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Lesung der besonderen Art…(ab)

Eine Lesung der besonderen Art erlebten rund vierzig Personen, die extra mit dem Fahrrad zum Nebeler Haus des Gastes gekommen waren, um sich auf die Spur des Kunsträubers Harry Oldenburg zu begeben.

Krischan Koch liest an den entsprechenden Orten...

Krischan Koch liest an den entsprechenden Orten...

Bei jenem Harry Oldenburg handelt es sich jedoch nicht um eine reale Person, sondern um die Hauptfigur in Krischan Kochs Amrum-Krimi „Flucht übers Watt“. Vor zwei Jahren hatte der Filmkritiker, Journalist und Autor Krischan Koch bei einer Lesung im Haus des Gastes sein Erstlingswerk, das auf Amrum geschrieben wurde und auch größtenteils auf der Insel spielt, vorgestellt.

Diesmal ging es jedoch nicht nur um eine reine Lesung aus dem Werk, sondern hauptsächlich darum, einige Originalschauplätze des Amrum-Krimis zu besuchen und dabei im passenden Ambiente noch etwas tiefer in die Atmosphäre der Geschichte eintauchen zu können. „Es ist schön, dass diese Veranstaltung bei den Gästen so gut ankommt“, freut sich Autor Krischan Koch. Nach seiner Auffassung ist es auf dieser relativ kleinen überschaubaren Insel nahezu ideal, alle Schauplätze ganz bequem mit dem Fahrrad erreichen zu können. „Das weckt nicht nur das Interesse an der Geschichte sondern fördert auch den Wunsch auf Entdeckungstour zu gehen“.

Alle Schauplätze sind ganz bequem mit dem Fahrrad zu erreichen...

Alle Schauplätze sind ganz bequem mit dem Fahrrad zu erreichen...

Die kurzweilige, und sowohl spannende als auch lustige Geschichte handelt vom Kunststudenten Harry Oldenburg, der endlich etwas gegen die chronische Ebbe in seiner Kasse unternehmen will. Aus diesem Grund bricht er in das berühmte „Nolde Museum“ in Seebüll ein um dort vier Gemälde des Künstlers Emil Nolde zu entwenden. Nachdem er die Beute in einer Plastiktüte verpackt hat, flüchtet er anschließend nach Amrum, um dort auf der ruhigen Insel erst einmal unterzutauchen. Doch gerade hier in der herbstlichen Inselidylle sieht sich Harry Oldenburg bald von neugierigen Einheimischen und lästigen Touristen bedrängt. So schnell er die unbequemen Verfolger auch los wird, so schwierig gestaltet sich deren Entsorgung. Nach einiger Zeit wird ihm das Pflaster auf Amrum zu heiß. Bei einer dramatischen Flucht über die Inseln muss er eines der Gemälde zurücklassen. Nach einem Zeitsprung kehrt Oldenburg  erst achtzehn Jahre später nach Amrum zurück, um die Spur des wertvollen Nolde-Bildes wieder aufzunehmen.

Nach einer kurzen Einführung vor dem Haus des Gastes setzte sich die Gruppe per Rad in Bewegung. Auf dem Wirtschaftsweg, ungefähr auf halber Strecke zwischen Nebel und Norddorf und mit Blick auf das „Teehaus  Borg“ las er den Abschnitt über die spannende Verfolgungsjagd, bei der Oldenburg durch die Polizei über die Insel gejagt wird und dieser im Kofferraum seines Fluchtwagens um Haaresbreite entkommt. Auf der Aussichtsdüne in Norddorf folgte dann das Kapitel von der abenteuerlichen Überfahrt von Sylt nach Amrum mit dem Kutter von Harrys ehemaligem Kommilitonen „Kieso“ der bei einem schweren Sturm über Bord gespült wird und in den Fluten der tosenden Nordsee verschwindet. Harry hat dagegen Glück im Unglück und kann sich gerade noch an den Strand retten. Am der dritten und letzten Station wird auf der „Hüttmannwiese „ im Ortskern von Norddorf die sommerliche Atmosphäre in Norddorf während des Aufenthaltes von Harry Oldenburg und seiner Frau beschrieben.

Koch hat die volle Aufmerksamkeit seiner Zuhörer...

Koch hat die volle Aufmerksamkeit seiner Zuhörer...

Auch wenn die Geschichte von Harry Oldenburg und seinem großen Kunstraub frei erfunden und Ähnlichkeiten mit der Wirklichkeit und zu realen Personen eher zufällig sind, so gelingt es Krischan Koch durch seine zum Teil kabarettistische Darstellung der Menschen hier im Norden sehr gut, einen hohen Wiedererkennungswert zu erreichen. Darüber hinaus tragen auch die Schauplätze der Geschichte wie z.B. das „Teehaus Borg“, die Kultkneipe „Blaue Maus“ oder die Inselfähre „Uthlande“ zu einem großen Wiedererkennungseffekt beim Leser bei. Anders als in vielen anderen Kriminalromanen ist bei „Flucht übers Watt“ nicht der Kommissar sondern der Verbrecher der Held der Geschichte. Wer von Harry Oldenburg und seinen Abenteuern nicht genug bekommen kann, dem sei das Nachfolgewerk „Venedig sehen und stehlen“ empfohlen. Die Geschichte spielt in den achtzehn Jahren zwischen dem Kunstraub im „Nolde-Museum“ und der Rückkehr auf die Insel Amrum. Die Veranstaltung ging in der Norddorfer Buchhandlung „Quedens“ zu Ende, wo im Anschluss an die Lesung nicht nur die Bücher erworben sondern auch vom Autor persönlich signiert werden konnten.

Verantwortlich für diesen Artikel: Andreas Buzalla

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Über Peter Lückel

Peter Lückel wurde 1961 in Duisburg geboren und ist in Mülheim an der Ruhr und Essen-Kettwig aufgewachsen. Seine Affinität zum Wasser hat ihn schon immer an das Meer gezogen. 1983 konnte er dem Sog nicht mehr widerstehen und ist sozusagen nach Amrum ausgewandert. Heute arbeitet er als freier Grafiker auf der Insel, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Im Jahr 2000 hat er Amrum-News mit gegründet und ist dort Chefredakteur.
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