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Handeln wo Handlungsbedarf ist…(to)

Im Zuge der turnusmäßigen Deichschau auf Amrum, die eine regelmäßige jährlich stattfindende Begutachtung der Deiche, Uferschutzeinrichtungen und des biotechnischen Küstenschutz umfasst, machten sich in der vergangenen Woche wieder Vertreter der entsprechenden Behörden und Organisationen mit den Bürgermeistern und der Amtsvorsteherin auf den Weg.

Deichschau... Treffen von Fachleuten und Politikern

Deichschau... Treffen von Fachleuten und Politikern

Hierbei wurden die neuralgischen Schwerpunkte als auch die in der Planung befindlichen beziehungsweise bereits abgewickelten Projekte in Augenschein genommen, um sich so einen persönlichen Sachstand von den Bauwerken zu verschaffen. „Mit der Teilnahme von Ministerialdirigent Dietmar Wienholdt vom Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein (MLUR), als Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft, Meeres- und Küstenschutz und Dr. Johannes Oelerich, Direktor des Landesbetriebes für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN), zeigte sich auch bei dieser Deichschau eine hochkarätige Besetzung. Damit wurde seitens der Landesregierung dem Landesküstenschutz in seiner Gewichtung Rechnung getragen.

Alfred Mordhorst(li) erklärt den Sachstand in Norddorf, rechts daneben: Ministerialdirigent Dietmar Wienholdt

Alfred Mordhorst(li) erklärt den Sachstand in Norddorf, rechts daneben: Ministerialdirigent Dietmar Wienholdt

Aus Sicht des Kreises Nordfriesland zeigt sich eine ohnehin gute Zusammenarbeit“, hob Kreispräsident Albert Pahl hervor.

Dietmar Wienholdt betonte, dass der Küstenschutz schließlich für die Menschen praktiziert wird, die in den betroffenen Gebieten leben. In Anbetracht der auf die Küsten zukommenden Anforderungen stellt sich die Ausstattung mit finanziellen Mitteln als angemessen dar. Wie sich die Entwicklung letztendlich darstellen wird, hängt natürlich auch maßgeblich von dem prognostizierten Anstieg des Meeresspiegels ab.
Wienholdt und Jungclaus bei der Begehung Überlaufdeich Seezeichenhafen und Steenodde

Wienholdt und Jungclaus bei der Begehung Überlaufdeich Seezeichenhafen und Steenodde

Bei der „Wanderung“ über den Überlaufdeich zwischen dem Wittdüner Seezeichenhafen und Steenodde hinterfragten die Vertreter der Amrumer Politik, inwieweit die zugesagten Maßnahmen zur Überarbeitung dieses Abschnittes zeitnah realisiert würden. Wie Dr. Oelerich erklärte, sei mit der Planung bereits begonnen worden, allerdings stelle sich aufgrund der Rahmenbedingungen eine schwierige Ausgangslage dar. Das Deichprofil habe eine Böschungsneigung, die nicht dem Standard der Landesschutzdeiche entspricht. Auf der rückwärtigen Seite falle der Deich steil zu den Marschwiesen ab. „Wir haben noch immer Landesschutzdeiche in Schleswig-Holstein die überarbeitet werden müssen und in diesem Abschnitt bestehe keine Gefahr für Leib und Leben. Allein aufgrund der im Falle des Deichbruchs überfluteten Nord-Süd-Verbindungstangente in Wittdün bestehe konkreter Handlungsbedarf “, zeigte Wienholdt den Sachstand auf.

Im Ortsgebiet Nebel stellte Bürgermeister Bernd Dell-Missier die geplante Hochwasserschutzmaßnahme zwischen Meeskwai und Böle-Bonken-Wai vor und warb für diese Maßnahme in Form einer Verwallung direkt Mittel ein. Wie der Bürgermeister erklärte, habe man von zwei Varianten bereits eine Ausführung favorisiert und könne so mit einer Stöpe weniger auskommen. Von den zu verbauenden 4200 m³ deichbaufähigen Materials lagern auf Amrum bereits 3000 m³ auf Abruf.

Durchwachsungen am Teerdeich werden begutachtet

Durchwachsungen am Teerdeich werden begutachtet

Der Bereich der Norddorfer Marsch wird durch den „Teerdeich“ geschützt, der seit dem Bruch 1962 mit einer Asphaltdecke in zwei verschiedenen Zusammensetzungen gegen äußere Einflüsse geschützt wird. Wie Alfred Mordhorst, verantwortlicher Ingenieur für die Instandhaltung beim LKN, erklärte, werde man dem Grasdurchwuchs nicht mehr Herr und teste bereits in der noch unkritischen Phase ein Belagsverfahren um den Überlaufdeich bei Bedarf neu zu sichern. Handlungsbedarf sehe man allerdings bisher nur in dem nördlichen Abschnitt, der mit einer Betonasphaltdecke verbaut ist. Hier zeigen sich Risse in der Oberfläche auf. Zur gesicherten Entwässerung der Flächen wird zudem seitens des LKN im kommenden Jahr das Außentief ausgebaggert. Wie versprochen nahm der Ministerialdirigent auch den Bereich Odde und Ban Hörn in Augenschein, um sich von dem derzeitigen Abtrag der Dünen sowohl im westlichen als auch im östlichen Bereich persönlich zu überzeugen (wir berichteten).

Nicht viel Reserve bei Ban Horn...

Nicht viel Reserve bei Ban Horn...

Westlich des Schullandheimes Ban Horn habe die Dünenkette einen Abtrag erfahren, der die Gefahr birgt, dass einige Herbststürme den Puffer auch noch wegreißen könnten. Dr. Oelerich zeigte anhand von Vermessungsbildern auf, wie sich die im Bereich der Nordspitze Amrums die Dynamik darstelle.

Vordergründig müsse man durch biotechnische Küstenschutzmaßnahmen genug Sandpuffer schaffen, um so den Abtrag der Randdünen zu verlangsamen, stellte Wienholdt zusammenfassend fest. Wie sich solche Maßnahmen bewähren, konnten die Teilnehmer einen halben Kilometer nördlicher begutachten. Hier zeigte sich ein optimaler Aufbau durch Sandfangmaßnahmen.
Abschließend lobten die Besucher die gute, konstruktive und harmonische Zusammenarbeit während der Deichschau. Zwischen dem LKN und den Gemeinden auf Amrum werde eine Kooperation untereinander praktiziert, die für viele Regionen auf dem Festland Vorbildcharakter habe, lobten Dr. Oelerich und MDgt Wienholdt einvernehmend. Oelersichs Dank galt dabei auch dem gezeigten Engagement seiner Mitarbeiter vor Ort.
Verantwortlich für diesen Artikel: Thomas Oelers
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Über Peter Lückel

Peter Lückel wurde 1961 in Duisburg geboren und ist in Mülheim an der Ruhr und Essen-Kettwig aufgewachsen. Seine Affinität zum Wasser hat ihn schon immer an das Meer gezogen. 1983 konnte er dem Sog nicht mehr widerstehen und ist sozusagen nach Amrum ausgewandert. Heute arbeitet er als freier Grafiker auf der Insel, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Im Jahr 2000 hat er Amrum-News mit gegründet und ist dort Chefredakteur.
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