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Weisungsbeschluss gefasst…(to)

Die Gemeindevertretung Norddorf hat sich in ihrer Sitzung für den Bau eines Fußgänger-Portals auf dem Fähranleger Wittdün ausgesprochen der es ermöglichen wird, den Fähr-Neubau der Wyker Dampfschiffs-Reederei auch auf Amrum über den Seiten Ein- und Ausstieg zu bedienen.

Bald getrennt... Fußgänger und Autos?

Bald getrennt... Fußgänger und Autos?

Entsprechend dem Weisungsbeschluss, der mit fünf Ja-Stimmen und einer Gegenstimme gefasst wurde, werden die Norddorfer Mitglieder im Verwaltungsrat der Amrumer Versorgungsbetriebe in der nächsten Sitzung des Rats, entsprechend votieren. Die Fassung der entsprechenden Weisungsbeschlüsse der Gemeindevertretungen Nebel und Wittdün stehen noch in dieser Woche auf den jeweiligen Sitzungen aus.

Vor der Beschlussfassung hatte Heinrich Johannsen jun. als Mitglied des Aufsichtsrates der Amrumer Versorgungsbetriebe einen kurzen Abriss aus der letzten Sitzung gegeben. In dieser hatte der Fachingenieur das Projekt des geplanten Seiteneinstiegsportals auf dem Wittdüner Fähranleger gegeben – wir berichten. Als Gast und als erklärender Gesprächspartner, war der Geschäftsführer der Wyker Dampfschiffs-Reederei, Axel Meynköhn, bei der Sitzung zu gegen. Kapitän Klaus von Zezschwitz und WDR Aufsichtsratsmitglied Uwe Clausen waren ebenfalls als Vertreter des Unternehmens anwesend.

Der stellvertretende Bürgermeister Christoph Decker begrüßte es, so im Vorfelde die Möglichkeit zu haben, eine Darstellung der in Zukunft betrieben Trennung der Verkehrsströme aus Sicht der Geschäftsführung der Reederei zu bekommen und somit etwaige Fragen direkt auf der Sitzung klären zu können.

Axel Meynköhn bedauerte es, dass er erst jetzt nach Norddorf kommen konnte. Zwei vorherige Termine konnten aufgrund von Überschneidungen von ihm nicht wahrgenommen werden.

Die Reederei beschäftigt sich mit der Trennung der Verkehrsströme an Bord bereits so lange, dass bereits bei den Indienststellungen der Fähren „Rungholt“ 1992 und „Nordfriesland“ 1995 Pforten und Gepäckstauräume auf dem Salondeck für einen Seitenausstieg vorgesehen wurden. Warum nun genau die Umsetzung vor seiner Wirkzeit zum Erliegen kam, konnte Meynköhn nicht nachvollziehen. 2004 kamen die ersten zarten Diskussionen und offenen Gespräche für den Einsatz einer Doppelend-Fähre auf. Seitens der Hafenbetreiber laufen die Beratungen über die Infrastruktur an Land seit nunmehr 2 bis 2 ½ Jahren. „Wir haben eine strikte Arbeitsteilung zwischen Land- und Seeseite eingehalten. Unsere Fährlinien bilden mit der Linie Nordstrand-Pellworm zusammen, an der gesamten Nordseeküste eine klare Ausnahme was die Be- und Entladung der Schiffe angeht. Alle anderen Fährunternehmen haben eine klare Trennung der Fußgänger- und Fahrzeugströme vollziehen und praktizieren dies nach Meynköhns Erkenntnissen erfolgreich.

