Startseite » Über Land ... » Barrierefreiheit hängt oft von Kleinigkeiten ab…(to)

Barrierefreiheit hängt oft von Kleinigkeiten ab…(to)

Barrierefreier Urlaub bedeutet leider nicht immer, dass Urlauberinnen und Urlauber mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit auch barrierefreie Verhältnisse vorfinden.

Sabine Dittmann vermisst das lichte Mass der Eingangstür...

Daher haben sich Sabine Dittmann und Frauke Blunck auf den Weg gemacht, um auf den Nordseeinseln Amrum und Föhr die tatsächliche Barrierefreiheit vor Ort zu testen. Sie sind bei dem Kieler Verein „Unterwegs ohne Grenzen e.V.“ angestellt, der den Auftrag bekam, die Barrierefreiheit der Insel-Angebote vor Ort zu testen.

„Um hier wirklich stimmige Daten zu erhalten, sind wir diesen bisher noch eher ungewöhnlichen Weg gegangen“, erklärt Chris Johannsen von der Amrum Touristik. „Wir überprüfen einerseits die Daten, die bereits in der ersten Auflage des Führers für Rollstuhlfahrer auf Föhr und Amrum festgehalten sind und nehmen natürlich die neu hinzugekommenen Einrichtungen mit Barrierefreiheit auf und vermessen sie entsprechend. Ein straffer Fragebogen gibt den Ablauf vor und hält dementsprechend Daten fest, die unter anderem Aussagen über die Durchfahrtsbreiten der Türen, eventuell vorhandene Stufen, Wohnungseinrichtungen mit auskömmlichen Freiräumen und natürlich erreichbare und auch nutzbare Sanitäreinrichtungen festhalten“, erklärt Sabine Dittmann.

Der Führer für Rollstuhlfahrer wird nach Abschluss der Messarbeiten und deren Auswertungen im kommenden Jahr neu aufgelegt. Es wird ihn dann nicht nur in gedruckter Form, sondern auch als Online-Nachschlagewerk geben.

Die Bohlenwege in Nebel und Süddorf ermöglichen den Strandbesuch...

Auf den Inseln Amrum und Föhr nehmen die Touristikzentralen das Thema Barrierefreiheit schon seit geraumer Zeit ernst. Die Förderung des Gesundheitstourismus hat hier einen Stellenwert bekommen, der einen wichtigen Teil der touristischen Arbeit vor Ort ausmacht. Dazu gehört auch die Unterstützung barrierefreier Angebote. „Wir konnten schon barrierefreie Angebote umsetzen und sind bei der Realisierung weiterer Projekte hoch motiviert“, erklärt Vorstandsmitglied Johannsen von der Amrum Touristik.

„Aber es gibt immer noch viel zu tun“. Wenn seine Pläne durch irgendwelche bürokratischen Hemmnisse ins Stocken geraten, schleicht sich schon mal eine Vorstellung ein, bei der er den Wunsch entwickelt, dass alle Gemeinderatsmitglieder in Deutschland für einen Tag einen Rollstuhl nutzen müssen. Aus diesem dürften sie für diesen Tag nicht aussteigen… “Dann würden wir ihnen viel zu trinken geben. Spätestens nach ein paar Stunden würden sie einsehen, wie wichtig barrierefrei zugängliche Toiletten sind“. Hier sind erfreulicherweise gleich zwei Projekte in der kurzfristigen Umsetzung beziehungsweise Planung, um die Toilettenanlagen an den Touristikservicegebäuden in Nebel und Norddorf entsprechend barrierefrei auszurüsten.

Claus Krause fungierte bereits 2006 als Testfahrer...

Begrüßenswert ist die rund 7,5 Millionen Euro schwere Investition der Bahn in die Sanierung des Bahnhofs in Niebüll. Nach Abschluss der Arbeiten, die unter andrem den Einbau von Fahrstühlen umfassen, wird es für Rollstuhlfahrer im Anreiseweg zu den Inseln eine große Erleichterung geben. Durch den Bau der Portale für den Seiteneinstieg auf die Fähren nach Föhr oder Amrum wird diese positive Entwicklung fortgeführt. Die Fährschiffe selbst erfüllen bereits den Standard der Barrierefreiheit. Auf dem Flaggschiff der Reederei, der MS „Uthlande“ wird diesem Anspruch, mit einem erstmals auch bis zum Sonnendeck reichenden Fahrstuhl, besonders Rechnung getragen.

Bei der Beschaffung der auf den Inseln verkehren Niederflurbusse, legte die Wyker Dampfschiffs-Reederei besonderen Wert auf die Ausstattung mit ausfahrbahren Auffahrrampen zur sicheren Nutzung der Linienbusse durch Rollstuhlfahrer.

Die Amrumer Strände sind naturgemäß nicht mit dem Rollstuhl zu befahren. Aber die befestigten Zugänge zum Strand und die Anschaffung einiger Strandrollis ermöglichen auch denen den Genuss eines Strandbesuchs, die auf den Rollstuhl angewiesen sind. Wenn auch als futuristisch und unangepasst kritisiert, beschert doch eine Plattform am Norddorfer Strand, eine bisher nicht da gewesene und „unverbaute“ Weitsicht, für all die Personen, die mal nicht eben aufstehen können oder gar auf eine „Aussichtsdüne“ klettern können.

„Während unser Vermessungs- und Aktualisierungsarbeiten, in der jetzt ruhigen Zeit der Nebensaison, haben wir leider auch häufiger verschlossenen Türen vorgefunden. Dies bedeutet, dass wir nochmals eine Bereisung durchführen müssen. Hierdurch haben aber auch noch die Interessenten, die noch nicht in unserem Führer für Rollstuhlfahrer festgehalten sind, sich zu melden und aufgenommen zu werden. Infos hierzu liefern die Touristiken der beiden Inseln“, erklärt Sabine Dittmann.

Verantwortlich für diesen Artikel: Thoma Oelers

Diesen Beitrag drucken Diesen Beitrag drucken

Über Peter Lückel

Peter Lückel wurde 1961 in Duisburg geboren und ist in Mülheim an der Ruhr und Essen-Kettwig aufgewachsen. Seine Affinität zum Wasser hat ihn schon immer an das Meer gezogen. 1983 konnte er dem Sog nicht mehr widerstehen und ist sozusagen nach Amrum ausgewandert. Heute arbeitet er als freier Grafiker auf der Insel, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Im Jahr 2000 hat er Amrum-News mit gegründet und ist dort Chefredakteur.

Ein Kommentar

  1. Andreas Zimmermann

    Es liegt manchmal an Kleinigkeiten… Wurde die Absenkung des Bordsteins beim Bau des neuen Weges in der Ortsmitte von Norddorf auf der Seite zur Bushaltestelle vergessen?

Amrumer Fotowettbewerb 2015
Facebook Auto Publish Powered By : XYZScripts.com