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Strandsammelaktion auf Amrumer Kniepsand hatte für Nebels Bürgermeister „Gänsehautcharakter“ … (to)

Am Wochenende zeigte sich eine in Nebel spontan ins Leben gerufene Strandreinigungsaktion zur Beseitigung von angespültem Paraffin als dermaßen erfolgreich, dass Bürgermeister Bernd Dell-Missier auf diesem Wege, den über 100 Helfern seinen ganz besonderen Dank aussprechen möchte.

Die gesammelten Mengen werden zwischengelagert

Die gesammelten Mengen werden zwischengelagert

„Dieser Tag hat gezeigt, wie stark der Zusammenhalt ist, wenn es darum geht, Schaden von der Insel abzuwenden. Für mich hatte diese durch eine Telefonkette um 9.00 Uhr gestartete Aktion einen waren »Gänsehautcharakter«, so der Bürgermeister. „Egal ob Einheimische oder Gäste, ob Erwachsene oder Kinder, sie alle machten sich – wie selbstverständlich – mit Schaufel und Harke auf, um den einmaligen Kniepsand von der angespülten Paraffin-Fracht zu befreien. Die Telefonaktion hatte so eine Eigendynamik, dass sich bereits um 12.00 Uhr der Strandparkplatz mit freiwilligen Helfern gefüllt hatte“. „Wir haben neben der eigenen Familie die einschlägig bekannten Strandreinigungshelfer der Frühjahrsaktionen angerufen“, erzählt die Gemeindevertreterin und 1.stellvertretende Bürgermeisterin Elke Dethlefsen. „Fast alle konnten spontan zusagen – immerhin hatten die meisten Amrumer Vermieter in ihren Ferienwohnungen einen Gästewechsel, der sie eigentlich einband. Und wenn manche auch erst später konnten, waren sie doch zur Stelle“, so Elke Dethlefsen.
„Unterstützt durch die Traktoren und Radlader der Bauhöfe und privater Bauunternehmer, konnten acht Trupps gebildet werden. Sie sind so eingesetzt worden, dass bis in die Bereiche von Norddorf und Wittdün hinein gesammelt werden konnte und der Strand förmlich geharkt wurde“, berichtete Dell-Missier direkt vom Strand. „Ich bin von dieser gezeigten Solidarität außerordentlich ergriffen und die Gästedame, die sich bei eine der Sammlerinnen dafür bedankte, dass für die Badegäste der Strand abgesammelt wird, bleibt in Erinnerung“, so Dell-Missier weiter.
Wie wir bereits berichteten, hat ein offensichtlich illegales Abpumpen von Paraffinrückständen aus einem Chemietanker in der Deutschen Bucht dazu geführt, dass vergangene Woche ein Paraffinteppich vor die nordfriesischen Inseln getrieben wurde. Was am vergangenen Dienstag noch als ein zusammenhängender Teppich von rund 10 Seemeilen Länge und 100 Meter Breite bei ruhigem Wetter und östlichen Winden hin und her dümpelte, wird jetzt bei lebhaften Westwinden nach und nach an die Strände gespült. Dabei sind die Paraffinstücke kleine Klümpchen bis richtige Brocken. Was die offiziellen Stellen in der vergangenen Woche, aufgrund der Ungefährlichkeit von Paraffin gegenüber der Natur, nicht veranlasste, bereits eine Bekämpfung auf See zu beauftragen, wälzt sich nun auf die Insulaner ab. Diese haben nun inmitten der Hauptsaison das ästhetisches Problem auf dem Strand liegen. Nicht zu vergessen ist, dass laut einem internationalen Abkommen, die Einleitung von paraffinversetzten Tankreinigungswässern außerhalb einer 50 Seemeilen-Zone zum Land sogar legal ist. Da in den gezogenen Paraffinproben keine umweltgefährdenden Stoffe gefunden wurden, scheint es absehbar, dass es wohl keine weiteren Nachforschungen zur Ermittlung des Verursachers geben wird.
Die Sammelaktion am Sonntag hat ein grob geschätztes Volumen von rund 50 Kubikmeter Paraffin, das leicht mit Sand versetzt ist, ergeben. Ein Ende der unerwünschten Fracht im Spülsaum wird, aufgrund der in der letzten Woche entdeckten Menge, sicherlich noch einige Tage dauern.

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Über Kai Quedens

Kai Quedens, Maler und Grafiker, der gerne auch ein bisschen textet. Geboren 1965, eine Frau, drei Kinder.
Amrumer Fotowettbewerb 2015