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Barbara Rudnik auf Amrum…(to)

Amrum-News bekam das Exklusiv-Interview (Artikel vom 06.05.2009)

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Für die bekannte Schauspielerin war – nach eigener Aussage – die Rolle der „Carla“ in dem gerade abgedehten ZDF-Krimi genau richtig.
Mittlerweile ist das Produktionsteam, das unter der Regie von Markus Imboden gedreht hat, wieder abgefahren. Die Inselmedien haben es aber nicht versäumt, die in diesem Zusammenhang auf der Insel arbeitenden Schauspieler und Schauspielerinnen vorher vor die eigene Linse zu holen. Uns freute es sehr, dass wir ganz exklusiv mit der überaus populären Schauspielerin Barbara Rudnik einen Interviewtermin vereinbaren konnten. An einem drehfreien und sonnigen Tag berichtete die Schauspielerin aus ihrem derzeitigen Lebensabschnitt. Unter dem Gesichtspunkt, dass Barbara Rudnik mit einem großen Teil ihrer Lebenskraft seit 2005 gegen eine unheilbare Krebserkrankung ankämpft, stellt diese Zeit für die 50-Jährige sicher einen bedeutsamen, wenn auch nicht wünschenswerten Lebensabschnitt dar.

Barbara Rudnik genießt an diesem Tag das hervorragende Wetter auf der Insel und stellt sich nach einem Spaziergang für ein lockeres Gespräch zur Verfügung. Wie sie gesteht, ist sie doch erschöpft und würde gerne in der wärmenden Sonne Platz nehmen. Ein Strandkorb auf der Terrasse ihres Hotels im nördlichsten Ort der Insel kommt da nur gerade recht.

Frau Rudnik sind Sie direkt aus München auf die Insel gereist?
„Nein, ich habe in Kassel einen mehrtägigen Zwischenstopp eingelegt und dort bei meiner Familie zwei Geburtstage gefeiert und die Osterfeiertage verbracht“.

Sind sie hier auf der Insel gut angekommen?
„Ja gut ist ein wenig übertrieben. Ich habe mich auf der Strecke von Hamburg zur Fähre sehr beeilen müssen, um diese zu bekommen, und musste dabei der Zeit arg hinterherfahren. Dann hatte ich viele Gepäckstücke dabei. Zwar lauter Kleine, es war aber schon sehr nervig und den Hund hatte ich ja schließlich auch noch dabei. Ich war schon sehr geschafft von der weiten Anreise“.
Der komplizierte Anreiseweg wird der Insel leider immer wieder zum Vorwurf gemacht.
„Das schützt im gewissen Maße aber schon vor Vielem – denke ich – und die Insel hat dadurch auch eine Besonderheit“.

Haben Sie neben ihrer schauspielerischen Arbeit noch Zeit die Inselnatur zu genießen?
„Ich war bereits vor einigen Jahren über Silvester auf Amrum. Ich war der Einladung eines Malers gefolgt und habe hier einen sehr schönen Jahreswechsel erleben dürfen. Und nun ist das Wetter so toll, da kann man sich wirklich nicht beschweren. Amrum ist schon eine sehr schöne Insel. Meine Schwester ist über das Wochenende zu Besuch auf die Insel gekommen und fährt gerade mit dem Fahrrad und dem Hund eine große Runde“.

Wie gefällt ihnen ihre Rolle, die sie in der Fernsehfilmproduktion übernommen haben?
„Ich finde die Rolle wunderbar. Die von mir gespielte Frau „Clara“, sitz mit den Jungs der Insel immer am Stammtisch. Vom Umfang der Rolle ist sie für mich derzeit optimal. Das ist schon recht perfekt. Zumal ich Markus Imboden wahnsinnig gern als Regisseur mag und sehr gern mit ihm zusammenarbeite. Er hat so ein besonderes Einfühlungsvermögen und ein großes Talent sich auf Stoffe einzulassen und diese dann entsprechend umzusetzen. Er ist einer der ganz Guten seines Fachs“.

Unseren Informationen zufolge wird es in dem Fernsehfilm viele Leichen geben. Hat die von ihnen gespielte Clara damit direkt zu tun?
„Sie hat nicht nur direkt damit zu tun, sie ist im Verlauf der Handlung sogar selber eine Leiche. Sie wird Opfer einer Geiselnahme und wird – wie so einige Personen mehr – auch erschossen. Die Russische Maffia greift sehr brutal durch“.

Das, was uns bisher an Handlung bekannt geworden ist, scheint es ein spannender Fernsehfilm zu werden. Sehen Sie das auch so?
„Ja auf alle Fälle. Ich habe das Drehbuch gelesen und finde es sehr gut. Da Markus Imboden die Regie hat, mache ich mir da überhaupt keine Sorgen“.

