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Leinen los…(to)

Zum Jahreswechsel wird die am 08. Dezember in Hamburg getaufte „Nordic“ vor der ostfriesischen Insel Norderney auf Seeposition gehen.

"Leinen los" für die Nordic...

Die „Nordic“ ist mit 201 Tonnen Pfahlzug Deutschlands leistungsstärkster Notschlepper und gilt als weltweit erster seiner Art, der auch für Einsätze zugelassen ist, bei denen explosive und giftige Stoffe austreten. Mit der Stationierung löst der Neubau den dort bisher stationierten Hochseeschlepper „Oceanic“ ab, der nach 42 Dienstjahren ausgemustert wird.
Mehr als zwölf Jahre nach der Havarie des Holzfrachters „Pallas“ sechs Seemeilen südwestlich vor Amrum wird das Sicherungssystem in der Deutschen Bucht deutlich verbessert. Wie der zuständige parlamentarische Staatssekretär des Bundesverkehrsministeriums Enak Ferlemann bei der Taufe erklärte, habe man mit der Indienststellung der „Nordic“ ein neues maritimes Notschleppkonzept in die Tat umgesetzt. Für die Nord- und Ostsee sind für die nächsten 10 Jahre Charterverträge abgeschlossen worden, die ein Volumen von insgesamt 197 Millionen Euro umfassen.

Enak Ferlemann

„Gemeinsam mit diesem leistungsfähigen Schlepper und allen aus dem Notschleppkonzept bereitstehenden Einheiten kann Deutschland seinen hohen, europaweit beispielhaften Sicherheitsstandard weiterhin wahren“, zeigt sich Ferlemann überzeugt.
Diese konsequente Euphorie können der Vorstandssprecher der Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste (SDN), Hans von Wecheln und der Vorsitzende der Insel- und Halligkonferenz (IHKo), Jürgen Jungclaus nicht unkommentiert teilen. Der neu gebaute Notschlepper „Nordic“ wird trotz des technischen Quantensprungs zur „Oceanic“, die im Januar ausgemustert wird, im Fall der Fälle nicht die „Nordflanke“ im Bereich der Insel Sylt und dem Grenzgebiet zu Dänemark absichern können. Die Positionierung gewährleistet bei schwerer See nicht das rechtzeitige Eintreffen bei einem möglichen Havaristen, zeigen sich Beide überzeugt.
Der Stationierungsplan sieht laut dem Notschleppkonzept für den Nordbereich, ab Windstärke 8, die Positionierung der beiden bundeseigenen Mehrzweckschiffe „Neuwerk“ und „Mellum“ vor. Die „Mellum“ bezieht dann ihre Position bei Helgoland, die „Neuwerk“ ihre acht Seemeilen südwestlich von Süderoogsand gelegene. Das aktuelle Konzept sieht vor, dass ein Havarist innerhalb von maximal zwei Stunden zu erreichen ist. Bei Schlechtwetter mit entsprechenden Wellenhöhen sieht die Lage dann schon anders aus. Diese Tatsache beunruhigt die Vertreter der Westküste nach wie vor.
Wie Jürgen Jungclaus zu bedenken gibt, seien die Szenarien von vor 12 Jahren noch sehr präsent. „Die Mehrzweckschiffe „Neuwerk“ und „Mellum“ waren zwar zur Stelle, als die brennende „Pallas“ aus Nordwest auf die Küste zutrieb, doch seien das keine reinen Schlepp- und Bergungsschiffe mit so intensiv für diese Fälle trainierte Besatzungen, wie sie auf der „Oceanic“ beziehungsweise nun auch auf der „Nordic“ eingesetzt werden. Von der Pfahlzugkraft und der Schleppdraht-Ausstattung mal ganz abgesehen. Eine gerissene Schleppleine und die zu späte Verfügbarkeit des Notfallschleppers ‚Oceanic‘ vereitelten damals unter anderem den Erfolg der Bergung vor der Havarie. Die katastrophalen Folgen für das Ökosystem Nordsee waren unübersehbar“, beklagt Jungclaus. Die Beinahe-Havarie der „Lucky Fortune“ zeige zudem, dass Schiffe ohne Weiteres auch aus Nordwesten auf die Küste zutreiben können“, gibt SDN-Vorstandssprecher Hans von Wecheln zu bedenken.

Hans von Wecheln: „Wir werden uns jetzt nicht ausruhen“...

Während der Gästefahrt nach der Taufe im Hamburger Hafen zeigte sich auch der Leiter des Havarie-Kommandos in Cuxhaven, Hans-Werner Monsees zufrieden über die neue Schiffseinheit. Seine Abteilung bildet im Notfall die zentrale Koordinationsstelle, die auf alle See-Einheiten von Bund und Land zugreifen kann, um so eine optimale Gefahrenabwehr zu realisieren. Wie Monsees erklärte, werde die „Nordic“ mit ihren Besatzungen in 2011 ein umfassendes Trainingsprogramm zu absolvieren haben, um im Einsatzfall mit allen verfügbaren Einheiten optimal zusammenarbeiten zu können. „Nur durch das stetige Training mit den verschiedenen Organisationen und die Standardisierung der Einsatzmittel für alle Einsatzkräfte sind die Spezialisten überall und effektiv einzusetzen. Im Ernstfall kann jede Minute entscheidend sein“, so Monsees.
„Es wird immer aufgrund von Entwicklungen im Schifffahrtsbereich oder bei dem Bau von Offshoreanlagen neue Erkenntnisse geben, dann wird man schnell und flexibel reagieren müssen, das wünschen wir uns zukünftig von der Verwaltung. Im Großen und Ganzen ist das derzeitige Konzept richtig und Verhältnis zu andren Staaten recht vorbildlich. Weitere Gespräche stehen aber sicher mit Blick auf die offene deutsche Nordflanke auch mit dem Königreich Dänemark an. Denn während die Niederlande und Deutschland ständig einen hochseetauglichen Notschlepper vorhalten, haben die Nachbarn im Norden lediglich einen Vertrag mit einer Privatreederei, die im Ernstfall einen oder zwei Schlepper aus Esbjerg auslaufen lässt. Angesichts der offenen Fragen verspricht Hans von Wecheln: „Wir werden uns jetzt nicht ausruhen.“
Verantwortlich für diesen Artikel: Thomas Oelers
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Über Peter Lückel

Peter Lückel wurde 1961 in Duisburg geboren und ist in Mülheim an der Ruhr und Essen-Kettwig aufgewachsen. Seine Affinität zum Wasser hat ihn schon immer an das Meer gezogen. 1983 konnte er dem Sog nicht mehr widerstehen und ist sozusagen nach Amrum ausgewandert. Heute arbeitet er als freier Grafiker auf der Insel, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Im Jahr 2000 hat er Amrum-News mit gegründet und ist dort Chefredakteur.
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