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Klein, aber fein”…(lp)

Dieses Prädikat kann dem Sozialzentrum Föhr-Amrum verliehen werden (Artikel vom 22.01.2009)

sozialzentrum

Björn Lorenzen und stehend Dr. Gunnar Friedrichs

Die Ergebnisse der Bemühungen um die Langzeitarbeitslosen auf beiden Inseln unterstreichen dies. Im Laufe der Jahre ist nämlich die Zahl der Bedarfsgemeinschaften, die von Wyk aus betreut werden, kontinuierlich gesunken, was nicht nur auf die Konjunktur zurückzuführen ist. Geht es mit dieser allerdings weiter bergab, wird dies im späteren Laufe des Jahres nicht spurlos am Sozialzentrum vorbeigehen.

“Meine schnellste Vermittlung eines Arbeitslosen dauerte gerade einmal 20 Minuten. Ein Arbeitgeber hatte angerufen, und spontan fiel mir dazu der passende neue Mitarbeiter ein”.

Mit einer gewissen Genugtuung kann Dr. Edith Ulferts, die Leiterin des Sozialzentrums Föhr-Amrum, auf das besondere Charakteristikum der Einrichtung verweisen. “Die Kleinheit und Übersichtlichkeit des Zentrums verschafft uns den Vorteil sehr schnell reagieren zu können”. Die inzwischen acht Mitarbeiter kennen ihre Kunden nämlich sehr genau. Bereits beim ersten Gespräch im Sozialzentrum werden, wie Ulferts berichtet, die Anträge der Arbeitslosen intensiv besprochen. Damit soll den Kunden auch das Gefühl vermittelt werden, dass sie gut aufgehoben sind und ihr Fall nicht in irgend einem Aktenschrank verschwindet. In so genannten Fallkonferenzen wird die Situation der einzelnen Menschen diskutiert, damit jeder Mitarbeiter nicht nur im Bilde ist, sondern gegebenenfalls auch Alternativen vorschlagen kann. “Umfassende Beratung ist das A und O in unserem Geschäft”, so Edith Ulferts.

Zwar ist die Leiterin des Sozialzentrums nicht unbedingt ein “Fan von Statistiken”, doch sie kann ihnen auch nicht ganz aus dem Weg gehen. Nicht zuletzt, um die Ergebnisse des Einsatzes dokumentieren zu können. So weiß sie zu berichten, dass im vergangenen Sommer auf Föhr und Amrum nahezu eine Vollbeschäftigung zu verzeichnen war.

In den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres betreute das Sozialzentrum rund 200 Bedarfsgemeinschaften, deren Zahl im Winter auf 250 anstieg – eine Zahl, die immerhin noch einen Rückgang von 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Auf Amrum ist die Zahl der Bedarfsgemeinschaften erfreulich gering. Neben den tatsächlich Erwerbslosen, die das Arbeitslosengeld II beziehen, “verstecken” sich hinter dem Begriff der Bedarfsgemeinschaften unter anderem allein erziehende Mütter mit kleinen Kindern, Langzeiterkrankte oder auch Menschen, die einen Pflegefall in der Familie zu betreuen haben.

Auch im dritten Quartal des vergangenen Jahres, als die Saison bereits im Abflauen war, konnten noch mehr als 30 Personen in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen vermittelt werden. Und auch im November wurden noch zehn Vermittlungen registriert. Diese Erfolge sind nach Überzeugung von Edith Ulferts auch auf die Organisation der Sozialzentren im Kreis Nordfriesland zurückzuführen, die eine intensive Beschäftigung mit den Kunden ermöglicht. Außerdem konnte im Laufe der Jahre ein immer stabileres Netzwerk zwischen Sozialzentrum und Arbeitgebern auf den Inseln, aber auch auf dem Festland aufgebaut werden. Dies trug auch mit dazu bei, dass im vierten Jahr in Folge alle ausbildungsfähigen Jugendliche ein Ausbildungsplatz oder eine Arbeitsstelle vermittelt werden konnte.

In dieses Netzwerk wurden übrigens auch die Bürgermeister der Inseldörfer integriert, mit dem Ziel unbesetzte Stellen in ihren Gemeinden rasch dem Sozialzentrum mitzuteilen.

Wenn auch die Mitarbeiter des Zentrums sehr engagiert sind, Erwerbslose im Rahmen der Möglichkeiten zu fördern, so sind sie doch nicht bereit, diese in Watte zu packen. Edith Ulferts steht durchaus auf dem Standpunkt, dass es einem Arbeitslosen zuzumuten ist, eine Stelle auf dem Festland oder auf Amrum anzunehmen. Den Beweis, dass ein Zwischenfahren zwischen Wittdün und Wyk machbar und möglich ist, hat sie mit Dr. Gunnar Friedrichs seit kurzer Zeit im eigenen Haus. Der Jurist der aus Plön auf die Insel kam und als Fallmanager beschäftigt ist, wohnt nämlich aus privaten Gründen auf Amrum. Dabei bietet er nicht nur Sprechstunden im Nebeler Amt an, sondern pendelt regelmäßig nach Föhr. Gunnar Friedrichs, der in Kiel Jura studierte, war nach einem beruflichen Aufenthalt in Schweden als selbständiger Rechtsanwalt in Kiel tätig, um schließlich bei der ARGE in Plön tätig zu werden. “Die Beschäftigung mit Menschen, wie es mir jetzt auf den Inseln ermöglicht wird, macht mir sehr viel Spaß”, so der Neu-Amrumer, der auch davon überzeugt ist, mit seinem Wissen über rechtliche Dinge einiges bewirken zu können.

Ein weiterer Neuzugang im Sozialzentrum Föhr-Amrum ist der Verwaltungsfachangestellte Björn Lorenzen, der in Wyk mit der Leistungsberechnung beauftragt ist. Der 22-Jährige, der aus der aus dem Raum Viöl stammt, hat sich nach eigenem Bekunden nie vorstellen können, einmal nach Föhr zu ziehen. Doch nun ist er über diese Entwicklung recht glücklich: “Die Kollegen haben mich super aufgenommen, und die Arbeit macht viel Spaß”.

C. Leipersberger-Nielsen für Amrum-News

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Über Peter Lückel

Peter Lückel wurde 1961 in Duisburg geboren und ist in Mülheim an der Ruhr und Essen-Kettwig aufgewachsen. Seine Affinität zum Wasser hat ihn schon immer an das Meer gezogen. 1983 konnte er dem Sog nicht mehr widerstehen und ist sozusagen nach Amrum ausgewandert. Heute arbeitet er als freier Grafiker auf der Insel, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Im Jahr 2000 hat er Amrum-News mit gegründet und ist dort Chefredakteur.
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