auch nach Hause gehen zu können und nicht in der Freizeit noch weiterhin in den Klinikalltag ein großes Stück eingebunden zu sein.

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Sie haben in ihren Ausführungen die Mitarbeiter bereits angesprochen. Veränderungen tun sicherlich auch weh. Gehen alle Mitarbeiter den eingeschlagenen Weg mit?

Lothar Herberger

Dies ist ein ganz schwieriges Thema. Wir haben von Anfang deutlich gemacht, dass wir um die Zukunft der Klinik sichern zu können, möglicherweise in vielen Bereichen einschneidende Veränderungen durchführen müssen. Der folgende Verlauf war für viele ein absolut völlig neuer Weg, der vor dem Hintergrund der eingeschliffenen Verhaltensmuster sehr unbequem gewesen ist. Hier waren wir sehr froh, dass wir von Beginn an konstruktive Gespräche mit dem Personalrat führen konnten. Darüber hinaus haben den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Möglichkeit gegeben, das neue Konzept mitzugestalten. Dafür fanden und finden turnusmäßige Gespräche mit den Abteilungsleitern und Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in den Abteilungen statt. Der Informationsfluss hat einen hohen Stellenwert im Klinikum erhalten.

Durch die hohe Einbindung aller ist die überwiegende Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter de neuen Weg mitgegangen. Dies hat von allen ein hohes Maß an persönlichem Engagement abverlangt und dafür möchte ich allen recht herzlich danken. Einige wenige haben im Laufe der Zeit verdeutlicht, dass sie das nicht können und entsprechende Entscheidungen für sich getroffen.

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Bei der Tagung des Rehabilitationsausschusses, der DRV-NORD hat, der Vorsitzende Rainer Bruns, in Verbindung mit der beschlossenen Investition von 13 Mio. Euro die Stärkung der Amrumer Bauwirtschaft angesprochen. Werden in Zukunft auch verstärkt Amrumer Baufirmen an den Bautätigkeiten beteiligt sein?

Lothar Herberger

Alle Arbeiten werden vom Bauträger ín Zusammenarbeit mit einem Architekturbüro ausgeschrieben. Hieran können sich natürlich auch die Amrumer Firmen beteiligen. Für Maßnahmen von größerem Volumen besteht allerdings die gesetzliche Vorgabe der Europäischen Gemeinschaft, diese europaweit auszuschreiben. Bei der Submission, für die das Baudezernat der DRV-NORD zuständig ist, muss dann geprüft werden, wer das kostengünstige Angebot abgegeben hat.

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Amrum-News

Die Satteldüne war bisher für Amrumer Eltern ein wichtiger Anlaufpunkt für die Ambulante- als auch Notfallversorgung ihrer Kinder. Kann man hier auch weiterhin mit dieser Hilfe rechnen können?

Lothar Herberger

Die Satteldüne versteht sich als ein Teil des Behandlungs- und Betreuungsangebotes, für die Kinder Amrums und der Gäste. An dieser Aufgabenstellung wird sich auch in der Zukunft überhaupt nichts ändern. Wir werden im Rahmen unseren konzeptionellen Erweiterung das Angebot im Ärztlichen und therapeutischen Zentrum, in dem die Versorgung der Kinder durchgeführt wird, nochmals verbessern. Kurzfristig, das heißt, als eine der ersten Maßnahmen, die aus der neuen Investitionszusage umgesetzt werden soll, wird dieser Bereich komplett umgebaut bzw. umgestaltet werden. In der Bauplanung befinden wir uns schon im Finale, sodass bereits zu Beginn 2009 mit den Arbeiten begonnen werden kann. Wir gehen davon aus, dass wir bereits im Mai 2009 die verbesserte Situation, auch im ambulanten Bereich fertig gestellt ist.

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Amrum-News

Auf Amrum ist bekannt, dass der ehemalige Chefarzt die Insel und somit auch ihre Einrichtung verlassen hat. Wie sieht zukünftig die medizinische Versorgung mit einem Chefarzt aus?

 

Lothar Herberger”

Ich freue mich dass uns für die vakante Stelle, die zurzeit kommissarisch betreut wird, vier äußerst interessante Bewerberbungen vorliegen und gehe daher davon aus die Stelle zeitnahe wieder besetzen können.

Amrum-News

Herr Herberger, wir danken ihnen, dass sie sich die Zeit genommen haben, mit uns zu sprechen und so unseren Lesern einen Einblick in die Entwicklung der Satteldüne und somit dem größten Arbeitgeber der Insel gegeben haben.

Verantwortlich für diesen Artikel: Thomas Oelers

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Über Peter Lückel

Peter Lückel wurde 1961 in Duisburg geboren und ist in Mülheim an der Ruhr und Essen-Kettwig aufgewachsen. Seine Affinität zum Wasser hat ihn schon immer an das Meer gezogen. 1983 konnte er dem Sog nicht mehr widerstehen und ist sozusagen nach Amrum ausgewandert. Heute arbeitet er als freier Grafiker auf der Insel, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Im Jahr 2000 hat er Amrum-News mit gegründet und ist dort Chefredakteur.
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