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Angucken, nicht anfassen!

Unsere Redakteurin Kinka Tadsen berichtet an dieser Stelle in Zusammenarbeit mit dem Leiter des Naturzentrums – Armin Jeß – über aktuelle Themen der Insel-Natur

arminkinka

 

Möweneier sammeln? Aus aktuellem Anlass wurde beim Öömrang Ferian dieses Thema erneut genau unter die Lupe genommen

In dem “alten Amrum” war es lange Tradition und half zur Ernährung beizutragen, das Sammeln und Verspeisen von Möweneiern. Seit 1989 ist dieses Eiersammeln allerdings laut Bundesnaturschutzgesetz verboten. Die Schadstoffgehalte der Eier wurden zu hoch und somit das Essen bedenklich. Die großen Mülldeponien lieferten den Möwen zwar eine reichhaltige Speisekarte, die jedoch zu quecksilber- und schwermetalbelasteten Eiern führten. Damals eine Delikatesse wurde das Möweneier essen zu einer Gefahr, die man nicht mehr eingehen konnte. 

Was früher für viele eine Notwendigkeit und Abenteuer war, ist heute zur Ordnungswidrigkeit oder sogar beim Verkauf zu einer Straftat geworden. An der gesamten Nord- und Ostseeküste war das Eiersammeln bis vor zwanzig Jahren verbreitet. Durch die zeitliche Begrenzung des Eiersammelns war es den Möwen trotzdem möglich mit 2-3 Nachgelegen ihren Nachwuchs zu sichern, so dass die Möwenbestände keinen Schaden nahmen. Problematisch war es vielmehr für empfindlichere und seltenere Arten wie z.B. die Eiderenten oder Brachvögel, die „versehentlich“ mit abgesammelt oder durch die Störung vom Brutplatz vertrieben wurden. In den 70-80ziger Jahren war das Essen von Möweneiern fast ein Kult und so fand man die gesprenkelten Eier in vielen Gourmet Läden von der Küste bis in das südliche Bayern. Auf Amrum waren die verschiedenen Landschaftsgebiete an Jäger verpachtet, die ihrerseits die Erlaubnis hatten “Eiersammelscheine” auszustellen. Als dieses Sammeln vor 20 Jahren verboten wurde, sah man trotzdem einige Insulaner sich das Frühstücksei aus den Dünen holen. Bei wenigen Eiern für den Eigenverzehr hat man auf Amrum nicht gleich die Polizei geholt, aber Mahnungen ausgesprochen. In der heutigen Zeit kann es einem passieren, dass man, wenn man sich in den Dünen verlaufen hat und mit einigen dieser gesprenkelten Eiern „aufgegriffen“ wird, polizeilich verfolgt wird. Auch das Heranziehen der guten alten Tradition ändert nicht , dass es sich rein rechtlich um eine Ordnungswidrigkeit, beim Handel mit den Möweneiern sogar um eine Straftat handelt. Dabei macht es auch keinen Unterschied, ob es sich um Herings-, Mantel-, Silber- oder Sturmmöweneier handelt, da die Unterscheidung selbst dem Fachmann nicht immer einfach fällt. Gesammelt werden darf keines dieser Eier und wenn man sich doch einmal verlaufen hat, dann gilt unsere Bitte “Nur Angucken, nicht anfassen!!”

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Über Peter Lückel

Peter Lückel wurde 1961 in Duisburg geboren und ist in Mülheim an der Ruhr und Essen-Kettwig aufgewachsen. Seine Affinität zum Wasser hat ihn schon immer an das Meer gezogen. 1983 konnte er dem Sog nicht mehr widerstehen und ist sozusagen nach Amrum ausgewandert. Heute arbeitet er als freier Grafiker auf der Insel, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Im Jahr 2000 hat er Amrum-News mit gegründet und ist dort Chefredakteur.
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