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Ein Handwerk der besonderen Art…(to)

Viele Prominente, ob nun aus der heutigen, als auch vergangenen Zeit, verdanken Saskia Ruth bereits ihr „ewiges“ Leben. Einzige Einschränkung: Die Persönlichkeiten finden sich in Wachs gebannt wieder. (Artikel vom 17.04.2009)

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Saskia Ruth mit Robbie

Die Bildhauerin Saskia Ruth aus Norddorf zeigt sich bisher für 35 von 130, der im Hamburger Wachsfigurenkabinett „Panoptikum“ ausgestellten, in Wachs gegossenen Prominenten verantwortlich. Die große Gabe, der später stocksteif dastehenden Figur, so viel Detailgetreue zu verleihen, dass der Betrachter das prominente leibhaftige Ebenbild vor sich vermuten könnte, geht weit über die rein handwerkliche Leistung hinaus. Vielmehr gehören das geschulte Auge und die Vorstellungskraft der Künstlerin, die Feinheiten des menschlichen Gesichts, anhand von Fotos und im Glücksfall an den Originalen direkt abgegriffenen Eckmaßen, Maßstabsgerecht 1:1 umzusetzen.

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Als die im Februar 1958 geborene und auf Amrum aufgewachsene Saskia Ruth nach ihrem Abitur in Niebüll die Berufsfachschule für Bildhauerei in Flensburg besuchte, galt ihre Ausbildung dem Werkstoff Holz. Hiervon verabschiedete sich die Künstlerin nach ihrer Ausbildung aber bereits relativ schnell wieder. Die ersten Anfänge ihrer Berufslaufbahn als Bildhauerin fanden sich vor über 25 Jahren in Hamburg. Mit kleineren Aufträgen schaffte sie sich mit ihrem Mitstreiter Gottfried Krüger relativ schnell einen Absatzmarkt, der im Bereich der angewandten Bildhauerei eine Nische für die Beiden aufzeigte. Neben vielen Projekten für die Werbe- und Filmindustrie spezialisierten sie sich zunehmend auf den Bereich des Portraitierens und die Herstellung realistisch aussehenden Figuren aus Wachs bzw. Kunststoff. „Die meisten Aufträge verlangen nach schnell zu verarbeitenden Werkstoffen und häufig blieb uns nach dem Anruf des Auftraggebers kaum mehr als ein oder zwei Tage, um die benötigten Requisiten, wie zum Beispiel Attrappenpuppen, sogenannte Dummies eine verbrannte Männerhand anzufertigen. Hierbei haben wir nicht selten bis in die Nacht mit verschiedensten Materialien experimentiert, um die gewünschten Eigenschaften zu erreichen. „Es müssen alle Details extra entworfen werden, da es auf dem Markt für die Spezialeffekte weitgehend keine Fertigprodukte gibt“, erklärte Saskia Ruth bei unserem Besuch in ihrem Amrumer Atelier.

Seit nunmehr dreieinhalb Jahren ist sie wieder auf Amrum zu Hause und pendelt zwischen ihrer Geburtsinsel, wo sie mit Freund Thomas und ihrem gemeinsamen neunjährigen Sohn Vincent lebt und ihrer Wohnung im Hamburger Stadtteil Hohenfelde. Dort hat sie noch ihr Atelier behalten. „Meine mittlerweile 88 und 90 Jahre alten Eltern konnten für mein Gefühl, gut ein wenig Unterstützung brauchen“, erklärt Saskia Ruth ihren Umzug nach Amrum. Wie rege sie auch heute noch sind, beweist ihr Vater täglich an der Kreissäge, mit der er das Kaminholz auf Länge bringt.

Neben ihrem Studium der Bildhauerei, legte die Künstlerin noch eine Ausbildung nach und studierte Diplom-Psychologie. Seit nunmehr 12 Jahren steht sie,, neben ihrer künstlerischen Arbeit, auch Hilfe suchenden Menschen mit ihrem Rat zur Seite. Auch auf Amrum bot sich die Chance über das Diakonische Werk, vorerst ehrenamtlich die professionelle Hilfe einzubringen.

Mit Gottfried Krüger, der sein Atelier heute in Berlin betreibt, verbindet sie immer noch eine enge und freundschaftliche Zusammenarbeit. Im Januar zum Beispiel fuhr die Künstlerin nach Berlin und half Krüger bei der Fertigstellung der Wachsfigur von Otto Waalkes. „Es ist gut, wenn man die Möglichkeit hat, eine unvoreingenommene Sichtweise einholen zu können. Wenn man schon viele Stunden an den Gesichtszügen gefeilt hat, kann schon mal eine „Sackgasse“ entstehen und ein Detail übersehen werden. In solch einem Moment ist der Blick meines Kollegen schon oft sehr hilfreich gewesen“, so die Künstlerin.

