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Der erste Kegelrobben-Nachwuchs…(to)

Der erste Kegelrobbennachwuchs der Wurfsaison 2009/2010 konnte auf dem Amrumer Kniepsand am vergangenen Freitag registriert werden.kegelrobbe

Nach den bisher vier von Helgoland gemeldeten Frühgeburten, die leider nicht lebensfähig waren, dürfte der Kegelrobbennachwuchs somit die Nummer eins sein in dieser Wurfsaison.

Der Leiter des Naturzentrums des Öömrang Ferian Armin Jeß bestätigte in seiner Funktion als Seehundsjäger in Norddorf die Registratur des neuen „Erdenbürgers“ unter den Kegelrobben. Wie er berichtete, waren seine Seehundsjäger-Kollegen Kai Dethlefsen aus Nebel und Kai-Michael Prellwitz-Paulsen aus Wittdün für ihn eingesprungen, um den ersten Nachzügler in diesem Herbst zu registrieren. Die junge Kegelrobbe wurde an der linken Hinterflosse  mit der Nummer 368 markiert. Das Männchen dürfte annähernd zwei Wochen alt sein und wog rund 18 kg.

„So besonders begeistert sind die Jungtiere nicht von der rund 3 bis 4 Minuten dauernden Prozedur, bei der das Gewicht und das Geschlecht bestimmt werden und die Registraturmarke in die Schwanzflosse gesetzt wird“, erklärt Kai-Michael Prellwitz-Paulsen. Dabei sollte man die Kegelrobbenmutter immer gut im Auge behalten. In den meisten Fällen, wie auch in diesem, flüchtet sie erstmal und beobachtet das Treiben argwöhnisch aus kurzer Distanz. Es gibt aber auch Muttertiere, die eher ungehalten über den Besuch zu Forschungszwecken sind“.

Aus Rücksicht auf die ruhige Kinderstube beschränken wir uns an dieser Stelle bei der Angabe des Fundortes der Kegelrobbe auf den Amrumer Kniepsand nördlich von Nebel. Bei einem Fund von Jungtieren sollten Spaziergänger ausreichend Abstand bewahren und die entsprechenden Verbände informieren, z. B. Naturzentrum des Öömrang Ferian 04682-1635.

„Mit Hilfe der Flossenmarken erhofft man sich Aufschlüsse auf die Wanderwege der Kegelrobben, zu bekommen. Die detailliert geführten Aufzeichnungen lassen zudem Statistiken über die Geburtenrate zu. In der Saison 2008/2009 waren es knapp 20 Würfe, die auf Amrum registriert wurden“, berichtet Armin Jeß. Er hebt dabei die gute Zusammenarbeit der auf Amrum tätigen Naturschutzorganisationen Jordsand, Schutzstation-Wattenmeer und dem Öömrang Ferian hervor.

Helgolands Düne konnte im vergangenen Winter erneut Zuwächse bei den Geburten dieser bis zu 2,30 Meter langen und 300 Kilogramm schweren Raubtiere verzeichnet und lief damit erneut Amrum den Rang der „Kegelrobben-Kinderstube Nummer eins“ ab. Im letzten Jahr wurde bereits vermutet, dass die Robben vermutlich deshalb abwandern, weil der „Jungnamensand“ – eine westlich der Insel gelegene Sandbank – immer öfter auch bei mittleren Hochwässern überflutet wird. Günstiger als in der letztjährigen Wintersaison fiel die geringere Anzahl der Stürme aus, so der Leiter. In diesem Jahr wurden maximal 140 Kegelrobben auf dem Jungnamensand gezählt, etwa 5-6% mehr als 2008. Insgesamt gibt es momentan im Wattenmeer (NL DK und D) etwa 2765 Kegelrobben, auf jede Kegelrobbe kommen etwa 8 Seehunde. Seehunde gibt es momentan etwa 21.500 (gezählt) 32000 (geschätzt), davon sind 8.500 in Schleswig-Holsteinischem Gewässer unterwegs.

Die Zeit, in der der Kegelrobbennachwuchs zur Welt kommt, reicht von Ende November bis in den Januar hinein, ein Nachzügler hat sich aber auch schon mal Ende Februar gezeigt, weiß Armin Jeß. Die Ungenauigkeit bei den Zahlen liegt darin begründet, dass sich rund ein Drittel der Tiere immer im Wasser befindet und zwischen verschieden Sandbänken pendeln.

In der Kegelrobbenzeit wirbt das Naturzentrum für eine besondere Rücksichtnahme zum Schutz der Tiere. Hierzu gehört das Anleinen von Hunden genauso wie die Einhaltung eines gebührenden Abstandes dazu.

Die Tatsache, dass die gerade frisch geborenen Robben spätestens zur nächsten Flut, also wenige Stunden nach der Geburt gleich schwimmen müssen, ist schon eine harte Anforderung der Natur an die kleinen felligen Jungtiere.

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Über Peter Lückel

Peter Lückel wurde 1961 in Duisburg geboren und ist in Mülheim an der Ruhr und Essen-Kettwig aufgewachsen. Seine Affinität zum Wasser hat ihn schon immer an das Meer gezogen. 1983 konnte er dem Sog nicht mehr widerstehen und ist sozusagen nach Amrum ausgewandert. Heute arbeitet er als freier Grafiker auf der Insel, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Im Jahr 2000 hat er Amrum-News mit gegründet und ist dort Chefredakteur.
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