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Wenn wir unsere Journalistin Carmen Klein mal von der Insel lassen…

Ein außergewöhnliches kosmetisches Erlebnis.

Haben sie auch manchmal das Gefühl, sich mal was richtig Gutes gönnen zu müssen? Eine entspannende kosmetische Behandlung für das Gesicht zum Beispiel? „Genau das Richtige“, hatte ich mir so im Urlaub auf dem Festland gedacht. „Nur für mich“, schwelgte ich dahin. Bei den Preisen kam ich dann auch zu dem Entschluss, dass es auch nur für mich reichen würde. Egal, ich wollte mich mal so richtig verwöhnen lassen.

„Mit unserer hochwertigen Kosmetik und den ausgefeilten Behandlungsmethoden bieten wir Ihnen ein außergewöhnliches kosmetisches Erlebnis mit einem optimalen Resultat für Ihre Haut“ prangte es mir am Tresen des Beautybereichs unserer Ferienanlage entgegen. Ich war beeindruckt und schlängelte mich gedanklich auf der Angebotsliste durch Extrem-Harmonie-Behandlung, Rosenquarz-Gesichtmassage und Schokoladenmaske und entschied mich für die 80-minütige Schönheitsbehandlung Luxus. Wenn Titanic, dann erster Klasse! Wenn meine Haut hinterher so schön glatt ist, wie die neuen 50 Euro Scheine, die ich über den Tresen schob, dann hätte sich die „Krötenwanderung“ in die Kosmetikkasse ja gelohnt.

Mit der Aussicht auf diesen Beauty- und Wellness-Genuss folgte ich der wandelnden Werbepuppe für Superkosmetik mit dem makellosen Porzellan – Make-up, den Trauerrändern um die Lider und dem knalligen Erdbeermund in die Beauty-Gemächer. Sphärische Klänge, Räucherstäbchen und Kerzenlicht tauchten um mich herum auf. Erwartungsvoll nahm ich Platz in einem großen weißen Stuhl. „Jetzt geht’s los mit dem Verwöhnen!“, dachte ich und entspannte mich zusehends. Frau Superschön deckte meinen Oberkörper mit Handtüchern ab. „Soll ich ihnen die Wimpern schwarz färben?“ Wimpern schwarz färben? Ich hatte doch schwarze Wimpern. „Dann wirken sie länger und etwas voller“, empfahl sie mir diese Beauty-Idee. Na, denn mal los. Zuvor unterzog sie mich noch einer Hauttypanalyse. „Sie sollten nicht soviel rauchen, ihre Haut ist sehr grau!“ Ich konnte mich nicht daran erinnern, jemals eine Zigarette geraucht zu haben und erst gestern hatte meine Freundin mir bestätigt, dass ich immer noch so schön braun sei, oder hatte sie grau gesagt? Leider konnte die aufrichtige Dame nicht meinen entsetzten Blick sehen, denn ich war mit Wattepads schon völlig lahm gelegt. Von meinen Augen lugten nur noch die Wimpern hervor. „Ich mach jetzt die Farbe drauf. Die muss dann eine halbe Stunde einwirken. Bitte machen sie auf keinen Fall die Augen auf!“, ermahnte sie mich eindrücklich, während ein Wasserkocher relativ warme feuchte Luft in mein Gesicht dampfte. „Ich lasse sie jetzt 30 Minuten allein. Bitte öffnen sie auf keinen Fall die Augen, sonst läuft ihnen die Farbe hinein und das brennt sehr stark!“ „Na super“, dachte ich. Nun lag ich da, zugedeckt mit Handtüchern, Wattepads und Wasserdampf. Über mir sprudelten sphärische Klänge, die sich nach fünf Minuten – oder waren es schon 10 Stunden? – immer wieder gleich anhörten. Mir ging das unmusikalische Gebimmel aus den Lautsprechern über mir jedenfalls langsam auf die Nerven. Also konzentrierte ich mich darauf, meine Augen nicht aufzumachen, während ich vom Wasserdampf langsam aufweichte.

Ich schwöre! Ich habe die Augen zu keiner Zeit auch nicht einen klitzekleinen Spalt geöffnet. Wasser sucht sich nun mal seinen Weg. Auch die Tropfen auf meiner Haut, die sich durch den Kocher neben mir in meinem Gesicht bildeten. Und da! Es musste ja passieren! Er lief direkt darauf zu! Ein Tropfen! Auf mein Auge! Mitten rein und hatte – richtig – Farbe im Schlepptau! Jedes einzelne Farbpigment konnte ich spüren, während die halbe Stunde zu einer Ewigkeit wurde. Dann kam die Erlösung. Das Porzellangesicht nahm mir die Watte von den Augen und tupfte an mir herum. „Sehr schön, das sieht ganz toll aus“, freute sie sich. Ich war beruhigt. Na, das schien sich ja schon mal gelohnt zu haben. Auch der Wasserkocher belästigte mich nicht mehr.

Frau Superschön machte sich an meine Haut. Während sie in meinem Gesicht rumdrückte, wünschte ich mir wieder die Farbe ins Auge. Anscheinend holte sie die Mitesser aus der untersten Hautschicht. Jedenfalls rutschte ich fast vom Stuhl. “Was machen sie da eigentlich?“, quäkte ich kaum verständlich zwischen ihren Fingern hindurch, während sie gerade links neben meinem Nasenloch quetschend, scheinbar mit ihrem gesamten Körpergewicht, mit dem Mitesser kämpfte. Mir schossen die Tränen samt Farbpigmente in die Augen. Völlig erschöpft und halbwegs blind setzte ich mich wieder aufrecht in den Stuhl. „Jetzt nur noch die Augenbrauen zupfen“, erklärte Frau Superschön. Ich atmete auf, nur noch Augenbrauenzupfen. Eine Minute später wusste ich, wie sich ein Huhn fühlen muss, wenn es lebendig gerupft werden würde. Ich weiß nicht, was ich für Augenbrauen hab, aber nach den Schmerzen zu urteilen müssen sie Wurzeln wie Dünengras haben. Frau Superschön war begeistert. Ich würde jetzt ganz toll aussehen, meinte sie und versuchte meine Schönheitsfolter Luxus mit einer angenehmen Kopfmassage wettzumachen.

Kurze Zeit später schaute ich in den Spiegel und betrachtete meine wunderschön geschwollene Haut. Besonders an Kinn und Nase sorgten die roten Schwellungen für ein erfrischendes Farbspiel. Die graue Haut war verschwunden. Unter meinen Augen machten sich meine Augenringe aus Wimpernfarbe wirklich gut. Auch mein Mann fand, die Behandlung hätte sich gelohnt. „Super, Schatz! Deine Tränensäcke sind jetzt viel besser zu sehen“, freute er sich für mich.

Die Qualität der Farbe war fantastisch. Meine Augenringe hielten sich fast fünf Tage. Die Schwellungen und Rötungen ließen dann allerdings doch rasch nach und meine graue Haut kam wieder zum Vorschein. Da nützte auch die von Frau Superschön empfohlene Intensiv-Pflegeserie Faltenfrei für die Mischhaut mit Hyper-Hybrid-Anti-Aging-Kügelchen, Microsilver 3000-Wirkstoff und dem bekannten Hula-Hula-Serum der Firma Ultrateuer nichts. Trotzdem, es hatte sich wirklich gelohnt – für das Kosmetikstudio!

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