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Biikefeuer kamen nur langsam in Gang…(ab)

Jedes Jahr wird am 21. Februar an der Nordseeküste und auf den Nordfriesischen Inseln das Biike-Fest gefeiert. biikenDie Tradition geht dabei bis ins Mittelalter zurück. Ursprünglich wurde es als Opferfest für Wotan, seit dem Mittelalter als Abschiedsfest für Seefahrer und Walfänger entzündet. Heutzutage wird mit diesem Ereignis der Winter verabschiedet.  Auch in diesem Jahr brannten wieder  in allen fünf Inseldörfern (Norddorf, Nebel, Süddorf, Steenodde und Wittdün) die traditionellen Biikefeuer, jedenfalls mehr oder weniger. Denn außer in Süddorf hatten die Veranstalter unerwartet große Mühe die Biikehaufen zum Brennen zu bringen. Wie die Feuerwehr erklärte seien die Biikehaufen beim  Aufstapeln zu sehr komprimiert worden. Desweiteren trugen auch der viele Schnee und die Feuchtigkeit in den Haufen dazu bei, dass diese sich nicht wie gewohnt zügig entzünden ließen. In Süddorf sei aus diesem Grund kurz nach dem Entzünden das kurzfristig von einem Landwirt gelieferte Heu auf den Haufen geworfen worden. In den anderen Orten wurden auch diverse Hilfsmittel benutzt um das Feuer in Gang zu bekommen, allerdings zunächst nur mit mäßigem Erfolg.

Fackelzug in Norddorf

Fackelzug in Norddorf

Wieder großen Zulauf hatte das Norddorfer Feuer. Kurz nach Einbruch der Dunkelheit hatten sich ca. 500 Insulaner und Gäste auf der Hüttmannwiese eingefunden.  Nach der obligatorischen Begrüßungsrede von Bürgermeister Peter Kossmann erklärte Kai Quedens von der AmrumTouristik den Gästen wissenswertes über die Bedeutung und die Tradition des Biaken. Anschließend zog die Menge mit einem Fackelzug zum Biike-Platz.  Überhaupt ist das Biike-Fest schon lange nicht mehr nur ein Fest der Einheimischen. In den letzten Jahren hat sich ein wahrer Biike-Tourismus entwickelt. Die Hoteliers Gunnar und Nicole Hesse (Hotel Seeblick) bestätigen diesen Trend auch wenn in diesem Jahr der harte Winter, der dadurch zeitweise eingeschränkte Fährplan und der drohende Pilotenstreik bei der Lufthansa zu einigen kurzfristigen Stornierungen geführt haben.

Gunnar und Nicole Hesse

Gunnar und Nicole Hesse

„Wir freuen uns seit Jahren über viele Gäste, die gerade wegen Biike auf die Insel kommen“. Diese kommen dabei aus dem gesamten Bundesgebiet und somit auch aus Gegenden, in denen Biike bisher fast gänzlich unbekannt war. „Wir haben uns auf unsere Biike-Gäste eingestellt und bieten für diesen Zeitraum auch spezielle Übernachtungsangebote an und haben die Speisekarte auf das Fest abgestimmt“. Ganz nach dem Motto Biike-Zeit ist Grünkohlzeit, stehen bei vielen Amrumer Gastronomiebetrieben zahlreiche Grünkohlgerichte auf der Karte.
Herr und Frau Diart aus Hameln haben ihren Amrum-Urlaub diesmal so gebucht, dass sie diesen Brauch einmal vor Ort  miterleben können.“Seit wir Rentner sind, kommen wir  jedes Jahr im Winter für  vier Wochen nach Amrum, aber es ist unser erstes Biike-Fest“.   Auch für Sonja Kind aus dem Schleswig-Holsteinischen Sparreshoop war es ein langgehegter Traum einmal Biike auf Amrum mit zu erleben. Zwar kommt Familie Kind seit 1992 jedes Jahr in den Sommerferien auf die Insel, aber zu Biike hat es bisher noch nie geklappt. „Ich habe mir das schon lange gewünscht“. „Mein Mann Lothar hat mir diese Reise zu Weihnachten geschenkt“, freut sich Sonja Kind. Und weil geteilte Freude doppelte Freude ist, haben die Beiden  gleich noch ein befreundetes  Ehepaar mitgenommen, die ihren ersten Urlaub auf Amrum verbringen.

Auch die Rettungsschwimmer schauen mal im Winter vorbei...

Auch die Rettungsschwimmer schauen mal im Winter vorbei...

Aber auch bei den  Rettungsschwimmern steht  das Fest hoch im Kurs. Gerade viele ehrenamtliche Rettungsschwimmer,  die in den Sommermonaten ihren Dienst an Amrums Strän
den geleistet haben wie die Polizisten Fritz Weber (Bergisch Gladbach), Dirk Imhof (Düsseldorf) und Jürgen Lustina (Ostwestfalen),  kommen schon seit mehr als 15 Jahren zu Biike auf die Insel. Wenn es sich familiär einrichten lässt steht Biike ganz groß in ihren Terminkalendern. „Es ist sehr schön hier an den gemütlichen Feuern alte Freunde zu treffen und zusammen einen Glühwein zu trinken“, erzählt Fritz Weber. Bei Temperaturen um und später knapp unter dem Gefrierpunkt sorgten die  freiwilligen Feuerwehren mit Glühwein und Bratwürsten für das leibliche Wohl. Als die Feuer in Nebel und Norddorf jedoch kurz nach 22.00 Uhr endlich richtig anfingen zu brennen, waren viele Gäste jedoch schon wieder Zuhause. Dennoch hatten sowohl Insulaner als auch die Gäste ihren Spaß!
Verantwortlich für diesen Artikel: Andreas Buzalla

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Über Peter Lückel

Peter Lückel wurde 1961 in Duisburg geboren und ist in Mülheim an der Ruhr und Essen-Kettwig aufgewachsen. Seine Affinität zum Wasser hat ihn schon immer an das Meer gezogen. 1983 konnte er dem Sog nicht mehr widerstehen und ist sozusagen nach Amrum ausgewandert. Heute arbeitet er als freier Grafiker auf der Insel, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Im Jahr 2000 hat er Amrum-News mit gegründet und ist dort Chefredakteur.

2 Kommentare

  1. Christopher Mehrens

    Biike war klasse !!!
    Ich war in Wittdün beim Biike – Feuer …
    viele Freunde getroffen 🙂
    Ich freue mich schon auf das nächste Jahr !!!

  2. Betr.entzünden Feuer in Süddorf
    Nur für die Richtigkeit möchte ich festellen, daß der Landwirt Irk Martinen der Feuerwehr Süddorf-Steenodde wie jedes Jahr am Nachmittag STROH geliefert und dieses direkt auf den Haufen gehäckselt hat. Mt dem Stroh haben wir dann am Abend das Buschwerk problemlos entzündet. Das wars.
    Der Verfasser muß entweder bei einem anderen Feuer gewesen sein, oder hat sich falsch informiert.

Amrumer Fotowettbewerb 2015