Auf den neuen Fähren endgültig Verganganheit

Auf den neuen Fähren endgültig Verganganheit

„Mit der neuen Lösung können ganz klar alle Passagiere, ob alt oder jung, ob schwach oder stark, nur gewinnen. Für Gehbehinderte und Kinderwagen wird der Neubau neben zwei Treppenhäusern einen leistungsstarken und schon als geräumig zu bezeichnenden Fahrstuhl vorhalten. Der es erstmals auf den Fähren der WDR ermöglichen wird, dass auch Rollstuhlfahrer das Sonnendeck barrierefrei erreichen können. Die Fahrstühle auf den bestehenden Fähren stellen da aufgrund ihrer Ausmaße und Geschwindigkeit eher eine Notlösung dar“, so Meynköhn. „Mit der barrierefreien Ausführung der Seiteneinstiegsportale in den Häfen Dagebüll, Wyk und Wittdün können wir eine echte Barrierefreiheit gewähren, die ein klares Signal an die Gäste mit Handicap darstellt und sicherlich eine schnelle Zertifizierung seitens der entsprechenden Verbände nach sich ziehen wird“, so der Geschäftsführer. Die Reederei wird die hierfür vorbereiteten Fähren MS „Rungholt“ und MS „Nordfriesland“ ebenfalls über die Personenportale Be- und Entladen lassen. Bei Betriebsabläufen in den Spitzenzeiten, bei den zum Beispiel in Dagebüll gleich mehrere Fähren einlaufen werden, führen unweigerlich dazu, dass an den Brücken 1 und 2 nach dem konventionellen Prinzip verfahren wird. Bei der MS „Schleswig-Holstein wird, so die Planung, ebenfalls die bisherige Verfahrensweise beibehalten.

Aus langjährig gesammelter Erfahrung und speziell wieder in den letzten Wochen, berichtet Kapitän Klaus von Zezschwitz, dass die Hauptkritikpunkte der Gäste immer wieder die gemeinsamen Wege von Fußgängern und Fahrzeugen sind. Die Decksmannschaft wird an Bord immer wieder angegangen. Es ist keine Seltenheit, dass die Bahn erst nach der fahrplanmäßigen Abfahrtzeit von 17.45 Uhr in Dagebüll ankommt und dann noch rund 200 Leute an Bord strömen. Danach können erst die letzten Fahrzeuge verladen werden, Verspätungen von bis zu einer dreiviertel Stunde laufen da ohne weiteres auf. Einfach grauenhafte Zustände, so der Kapitän.

Der von Heinrich Johannsen jun. als „Nadelöhr“ bezeichnete 1,8 Meter breite Klappsteg von dem Portal zur Fähre Meynköhn räumte ein, dass auch das System der Seiteneinstiege seinen Grenzen hat und der ganz große Befreiungsschlag verwehrt bliebe. Stünden 1000 Passagiere am Anleger, wie zum Beispiel in der Hauptsaison bei den abendlichen Abfahrten von den Inseln, würden auch die Wege über die Treppenhäuser freigegeben werden. Hierbei seien allerdings auch die wenigsten mit Gepäck unterwegs. Bei den normal frequentierten Überfahrten würden bei 75 Fahrzeugen an Bord, sicherlich mindestens 100 bis 150 der Passagiere aus dem Salon als Fahrzeuginsassen bereits auf die Treppenhäuser entfallen. Erst bei seiner letzten Überfahrt konnte Aufsichtsratsmitglied Uwe Claußen beobachten, dass Fahrzeuginsassen sich nur unter Protest der wartenden Fußgänger, den Weg über die zugestopften Treppenhäuser zu den Fahrzeugen bahnen konnten.

Auf die Frage von Gemeindevertreter Jens Quedens, ob die größere Fähre auch gleichbedeutend mit weniger Abfahrten zu sehen sei, erklärte der Geschäftsführer, dass durch die höhere Kapazität von 25 Fahrzeugen lediglich auf das Hinterherfahren eines Entlastungsschiffs verzichtet werden könne. Da die hierfür häufig eingesetzte Fähre MS „Insel Amrum“ aus Gründen des Sicherheitsstandards nur noch mit 30 PKW beladen werden darf, erreiche man einen klaren betriebswirtschaftlichen Gewinn. Aber eine Ausdünnung des Fahrplanes käme bei 1,65 Mio. Fahrgästen nicht in Frage. So wie die bisherigen Planungen für den Fähreinsatzplan des nächsten Jahres aussehen, die Aussage sei klar unter Vorbehalt der weiteren Prüfung, würde der Neubau aufgrund der starken Frequenz ganzjährig auf Amrum „übernachten“ und somit Entlastung für die Frühabfahrten von den Inseln und den Spätabfahrten zu den Inseln bedeuten. Das Fahrzeugdeck verfüge über fünf Fahrspuren mit jeweils einer Breite von 2,5 Metern. Hier sei die Reederei den Forderungen der Kapitäne nachgekommen, alle Fahrspuren so breit auszuführen. „Ein klarer Abschied von den schlimmen Zuständen auf dem Autodeck der MS „Uthlande“ und MS „Schleswig-Holstein „“, erklärt Meynköhn.

