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Gegen den plötzlichen Herztod…(to)

In der vergangenen Woche hatte Jan Noelle, stellvertretender Leiter des Rettungsdienstes des Kreises Nordfriesland bei seinem Besuch auf der Insel Amrum mit einem automatisierten externen Defibrillator (AED) eine überaus wertvolle Fracht im Gepäck.rettung Im Kampf gegen den plötzlichen Herztod hat dieses rund 1900 Euro teure hochtechnologiesirte Koffergerät, das für die Handhabe durch Laien konzipiert wurde, eine klare Bestimmung: Leben retten. Obwohl meist vermeidbar, ist der plötzliche Herztod die häufigste Todesursache in Deutschland.
Jährlich überleben allein in der Republik mehr als 130.000 Mitbürger das sogenannte Herzrasen (Kammerflimmern) nicht. Es führt zum sofortigen Herz-Kreislauf-Stillstand und so mit zum sicheren Herztod, wenn nicht sofort geholfen wird.
Das Gerät vom Typ Paramedic CU-ER1 AED, das auch mit Unterstützung des Sozialministeriums über ein Förderprogramm zur Verbesserung der notfallmedizinischen Versorgung auf den nordfriesischen Inseln und Halligen beschafft werden konnte, wird bei der Ortsfeuerwehr Süddorf-Steenodde stationiert sein.

Offizielle Übergabe...

Offizielle Übergabe...

Wie Jan Noelle bei der offiziellen Übergabe an Feuerwehr und Rettungsdienst betonte, sei dieser Gerätetyp im Gegensatz zu den drei durch private Spendengelder auf Amrum stationierten AED’s mit einer zusätzlichen Patientenüberwachung (Monitoring) ausgestattet. Diese würde zur Überwachung der Vitalfunktionen auch vom Rettungsdienst der Insel genutzt werden können, wenn zum Beispiel bei einem Unfall mit „vielen“ verletzten Personen, die in den beiden Rettungsfahrzeugen mitgeführten Geräte, in ihrer Anzahl, nicht ausreichen würden.

Aufgrund der höheren Qualifikation des Gerätes wäre die Zugänglichkeit für die Allgemeinheit nicht empfehlenswert, so der stellvertretende Rettungsdienstleiter.
Im Anschluss an die Übergabe erhielten die Mitglieder der Süddorf-Steenodder Feuerwehr die gesetzlich vorgeschriebene Unterweisung in der Handhabe des Gerätes. Hierbei wurde deutlich, dass trotz der Hochtechnologie die Handhabe des AED überaus einfach ist. Durch die absolute Eigensicherheit der Geräte braucht kein Ersthelfer Angst zu haben, etwas falsch zu machen. Eine klare Kennzeichnung und eindeutige Audioanleitung erklärt alle Handgriffe. Selbst wenn der Zustand des vermeintlich vom Tode bedrohten falsch gedeutet wurde, erkennt das Gerät durch eine Erstdiagnose die Situation, blockiert die Elektroschockfunktion und meldet dies akustisch. Die dann erforderliche, beziehungsweise die nach erfolgtem Elektroschock weitere Vorgehensweise, wie die manuelle Herz-Lungen-Wiederbelebung, wird vom Gerät empfohlen.
Wichtig ist allerdings bei aller Hochtechnologie die Courage des Einzelnen beherzt einzugreifen und das minimale Zeitfenster für die Rettung des Patienten zu nutzen.
Beim plötzlichen Herztod kann nur mit Sofortmaßnahmen verhindert werden, dass die Betroffenen sterben. Die einzige unmittelbar lebensrettende Therapie beim Kammerflimmern ist – neben der lebensverlängernden Herz-Lungen-Wiederbelebung – die frühestmögliche Defibrillation. Bei der Defibrillation wird den vom plötzlichen Herztod Betroffenen über Elektroden an der Brust ein starker Strom- beziehungsweise Spannungsimpuls (150 Joule – 5000 V) verabreicht. Dieser richtet die elektrische Aktivität des Herzens neu aus und ermöglicht wieder einen regelrechten Herzschlag. Zu dieser Therapie stehen eben die AED’s und die Defibrillatoren in allen Notarztwagen zur Verfügung.
Nach einem plötzlichen Herzversagen treten bereits nach fünf Minuten die ersten irreparablen Hirnschäden ein. So bleibt zum schadenfreien Überleben, somit nur ein Zeitfenster von drei bis fünf Minuten. Die Hilfe innerhalb dieses Zeitfensters ist weder vom Notarzt noch vom Rettungsfachpersonal zu leisten. Hier setzen die als automatisierte externe Defibrillatoren bezeichneten Geräte an.
Verantwortlich für den Text: Thomas Oelers
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Über Peter Lückel

Peter Lückel wurde 1961 in Duisburg geboren und ist in Mülheim an der Ruhr und Essen-Kettwig aufgewachsen. Seine Affinität zum Wasser hat ihn schon immer an das Meer gezogen. 1983 konnte er dem Sog nicht mehr widerstehen und ist sozusagen nach Amrum ausgewandert. Heute arbeitet er als freier Grafiker auf der Insel, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Im Jahr 2000 hat er Amrum-News mit gegründet und ist dort Chefredakteur.

2 Kommentare

  1. Wie passen diese beeiden Zitate zusammen:

    ” wäre die Zugänglichkeit für die Allgemeinheit nicht empfehlenswert” und “So bleibt zum schadenfreien Überleben, somit nur ein Zeitfenster von drei bis fünf Minuten”

    Auch auf der WDR Fähre muß man auf die Brücke oder erst jemanden Bescheid geben. Das dauert zu lange!

    AEDs sind gut, müssen aber sofort verfügbar sein. Mißbrauch ist natürlich nicht ausgeschlossen, aber das Leben geht vor. Zur Not kann man ja das Gerät mit Aufzeichnung visuell überwachen (preiswerte Geräte gibt es in jedem Baumarkt).

    Ein AED gehört an eine öffentlich jederzeit zugängliche Wand mit evtl. leichtem Schutz, wie Kasten mit Schlüssel etc.

    Werner Sinn

  2. Sehr geehrter Herr Sinn,

    vielen Dank für Ihr Interesse an diesem wichtigen Thema!

    Es gibt Vollautomatische Defibrillatoren, die für die Anwendung durch (Laien-) Ersthelfer konzipiert sind. Solche Geräte werden auch auf Amrum an öffentlich zugänglichen Stellen vorgehalten und sind auch an Bord der WDR-Fähren verfügbar.
    Im Falle eines Herz-Kreislauf-Stillstandes sollte unverzüglich mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen werden, d.h. Herzdruckmassage und Atemspende. Hier kann der Einsatz des AED Leben retten!

    Das Gerät, das der Feuerwehr übergeben wurde, ist für die Anwendung durch geschultes Personal vorgesehen und verfügt über weitere technische Funktionen. Eine Zugänglichkeit für die Allgemeinheit wäre daher für DIESES Gerät tatsächlich nicht sinnvoll.

    Freundliche Grüße,

    Claudia Derichs, Ärztin für Allgemeinmedizin und Anästhesie/Notfallmedizin, Nebel auf Amrum

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