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Sommernachlese – Strandleben…(ck)

Der Amrumer Strand – endlose Weite – Platz für alle! Hier findet jeder eine ruhige Ecke. Wir liegen auf unseren Handtüchern und genießen den Wind und das Meer und vor allem  die Ruhe. „Ach, haben wir das gut,“ murmel ich  und seufze dabei zufrieden.

“Hier!? … hier!, …Hier!?…. oder sollen wir hier?” Genervt öffne ich mein rechtes Auge. “Ja, hier!” ” Aber das ist doch wieder so nah an den Leuten da.” Ich spüre förmlich das Zeigen mit dem Kopf in unsere Richtung. Bis eben lagen wir noch entspannt auf unseren Handtüchern und dösten vor uns hin. Aus! Vorbei mit der Ruhe!” denke ich und blinzle jetzt mit beiden Augen in Richtung unserer neuen Strandnachbarn. Mutter, Tochter und Oma mit Enkelkind sind mit Sack und Pack eingetroffen und haben für die Standortwahl erst einmal den Familienrat einberufen. Warum um alles in der Welt  sich das 4-Generationen-Paket nun direkt neben uns niedergelassen hat, obwohl neben uns noch 200 m frei sind, bleibt mir ein Rätsel. Nach dem ersten Nachbarschafts-Check schließe ich meine Augen wieder. „Gleich gehen bestimmt alle zum Baden ins Wasser. Dann wird es wieder etwas ruhiger“, überlege ich, haue mich  aufs Ohr und falle in einen leichten Schlaf, bevor ich von einem Dröhnen und Vibrieren wieder geweckt werde. Wildes Rumgetrampel neben meinem Kopf – zumindest kommt es mir so vor – holt mich aus meinen Träumen. Unsere Strandnachbarn gehen mit beiden Füßen anscheinend selbstbewusst durchs Leben. Hoffentlich wohnen sie zu Hause im Erdgeschoss oder in einer eigenen Hütte. Nebenan marschiert Mutti mit der Schaufel im Kreis und scheint das Grundstück abzustecken. Wenn sie bisher kein Wohneigentum hatten, dann fangen sie spätestens jetzt an zu bauen. Wilde Schippgeräusche lösen das Dröhnen ab. Ich blinzle wieder und bereue meine Neugier auch schon. Wahrscheinlich haben sie gemerkt, dass ich luscher. Wusch, schon habe ich mit Unterstützung des Windes ‘ne Schippe Sand im Gesicht. “Oh, Entschuldigung” höre ich die Chefin des Bauunternehmens sagen, während ich die Lider jetzt weder auf noch zukriege. Die kleinen feinen Sandkörner gravieren gerade das Wort AUA in mein Sehorgan. Während ich mit meinen tränenden Augen beschäftigt bin, gibt Muttern aber richtig Vollgas. Scheint ein Terminauftrag zu sein. Selbst Hilfe ist unerwünscht. ” Mensch Lukas, lass das, wenn ich das hier mit der Schaufel glatt mache, musst du das nicht alles wieder kaputttrampeln!”
Mittlerweile kann ich wieder gucken. Lukas ist noch klein und greift nach der Schippe. Schließlich bauen doch die Kinder die Strandburgen, ist in seinem kleinen Trotzgesicht zu lesen. ” Laaangweilich” sagt Lukas und schaufelt mit seinen Füßen Sand in meine Richtung. Der Wind erledigt den Rest. AUA!
Mutti kriegt nichts mit. Sie ist im Bauwahn. Eins muss ich ihr lassen. Sie ist schnell und sie baut tief, denn sie ist in ihrer Kuhle nicht mehr zu sehen. Das lässt vermuten, dass die Burg wohl einen Keller bekommen soll. Jetzt wird der Rest der Familie zum Muschelsuchen geschickt. Aha! Anscheinend soll noch verklinkert werden. Jaja, der gute alte Muschelklinker. Oma ist kurze Zeit später wieder zur Stelle und erklärt Lukas gerade ein L aus den unterschiedlichsten Kalkschalen. ” Laaaangweilich!” sagt Lukas und buddelt mit den Füßen im warmen Sand. Ich bin lernfähig und schaffe es rechtzeitig meine Augen zu schließen. Der Sand im Ohr stört mich weniger. ” Hier hast du einen Keks!” wird Lukas abgefertigt. Damit ist er erstmal beschäftigt – 2 Minuten. Ich beobachte ihn aus meiner Liegeposition, wie er sich den Butterkeks komplett in den Mund stopft und ihn anschließend großflächig um die Lippen schmiert. Ihm schmeckt´s!  Erneut spielt er mit den Füßen im Sand und testet mein Reaktionsvermögen bei jeder Windbö. Mittlerweile habe ich mich auch auf sein „laaaaangweilich“! eingeschossen. Meine Reaktion ist nun wirklich fantastisch. Oma erhöht allerdings den Schwierigkeitsgrad. ” Lukas, komm schnell gucken, eine Qualle!” ruft sie plötzlich aufgeregt. Lukas sprintet los. Wusch! AUA! Das ist unfair, wo war das “laaaangweilich”.
Nun hab ich doch endgültig die Nase voll. Ich setze mich auf und beobachte unsere Kinder im Wasser. ” Du hast Sand im Ohr”, macht mein Mann mich darauf aufmerksam. Er hat anscheinend nichts von der Baustelle nebenan mitbekommen. Unsere Kinder haben vom Baden auch genug und kommen angerannt. Ich genieße es , dass die beiden alt genug sind, um sich selbst zu beschäftigen und keinen Keks mehr brauchen. Ich lege mich entspannt wieder auf mein Handtuch und schließe die Augen, die sich vom vielen Blinzeln langsam erholen. ” Mama, ich habe Hunger” lässt mein Jüngster verlauten. Und ich höre mich sagen: ” Dann nimm dir ‘nen Keks!” Ich öffne mein rechtes Auge und blinzle ihn an. ” Langweilig” sagt er und verpasst mir mit seinen Füßen eine Ladung Sand ins Gesicht. Oh man! Jetzt reichts aber!” schreie ich und springe wütend auf. Und während mich meine Familie erstaunt ansieht, höre ich Oma von nebenan: “Meine Güte, was ist die Frau gereizt, die hat den Urlaub aber dringend nötig!”

Carmen Kein für Amrum-News

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Über Peter Lückel

Peter Lückel wurde 1961 in Duisburg geboren und ist in Mülheim an der Ruhr und Essen-Kettwig aufgewachsen. Seine Affinität zum Wasser hat ihn schon immer an das Meer gezogen. 1983 konnte er dem Sog nicht mehr widerstehen und ist sozusagen nach Amrum ausgewandert. Heute arbeitet er als freier Grafiker auf der Insel, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Im Jahr 2000 hat er Amrum-News mit gegründet und ist dort Chefredakteur.

2 Kommentare

  1. Elisabeth Schellnegger

    Klasse, Frau Klein!!
    Tja, so kann`s gehen auch auf dem Kniep, wo eigentlich soooooooooo viel Platz wäre ;o)
    Mitfühlende & amüsierte Grüße aus dem heute leider schon sehr herbstlichen Süden (München 12°!!)
    Elisabeth Schellnegger

  2. liebe carmen,
    du schreibst das so treffend und urkomisch… ja so ist es! ich wünsche mir viel mehr solche geschichten, um den alltag etwas aufzuheitern :))

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