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Vor nahezu 8 Jahren zog er zum Protestmarsch aus…(to)

Als Rainer Hoffmann am 01. April 2002 von der Davidwache in Hamburg St. Pauli zu einem Protestmarsch startete, hatte er das Ziel vor Augen 500.000 Unterschriften zu sammeln.hoffmann Mit diesem Protest mahnt er die lasche Bestrafung von Straftätern an, die sich des sexuellen Kindesmissbrauchs schuldig gemacht haben. Der gebürtige Frankfurter Orthopädieschuhmacher hing sein Hab und Gut an den Nagel und machte sich auf den Weg durch ganz Europa. Bisher hat er über 20 500 Kilometer Fußmarsch hinter sich und warb für seine Protestaktion auch in Polen, Belgien, Luxemburg, Dänemark, der Schweiz, Österreich und Frankreich. Die einstige Marke von 500.000 Unterschriften hat Rainer Hoffmann bereits hinter sich gelassen und steuert beim Zählerstand von 650.000 die millionste Unterschrift an.

Wie er bei seinem Besuch auf der Insel Amrum erklärte, wird er sich noch auf den Weg in die Niederlande machen, um von dort Spanien anzulaufen. In Santiago de Compostela steht der Jakobsweg als erklärtes Ziel auf dem Plan, bevor er Ende des Jahres die gesammelten Unterschriften Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel überreichen möchte.
Auf den Straßen Europas hat er bisher 14 Paar Schuhe verschlissen. Die Reaktionen auf seinen Protestmarsch waren leider nicht nur durchweg positiver Natur, so wurde er nach eigener Aussage aus den Ländern Dänemark und Österreich wegen illegalem Grenzübertritt und Pennerdasein des Landes verwiesen, berichtet Hoffmann. Doch weist seine umfangreiche Sammlung von Begleitschreiben, die er unter anderem von Prominenten, Bürgermeistern und unzähligen Polizeistationen ausgestellt bekommen hat, schon einen beeindruckenden Fundus auf. Zum Mitlaufen hat er allerdings noch niemanden animieren können. Ein Wasserschutzpolizeirevier bedauerte zum Beispiel, dass deren Beamten aufgrund der gewachsenen Schwimmhäute nicht für solch einen Marsch geeignet seien.
Die fast acht Jahre auf der Straße sind nicht ganz spurlos an Rainer Hoffmann vorübergegangen. Lebt er doch ausschließlich in seinem 160 Kilogramm schweren Bollerwagen, den er stets hinter sich herzieht und je nach Gutdünken abstellt. Wie er erklärt, hat er selbst bei den bitterkalten Nächten noch eine Temperatur von 17°C in seinem Gefährt gehabt. Der Bundeswehrschlafsack bewahrt den Protestler zudem vor Frostschaden. Geschenkt möchte er nichts haben, wenn dann will er dafür arbeiten.
Nach Außen verkörpert Hoffmann eine mehr als skurrile Person, die von nicht Eingeweihten gern mit der eines Penners gleichgestellt wird. Schon aufgrund der teils intensiven Einforderung von Zuspruch für die Protestaktion sorgte er leider auch schon für Kritik. „Wir zollen der Protestaktion ein hohes Maß an Respekt, doch tritt die eigentliche Aufgabe der Aktion, Unterschriften zu sammeln, zwischenzeitlich auch schon mal in den Hintergrund“, bedauert ein Gastronom.
Wie lange der Aufenthalt auf Amrum noch dauern wird, bevor sich sein Protestmarsch gen Süden fortsetzt, scheint noch ungewiss zu sein. Das Vorhaben schon mit der Fähre am nächsten Tag weiterreisen zu wollen, scheint verworfen.
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Über Peter Lückel

Peter Lückel wurde 1961 in Duisburg geboren und ist in Mülheim an der Ruhr und Essen-Kettwig aufgewachsen. Seine Affinität zum Wasser hat ihn schon immer an das Meer gezogen. 1983 konnte er dem Sog nicht mehr widerstehen und ist sozusagen nach Amrum ausgewandert. Heute arbeitet er als freier Grafiker auf der Insel, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Im Jahr 2000 hat er Amrum-News mit gegründet und ist dort Chefredakteur.

2 Kommentare

  1. Super !!!

    Ein Mann der auch Taten folgen läßt.
    Schade nur das in einigen anderen Regionen mit anderen Maßstäben gemessen wird.
    Kinder sind die Zukunft aller Menschen,und diese Zukunftsträger müssen geschützt werden.

    Auf Ihrem weiteren Wege wünsche ich Ihnen viel Erfolg.

    Grüße aus Bayern
    82256 Füestenfeldbruck

    Georg

  2. Die Gretchenfrage ist doch, was dabei letztendlich dabei herauskommt! Aber wenn es für ihn ein Selbstfindungstrip ist, ist es doch auch ok! Gute Reise und alles etwas gelassener sehen!

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