Bauen Sie eine gewisse Erwartungshaltung gegenüber der von ihnen zu spielenden Person auf, bevor sie an das Set kommen? 
„In diesem Fall zum Beispiel ist die Carla nicht ganz genau beschrieben und verfügt auch nicht unbedingt über eine Vorgeschichte. Da habe ich natürlich schon überlegt, ob Carla vielleicht immer zu laut spricht oder gar häufiger betrunken ist in der Stammtischrunde. Wir haben da gemeinsam schon in verschiedenste Richtungen überlegt und dann bei der Inszenierung ist dann die Lösung offensichtlich geworden. Die Szene funktionierte dann am besten, als sich alle Figuren zurücklegten. Eine Haltung gibt man der zu spielenden Person natürlich auf alle Fälle mit auf den Weg“.

Ist für Sie eine große Rolle besser als eine kleine Rolle?
„Große oder kleine Rolle ist nicht wirklich entscheidend, vielmehr wünsche ich mir eine gute Rolle. Diese sollte mir möglichst Freude bereiten und gleichermaßen sympathisch erscheinen, sodass man gleich mit der Rolle etwas anzufangen weiß und die Person in dem Film einen Eindruck hinterlässt. Wenn aber die Rolle flach und farblos geschrieben ist, kann sich der Schauspieler noch soviel Mühe geben“.

Frau Rudnik, die Presse berichtete in der Vergangenheit sehr ausführlich über ihre Krebserkrankung, und das sie wieder ihre Arbeit aufgenommen haben. Müssen Sie sehr mit ihren körperlichen Kräften haushalten?
„Ja absolut, ich bin nicht so fit, wie ich einmal war. Aber für das was ich alles in meinem Körper drinnen habe, geht es für meine Verhältnisse extrem gut“.

Ist die Schauspielerei eine gute Möglichkeit für Sie, einen gewissen Ausgleich zu schaffen, um dieses dominante Thema ein wenig aus ihren Gedanken zu verdrängen und den Kopf freier zu bekommen?
„Nein dafür brauche ich das nicht, mein Kopf ist auch so frei genug. Ich brauche die Schauspielerei als Gelderwerb, ich muss schließlich auch von irgendetwas leben. In der Zeit meiner Erkrankung wurde es für mich deutlich, dass ich als erfolgreiche Schauspielerin bereits eine große Menge Geld an den Staat gezahlt habe, aber bisher dafür in dieser schwierigen Zeit nicht einen Cent Unterstützung erfahren habe. Wir sind als Schauspieler in der schwierigen Lage, dass durch die nicht besetzten Tage zwischen den Aufträgen nicht genug Arbeitstage am Stück zusammenkommen, um dann Arbeitslosengeld beziehen zu können. Ich habe trotz meiner drei bis vier Hauptrollen und verschiedenen Nebenrollen im Jahr nicht die Pflichtstunden zusammenbekommen“.

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Sehen Sie hier eine Ungerechtigkeit?
„Ja, das ist schon sehr ungerecht. Ich konnte mit meinem Ersparten zwar die Zeit finanziell überbrücken und die dann noch bestehenden Verbindlichkeiten bedienen, doch es war wirklich knapp. Ich hätte durchaus auch scheitern können. Es wird vielleicht nicht jeder in solch einer Situation so gut zurechtkommen. Eine gerade getätigte Investition kann sich hierbei schon als überaus schwierig darstellen. Es bleibt im Prinzip dann nur noch „Hartz IV“. Hier zeigt sich eine deutliche Ungerechtigkeit. Gerät man doch völlig unverschuldet in solch eine Situation“.

Brauchen Sie eine gewisse Publicity?
„Ich brauche auf keinen Fall Artikel, die darüber berichten, wie gesund oder krank ich bin. Ich verstehe aber, dass es eine gewisse Unsicherheit bei den Leuten gibt, in, wie weit sie mich besetzen können. So gesehen und als Anschub für meine schauspielerische Tätigkeit ist eine gewisse Publicity angebracht. Mir blieb vor der Tatsache, dass ich morgen sicher nicht geheilt sein werde, gar nichts anderes übrig, als mit meiner Krankheit an die Öffentlichkeit zu treten. Ansonsten hätte ich mich auf ewige Zeiten zu Hause verstecken müssen. Und da hatte ich ja überhaupt keine Lust zu“.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

Verantwortlich für diesen Artikel: Thomas Oelers

 

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Über Peter Lückel

Peter Lückel wurde 1961 in Duisburg geboren und ist in Mülheim an der Ruhr und Essen-Kettwig aufgewachsen. Seine Affinität zum Wasser hat ihn schon immer an das Meer gezogen. 1983 konnte er dem Sog nicht mehr widerstehen und ist sozusagen nach Amrum ausgewandert. Heute arbeitet er als freier Grafiker auf der Insel, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Im Jahr 2000 hat er Amrum-News mit gegründet und ist dort Chefredakteur.
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