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Licht aus – Kerzen an…(to)

Bis um 17.20 Uhr war gestern auf Amrum die Welt noch in Ordnung.

Hilligenlei bringt die Notstromversorgung und die EON-Techniker

Dann quittierte ein Leistungsschalter im 20-KV -Stromversorgungsnetz der EON den Dienst . Auf ganz Amrum gingen die Lichter und was sonst noch alles auf Strom angewiesen ist, aus. Für den Bereich Wittdün Steenodde Süddorf und Teilen von Nebel sollte diese Störung elfeinhalb Stunden dauern. Von vielen unbemerkt lief eine enorme Kraftanstrengung des Versorgungsunternehmens an, die noch bis in die Mittagsstunden des Samstages andauerten. Um Mitternacht brachte die MS „Hilligenlei“ acht Notstromaggregate auf die Insel, um wenigstens einen Teil der Infrastruktur mit Strom versorgen zu können.

Mit Hilfe des Kabelmesswagens soll der Fehler gefunden werden.

Doch trotz der teilweise großen Leistungsstärke der einzelnen Aggregate konnte dies nur ein „Tropfen“ auf den heißen Stein sein. Während Techniker und Tiefbauer fieberhaft an der Beseitigung der Störung arbeiteten, sorgten die Mitarbeiter der Versorgungsbetriebe dafür, dass die Pumpen in den Pumpstationen über eine Notstromeinspeisung versorgt wurden und so die Abwasserentsorgung aufrechterhalten werden konnte.

Die Pumpen mussten per Notstrom betrieben werden...

Da auch der Anleger ohne Strom war, mussten die Hebebühnen an den Fähren manuell mit Strom versorgt werden. Die Einspeisung erfolgte vom Notstromaggregat der Versorgungsbetriebe.

Für die Betreiber der Lebensmittelmärkte endete die Öffnungszeit ebenfalls vorzeitig. Sorgen bereitete den Betreibern allerdings mit anhaltendem Stromausfall die prall gefüllten Tiefkühltruhen. „Dank der modernen Isolation der Geräte ist zwar noch alles im grünen Bereich, doch in solch einem Fall muss man auch im schlimmsten Fall mit einem Totalverlust rechnen“, erklärte Heiko Müller als Betreiber des Zentralmarktes gegen 22.00 Uhr.
Der funkelnde Nachthimmel war zwar schön anzuschauen, doch sorgte die klare Nacht für Tiefsttemperaturen von bis zu minus 9,5 °C. Gut beraten waren die, die einen Kaminofen befeuern und so die ausgefallene Heizung kompensieren konnten. In vielen Häusern herrschte Gelassenheit bei Kerzenschein. Die Feuerwehr Wittdün hielt ihre Jahreshauptversammlung ebenfalls bei Kerzenschein ab, musste allerdings aufgrund der besonderen Lage auf manch angekündigten Gast verzichten.

Notstrom wird eingespeist...

Für die auf Amrum ansässigen Mitarbeiter des Stromkonzerns sind Störungen eigentlich keine ganz schlimme Sache und gehört zur Routine. Ist das Ringnetz auf Amrum doch mit mehreren Quertangenten gut gegen Schäden gewappnet und gewährt so eine große Versorgungssicherheit. Schon am Nachmittag hatten sich Unregelmäßigkeiten in einem 20 KV Versorgungskabel am Waasterstigh in Nebel gezeigt. Der notdiensthabende Mitarbeiter machte sich umgehend auf den Weg um den Fehler einzugrenzen und zu beheben. Die Infrastruktur des Versorgungsnetzes lässt es zu, schadhafte Kabelbereiche vom Netz zu nehmen und dann über die zweite Tangente die Versorgung zu sichern. Die Lokalisierung solch einer Kabelschadstelle übernimmt ein Messwagentrupp. Dieser war bereits für Freitagabend auf die Insel beordert worden.
Allerdings hatte die Netzwerkstelle danach eine weitere Unregelmäßigkeit im Netz registriert und den Mitarbeiter erneut aktiviert. Als dann in einer Schaltstation in Nebel ein Leistungsschalter umgelegt werden musste um den Fehler einzugrenzen, entstand ein Lichtbogen zwischen zwei Schaltern, der mit einem gewaltigen Knall soviel Energie freisetzte, dass der Schalter unbrauchbar wurde.

"Ich war nur froh, dass es eine Sicherheitsscheibe vor dem Schalter gibt..."

Die Stromversorgung auf der ganzen Insel brach zusammen. „Ich war nur froh, dass es eine Sicherheitsscheibe vor dem Schalter gibt, ansonsten hätte das böse ausgehen können“, gestand der Mitarbeiter der EON seine Erleichterung im Nachhinein. Bei diesem Zwischenfall wurde die Station dermaßen nachhaltig beschädigt, sodass sie umgehend ersetzt werden muss.