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In den meisten Fällen müssen diese Figuren auf der Grundlage von vielen Fotografien modelliert werden. Weltstars haben nun mal leider selten Zeit, um Modell zu sitzen. Wenn es dann doch mit einem Ortstermin klappt und die Prominenten einmal persönlich vermessen und fotografiert werden können, gestaltet sich die Arbeit doch etwas einfacher und es trägt enorm zur Präzision bei. “Die Nase war bei Thomas Gottschalk zum Beispiel die schwierigste Aufgabe. Die Abmessungen lassen keine Toleranzen zu. Ein Hauch zu kurz oder ein Millimeter zu lang, verändert das Aussehen total“, erklärt Saskia Ruth. Sechs Monate dauerte die Schaffung der Wachsfigur, die Arbeitsstunden gingen dabei weit über eine normale Arbeitswoche hinaus.

Anhand ihres gerade abgeschlossenen Projekts, einer Wachsfigur von Topmodel Heidi Klum, zeigt Saskia Ruth die ersten Schritte bei der Entstehung der Nachbildung. Das zu erreichende Ziel, das auch aus der Nähe betrachtet, die Figuren sehr lebensecht aussehen, wird durch ein Porträt aus Ton erreicht. An diesem werden bereits alle Feinheiten, Formen und Eigenschaften des Vorbildes modelliert. Erst wenn alles perfekt ist, wird eine Negativ-Form aus Gips gebaut, um sie anschleißend mit Wachs auszugießen. Um die perfekte Illusion zu erreichen, werden die Köpfe mit eigens angefertigten Glasaugen und Zähnen sowie mit echtem Menschenhaar ausgestattet. Die Körper werden ganz individuell auf Maß geformt, sodass eine typische Körperhaltung zum Ausdruck kommt. Die Augen werden zum Beispiel speziell gefertigt und verschlingen allein 200 Euro pro Paar. „Um die genaue Struktur der Iris und Pupille wieder zu geben, ist jede Bestellung eine Einzelanfertigung. Wenn man allerdings nur den reinen Tonkopf sieht, fragt man sich, wie das Heidi Klum sein kann.

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Im Januar galt es im Wachsfigurenkabinett in Hamburg, mit viel Liebe fürs Detail, die ausgestellten Persönlichkeiten zu restaurieren und eventuelle Beschädigungen auszumerzen. Hierfür wurden die Köpfe im Panoptikum demontiert und auf Amrum dann aufgearbeitet. „Die schlimmste Beschädigung erlitt die Nachbildung von Romy Schneider in ihrer Filmrolle als Sissi”, erzählt die Künstlerin. Eine allzu lebhafte Besuchergruppe warf sie versehentlich um, sodass die österreichische Kaiserin in unzählige Stücke zerfiel. „Da brannte mir schon das Herz“. In einer Sisyphusarbeit stellte Saskia Ruth den Kopf in seiner alten Pracht wieder her. Weitere von ihr geschaffene Berühmtheiten sind der unvergessliche Charlie Chaplin, Königin Sylvia nebst Gatten, Mozart, die Beatles, Marilyn Monroe, Erich Honecker, Michail Gorbatschow, James Dean, Lady Di und Frauenschwarm Robbie Williams, Thomas Gottschalk und demnächst Heidi Klum.

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Einen regelrechten Kontrast stellt im Vergleich ihre Arbeit mit Bronze dar. Durch ihre Arbeit mit dieser Legierung machte sie als Bildhauerin auch weit über die Grenzen Hamburgs bekannt.. Ihre Skulpturen und Figuren zieren Firmen-Foyers und sind in Museen zu besichtigen. Das klassische Porträt des Alfred Nobel thront zum Beispiel in der Physikalischen-Forschungs-Anstalt in Geesthacht. Bei der Bildhauerei mit dem Edelmetall seien Arbeitsspuren beispielsweise durchaus erlaubt und bieten so bei den Bronze-Arbeiten die künstlerische Freiheit, die eine Bildhauerin zum Ausdruck bringen möchte. So etwas geht bei den Wachsfiguren gar nicht.

In der Ausstellung des Öömrang Ferian „Cornelius Petersen der Kojenmann, im ehemaligen Dünenbad in Norddorf, kann in Form des Cornelius Petersen ebenfalls ein Werk von der Bildhauerin betrachten werden. Für den Mühlenverein wird sie demnächst eine Wachsfigur anfertigen, die das Ebenbild einer Amrumer Friesin darstellen wird und dabei eine originale Friesentracht tragen wird.

 

Verantwortlich für diesen Artikel: Thomas Oelers

 

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Über Peter Lückel

Peter Lückel wurde 1961 in Duisburg geboren und ist in Mülheim an der Ruhr und Essen-Kettwig aufgewachsen. Seine Affinität zum Wasser hat ihn schon immer an das Meer gezogen. 1983 konnte er dem Sog nicht mehr widerstehen und ist sozusagen nach Amrum ausgewandert. Heute arbeitet er als freier Grafiker auf der Insel, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Im Jahr 2000 hat er Amrum-News mit gegründet und ist dort Chefredakteur.
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