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10 Jahre nach der Pallas Havarie…(to)

Ist die Gefahrenabwehr in Unglücksfällen wie der Pallas effektiver geworden?(Artikel vom 28.10.2008)

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In diesem Jahr, am morgigen 29. Oktober, jährt sich zum 10. Mal die Havarie der “Pallas”, einem in Brand geratenden Holzfrachter, der unter der Flagge der Bahamas und im Besitz einer italienischen Reederei vor Amrum auf Grund lief. Und immer noch, da sind sich die Mitglieder der Insel- und Halligkonferenz einig, lässt die Politik nachhaltige Präventivmaßnahmen vermissen. Glücklicherweise immer noch nicht müde den Finger in die Wunde zu legen, werden sie auf dem Pallas-Gedenktag in Cuxhaven nochmals die Umsetzung der Empfehlungen der nach dem Unglück gebildeten Grobecker-Kommission fordern.

Die unabhängige Experten-Kommission, die unter Federführung des Bundesverkehrsministeriums im Februar 1999 eingerichtet worden war, trug den Namen des Bremer Ex-Finanzsenators Claus Grobecker. Im Jahr 2000 legte die Kommission ihre Vorschläge für ein verbessertes Notfall-Konzept für die deutschen Küsten an Nord- und Ostsee vor. Die Einrichtung eines Havariekommandos von Bund und Ländern 2003 in Cuxhaven war ein wichtiger Baustein aus dem Maßnahmen-Paket. Durch das Schiffsunglück war die mangelnde Koordination der Sicherheitskräfte offensichtlich geworden.

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Vielleicht sollte das Mahnmahl aus den Überresten des etwa 150 Meter langen Frachters, das für das Produkt aus Unglück und Politikum steht, lieber direkt vor dem Bundestag in Berlin stehen, statt auf einer Untiefe, knapp fünf Seemeilen südwestlich von Amrum auf seine Beerdigung durch die Nordsee zu warten. Alle Hoffnung, dass dieses Stück missliche Geschichte im Sand versinkt, sind bis zum heutigen Tag nicht erfüllt worden.

Die Insel- und Hallig Konferenz und andere Vereinigungen stellen dazu fest, dass Kernpunkte der Empfehlungen der damals eingesetzten Grobecker-Kommission bis heute nicht umgesetzt wurden. Mit diesem unbefriedigenden Zustand können und wollen sich die Mitglieder der Konferenz nicht abfinden. Einmal mehr werden sie nun anlässlich des zehnten Jahrestages ihre Forderungen auf einer Konferenz in Cuxhaven vortragen. Ein wichtiger Baustein bei der Gefahrenabwehr auf See ist die Installation einer nationalen sprich einer “Deutschen Küstenwache”, die kompetenzübergreifend agieren kann, sind die Mitglieder überzeugt. Sie forderten daher bereits im Februar in einem Schreiben die Bundes- und Landesregierung sowie die Mitglieder des Bundestages der Küsten, zum Handeln auf.

Die Bewohner der Uthlande, dem Lebensraum vor den Deichen, fragen sich bis heute, worauf die Politik wartet. Anscheinend reicht so ein Ereignis, wie die doch relativ kleine Pallas es war nicht aus, um eine doch so lebenswichtige Basis zu erwirken, in der sich ein schlagkräftiger Handlungsplan für die Zeit vor der Katastrophe wiederfindet.

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…der noch amtierende IHKo Vorstand

Als Veranstaltungsort hat man sich für Cuxhaven entschieden, da hier der Sitz des Havariekommandos, das im Fall der Fälle die Maßnahmen zur Gefahrenabwehr koordinieren soll, ist.

Sachberichte von Carlo von Bernem (GKSS-Research-Centre, Geesthacht), Bodo Kating (Ltd. Polizeidirektor der Bundespolizeidirektion Bad Bramstedt). Herrn H.W. Monsees (Leiter des Havariekommandos in Cuxhaven) und Beiträgen aus der Politik, unter anderem von Heinz Maurus (Leiter der Staatskanzlei Schleswig-Holstein), werden die Teilnehmer informieren. Eine Diskussion wird sich unter der Moderation von Ingbert Liebing, MdB anschließen.

Bleibt zu hoffen, dass der Diskussion zur Schiffssicherheit auf Nord- und Ostsee bald die nötigen Maßnahmen zur Umsetzung folgen werden. Wittdüns Bürgermeister Jürgen Jungclaus sieht in dem Aktionstag eine weitere Chance sich mit intensiver Arbeit einzubringen und die geforderten Präventivmaßnahmen zu unterstreichen.

Ein Ausflug kann es nur es nur für diejenigen sein, die sich in Cuxhaven in die hinterste Reihe setzen und sich dort stumpf berieseln lassen, erinnerte er auf der jüngsten Sitzung des Fachausschuss Amrum ein Sitzungsmitglied.

Neben dem Pallas-Gedenktag gilt es für die Mitglieder der IHKo auch ihre turnusmäßigen Vorstandswahlen durchzuführen. Der Vorstand wurde im Herbst 2006 auf Amrum für zwei Jahre gewählt. Seit dem leitet Helge Jansen von Sylt den Vorsitz im Verein. Stellvertreter ist Jürgen Jungclaus von Amrum. Beisitzer Paul Raffelhüschen aus Wyk, Klaus Jensen von Pellworm, Manfred Ueckermann von Sylt und Frank Botter von Helgoland.

Verantwortlich für diesen Artikel: Thomas Oelers

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Über Peter Lückel

Peter Lückel wurde 1961 in Duisburg geboren und ist in Mülheim an der Ruhr und Essen-Kettwig aufgewachsen. Seine Affinität zum Wasser hat ihn schon immer an das Meer gezogen. 1983 konnte er dem Sog nicht mehr widerstehen und ist sozusagen nach Amrum ausgewandert. Heute arbeitet er als freier Grafiker auf der Insel, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Im Jahr 2000 hat er Amrum-News mit gegründet und ist dort Chefredakteur.
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