Die Schadstelle im Waasterstigh wurde aufgebaggert...

Für den Bereich Norddorf und den nördlichen Teil Nebels konnte die Versorgungslücke nach einer guten Stunde behoben werden, doch für den Rest der Insel gab es keine Möglichkeit mehr versorgt zu werden. Erst als die geortete Schadstelle im Waasterstigh in der Nacht repariert werden konnte, gelang es wieder die Versorgung für ganz Amrum sicher zu stellen. Aufgrund des gefrorenen Bodens gestalteten sich die Erdarbeiten recht aufwendig. Gegen 4.50 Uhr war dann der Strom wieder da.

Neue Schaltstation wurde Samstagmorgen gleich angeliefert...

Verantwortlich für diesen Artikel. Thomas Oelers
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Über Peter Lückel

Peter Lückel wurde 1961 in Duisburg geboren und ist in Mülheim an der Ruhr und Essen-Kettwig aufgewachsen. Seine Affinität zum Wasser hat ihn schon immer an das Meer gezogen. 1983 konnte er dem Sog nicht mehr widerstehen und ist sozusagen nach Amrum ausgewandert. Heute arbeitet er als freier Grafiker auf der Insel, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Im Jahr 2000 hat er Amrum-News mit gegründet und ist dort Chefredakteur.

3 Kommentare

  1. Danke an alle fleißigen Nachtarbeiter .-)

  2. Auch ich bedanke mich für die, unter diesen Umständen doch recht zügige Behebung der Störungsursache. Angesichts eines solchen Vorfalls wird einem mal deutlich vor Augen geführt, wie abhängig man doch im täglichen Leben von einer funktionierenden Stromversorgung ist. Ich saß gerade am PC als der Strom plötzlich weg blieb. Zunächst nur ein paar Minuten und dann war er wieder da, aber dann kam ja der “Supergau” und plötzlich ging nichts mehr. Trotzdem fand ich es gar nicht so schlimm, da wurden halt viele Kerzen und Teelichter angezündet, damit man etwas sehen konnte. Taschenlampen kamen auch mal wieder zum Einsatz, wenn man mal ins Bad oder die Küche musste. Das man sich aber leider keinen schönen warmen Tee kochen konnte, es nichts warmes zu essen gab und die Temperaturen in den Räumen stetig fielen war eben nicht so schön. Mein Gulasch für den nächsten Tag konnte ich ja bei minus Graden locker auf dem Balkon, statt im Kühlschrank lagern, aber von einigen Tiefkühlsachen hab ich mich dann doch vorsichtshalber getrennt, bin da lieber vorsichtig und der Tiefkühler ging dann doch schon runter bis auf nur noch knapp unter -2°C.Natürlich fehlte die “Berieselung” durch den Fernseher, aber wir haben unser Badezimmer-Radio, das mit Batterien funktioniert, zwischenzeitlich mal aktiviert und uns sonst eben angeregt unterhalten.Zwischenzeitlich hab ich dann mal mit dem Handy bei der eon angerufen, aber die konnten auch nichts genaueres sagen, außer das man bereits “Leute vor Ort habe und mit Hochdruck arbeite…” Ins Bett ging es dann halt mit Kuschelsocken und einem warmen Schlafanzug, sowie Federbett und zusätzlicher Decke. Mein Sohn schlief dann so auch ein und ich bemerkte irgendwann nach Mitternacht einen Lichtschein von draußen durch mein Fenster und guckte mal nach was das war. Bevor ich ins Bett wollte hatte ich schon ein Schiff am Anleger ausmachen können. Dies hatte so merkwürdige “Container” geladen, wie ich jetzt weiß die Notstromaggregate.Ha – das WDR Gebäude hell erleuchtet, ebenso war in Richtung Inselstrasse offensichtlich auch der Strom wieder da. Ich legte mich also beruhigt ins Bett und war gerade eingeschlafen als das Telefon plötzlich piepte und das Licht anging. Wow, der Strom war wieder da. Also noch mal eben aufgestanden, alle Heizungen etwas höher gedreht, damit es schnell wieder warm wird und dann endlich ´ne Runde pennen. Danke an alle die sich für uns die Nacht um die Ohren geschlagen haben und somit dafür sorgten das wir schnell wieder in den Genuss unseres gewohnten Komforts kamen. Ich habe nun eine ungefähre Vorstellung davon, wie sich Leute fühlen bei denen der Strom für längere Zeit, oft auch über Tage weg bleibt. Alles in allem war´s fast ein kleines Abenteuer 😉
    Grüße an alle Leser
    Petra Berkemeier

  3. Ein ehrliches Hoch an alle die diese “Supernachtschicht” so erfolgreich gemanaged haben.
    Vielen Dank

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