Auf die Nachfrage, wie denn die Handhabe wäre, wenn sich Amrum gegen einen Bau des Seiteneinstieges entscheiden würde, berichtete Meynköhn von einer gerade durchgeführten Prüfung, die gezeigt habe, dass die Bereitstellung von „Kofferwagen“ für das Gepäck der Amrumer Gäste speziell in Dagebüll nicht möglich sei. „Wir können auch nicht jeden vorher herausfiltern der nach Amrum möchte, um ihn vorher über die Modalitäten aufzuklären. Wir würden es unweigerlich mit einer zwei Qualitäten Abfertigung zu tun haben, bei denen das Gepäck durch die Treppenhäuser geschleppt werden müsste.gvndf09093

Die monierte Strecke von 85 Metern Anlaufstrecke auf der barrierefreien Serpentine müsse um die jetzige Strecke in den Treppenhäusern in Abzug gebracht werden, erklärte Kapitän von Zezschwitz. Jens Quedens sah als regelmäßiger Skandinavienfahrer, wo eher 285 Meter Weg zurückzulegen seien, die Strecke als eher unbedeutend an.

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Über Peter Lückel

Peter Lückel wurde 1961 in Duisburg geboren und ist in Mülheim an der Ruhr und Essen-Kettwig aufgewachsen. Seine Affinität zum Wasser hat ihn schon immer an das Meer gezogen. 1983 konnte er dem Sog nicht mehr widerstehen und ist sozusagen nach Amrum ausgewandert. Heute arbeitet er als freier Grafiker auf der Insel, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Im Jahr 2000 hat er Amrum-News mit gegründet und ist dort Chefredakteur.

2 Kommentare

  1. Es war vorhersehbar, daß diese Baumaßnahme, die, wenn überhaupt, allenfalls kleine logistische Vorteile in 2 Monaten, nämlich Juli und August bringt, nicht zu verhindern war. So wie es z.Zt. problemlos funktioniert (wir können das beurteilen, denn seit 40Jahren verbringen wir viele Wochen im Jahr auf Amrum), rechtfertigt nicht diese gigantischen, immens kostspieligen Baumaßnahmen. Aber wen interessieren die Folgekosten, nötigenfalls werden eben die Fahrpreise erhöht. So einfach ist das. Hoffentlich geht in Bezug auf kommende Übernachtungszahlen dieser Schuß nicht nach hinten los. In tiefer Resignation mfg Bernd Wüstenberg

  2. Herzlichen Glückwunsch Norddorf,
    da hat die Gesamte W.D.R.-Macht doch Wirkung gezeigt. Also mir wollen diese abgedroschenen Argumente nicht in den Kopf.

    -PKW´s von Bord fahren lassen, dann alle Fußgänger, keiner kommt sich in die Quere und man spart evtl. noch ´ne halbe Million Euro.
    – Mal angenommen ca. 500 Urlauber gehen mit Gepäck die 85m lange Neue, vielleicht sogar verglaste, Gangway hinauf und stehen auf einmal ca. 500 weiteren Urlaubern mit Gepäck Aug in Aug gegenüber ! Keine Angst Leute, jetzt kommt Super-A.M.- und regelt den Verkehr im “Nadelöhr”.

    Ich freu mich drauf 🙂
    In diesem Sinne

Amrumer Fotowettbewerb 2015