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Der Sandpuffer vor den Dünen wurde massiv abgeräumt…(to)

Die erste Sturmflut in diesem Herbst mit Wasserständen von bis zu 2 Metern über dem mittleren Hochwasser (MHW) hat an der sandigen Küste im Norden der Insel dermaßen gewütet, dass erhebliche Sandverluste zu beklagen sind.

Totaler Abraum und abrutschende Dünen vor Ban Horn

Besonders in dem Bereich Odde und Ban Hörn in Höhe des Landschulheimes Ban Horn zeigen sich Spuren des Abraums besonders deutlich. Der durch Maßnahmen des biotechnischen Küstenschutzes, sprich Sandfangzäune, mühsam aufgebaute Sandpuffer der Vordünen wurde Opfer der Fluten. Abrisskanten von bis zu über zwei Metern und nachrutschender Dünensubstanz liefern auf einer Länge von rund einem Kilometer wahrlich besorgniserregende Bilder.

Erst im Juni hatten die Fachleute Landesbetriebes für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN) im Zuge der ordentlichen Deichschau mit dem Ministerialdirigent Dietmar Wienholdt vom Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein (MLUR), als Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft, Meeres- und Küstenschutz an dieser Stelle gestanden und über die latent vorhandene Bedrohung des Landschulheimes „Ban Horn“ beraten.

Der Dünenpuffer vor dem Landschulheim wird immer geringer.

Der verbleibende Dünenpuffer zwischen der Nordsee und der Bausubstanz verringerte sich bei diesem Sturm augenscheinlich erneut. Westlich des Schullandheimes „Ban Horn“ habe die Dünenkette einen Abtrag erfahren, der die Gefahr birgt, dass einige Herbststürme den Puffer auch noch wegreißen könnten (wir berichteten). Der in diesem Bereich stark abgeflachte Kniepsand, alte Pfahlreihen der Brückenanlagen, die aus der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts stammen, wurden in den vergangenen Jahren immer mehr freigespült, bieten den anrollenden Nordseebrechern keine ausreichende Gegenwehr. So können die Wellen ungehindert ihre gewaltige Energie an den Dünen und den vorgelagerten Sandpolstern auslassen.

Wie Alfred Mordhorst, verantwortlicher Ingenieur für die Instandhaltung beim LKN, auf Anfrage erklärte, werde erst die heute stattfindende Bereisung klare Ergebnisse der Sandverluste ergeben. Ohne selbst an der Schadensstelle gestanden zu haben, könne er keinerlei Aussagen über die abgängige Sandmenge noch über die zu ergreifenden Maßnahmen treffen.

Beeindruckend jedoch extrem zerstörerisch...

Klar stehe aber, dass sich die sandige Küste Amrums in einer stetigen Dynamik befindet. Sandpolster werden durch das Pflanzen von Sandfangzäunen aus Laubverschiedenem (1,3 Meter lange Reisigbündel aus verschiedensten Laubbäumen mit Vorliebe zur Weide) aufgebaut. Hierbei ist es Ziel, den über den Strand treibenden Sand zu beruhigen und vor den Dünen anzulagern. „Sand, der über die Düne ins Binnenland weht, ist dem Dünenschutz verloren“, erklärt Mordhorst.
Ob nun noch in der Sturmsaison Maßnahmen ergriffen werden, oder die eigene Dynamik der Küste für einen Selbstheilungsprozess sorgen muss, vermochte der Ingenieur nicht im Vorfeld zu beurteilen. „Oft zeigen sich schon nach kurzer Zeit neue Sandanlagerungen am Dünenfuß der Randdünen“.
„Vordergründig müsse man durch biotechnische Küstenschutzmaßnahmen genug Sandpuffer schaffen, um so den Abtrag der Randdünen zu verlangsamen, stellte Ministerialdirigent Dietmar Wienholdt im Juni zusammenfassend fest. Wie sich solche Maßnahmen bewähren, konnten die Teilnehmer der Deichschau einen halben Kilometer nördlicher begutachten. Hier zeigte sich ein optimaler Aufbau durch Sandfangmaßnahmen.
Bleibt zu hoffen, dass die nächste Sturmflut so lange Geduld aufbringt, bis sich ein neues Sandpolster aufgebaut hat. Ansonsten wird es irgendwann eng für Ban Horn.
Verantwortlich für diesen Bericht: Thomas Oelers
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Über Peter Lückel

Peter Lückel wurde 1961 in Duisburg geboren und ist in Mülheim an der Ruhr und Essen-Kettwig aufgewachsen. Seine Affinität zum Wasser hat ihn schon immer an das Meer gezogen. 1983 konnte er dem Sog nicht mehr widerstehen und ist sozusagen nach Amrum ausgewandert. Heute arbeitet er als freier Grafiker auf der Insel, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Im Jahr 2000 hat er Amrum-News mit gegründet und ist dort Chefredakteur.

Ein Kommentar

  1. Hanns Albrecht Merkle

    Wir alle können nur hoffen, dass sich die breite und hoffentlich nicht zu flache Sandbank rechtzeitig weiter nach Nordosten ausdehnt, so dass der Kniep zwischen dem Norddorfer Strand und der Odde wie in früheren Jahrzehnten die Wellen von Spring- und Sturmfluten rechtzeitig vor den Dünen abfedern kann. Dann, nur dann wird die Dünenlandschaft vor Ban Horn nicht weiter bedroht und von den Wogen abgebaut.

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