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15 Jahre nach der Pallas Havarie – immer noch ein Mahnmal für eine Katastrophe…(to)

Und immer noch lässt die Politik nachhaltige Präventivmaßnahmen vermissen.

Amrums Küste aus Sicht der Pallas...

Amrums Küste aus Sicht der Pallas...

Die Insel- und Hallig-Konferenz fordert die Umsetzung der Empfehlungen der Grobecker-Kommission auch heute noch ein. Seit der Strandung des Holzfrachters „Pallas“ am 29. Oktober 1998 auf der Position 54 Grad, 32,5 Minuten Nord, 8 Grad, 17,2 Minuten Ost südwestlich von der Insel Amrum bestehen die unermüdlichen Bestrebungen für mehr Sicherheit vor den Küsten zu sorgen.

In diesem Jahr jährt sich zum 15. Mal die Havarie der “Pallas” vor Amrum. Als ein denkwürdiges Mahnmal für das Produkt aus Unglück, unklarer Zuständigkeiten, Fehlentscheidungen und Politikum, thronen die Überreste vor der Küste Amrums.

Am 29. Oktober 1998 lief der etwa 150 Meter lange besatzungslose und brennende Holzfrachter knapp fünf Seemeilen südwestlich von Amrum auf eine Untiefe. Damit endeten vorerst die Bemühungen, das in dänischen Gewässern havarierte Frachtschiff in der tosenden See unter Kontrolle zu bringen.

Rettungsaktion per Hubschrauber...

Rettungsaktion per Hubschrauber...

Wittdüns Bürgermeister Jürgen Jungclaus erinnert sich trotz der vorangeschrittenen Zeit nur zu gut an die Momente, als die Insel zum Medienschauplatz wurde.

„Aus den Medien hatte ich erfahren, dass ein Holzfrachter nordwestlich von Esbjerg in Brand geraten war und bei der Rettungsaktion der Mannschaft ein Toter zu beklagen war. Die Mehrzweckschiffe des Bundes „Mellum“ und „Neuwerk“ wurden eingesetzt, um den auf die deutsche Küste zutreibenden Havaristen unter Kontrolle zu bringen“, weiß Jungclaus noch genau. Der Notfallschlepper „Oceanic“ konnte aufgrund eines anderen Einsatzes erst später in Richtung nordfriesische Küste in Marsch gesetzt werden.

Tosender Sturm, gerissene Schleppleinen, ein gekappter Anker und die nicht verfügbare Notschleppkompetenz hatten zur Folge, dass das mit Holz beladene Schiff eines italienischen Reeders in Sichtweite der Amrumer Küste strandete. „Ich bin auf den Leuchtturm gestiegen um etwas zu erkennen“, schildert Jungclaus. „Der Geruch von verbranntem Holz war am Strand allgegenwärtig und die große Hoffnung stieg in mir auf, dass diese Havarie gut ausgehen würde“.

54 Grad, 32,5 Minuten Nord, 8 Grad, 17,2 Minuten Ost

54 Grad, 32,5 Minuten Nord, 8 Grad, 17,2 Minuten Ost

Überdeutlich wurde in den darauf folgenden Wochen, dass es keine Behörde oder Institution gab, die entsprechende Kompetenzen bündelte und für alle weisungsbefugt war. Das völlig ausgeglühte Wrack scherte sich wenig um Freischleppversuche und ergab sich vielmehr seinem Schicksal und brach auseinander. Die Katastrophe für die Küsten war plötzlich greifbar. Obwohl es sich hier nicht um ein Tankschiff handelte, sondern “nur” um ein Frachtschiff mit trotzdem großen Mengen an Betriebsstoffen, die fortan in das sensible Ökosystem flossen und allein rund 15.000 Seevögeln den Tod brachten.

„Das Medieninteresse war unglaublich und ich kann den Amrumern nur meinen größten Respekt zollen, wie beispielhaft sie mit diesem Unglück umgingen“, bekräftigt der damalige Amtsvorsteher der Insel. Ungeachtet der eigenen familiären Verpflichtungen strömten schwerpunktmäßig die Feuerwehren der Insel an den Strand und versuchten bis zur völligen Erschöpfung das immer wieder anlandende Öl vom Strand abzusammeln. Ein regelrechtes Pressedorf entstand und Reporter waren auf den Straßen unterwegs, um etwas Neues zu erfahren und die Stimmung einzufangen.

Ein Behördenschiff ist längsseits gegangen um das Wrack zu inspizieren...

Ein Behördenschiff ist längsseits gegangen um das Wrack zu inspizieren...

Heute weiß man, dass alle Bemühungen dieses Stück missliche Geschichte vergessen zu lassen bis zum heutigen Tag gescheitert sind. Die folgenden millionenschweren Entsorgungs- und Sicherungsarbeiten vor Amrums Küste konnten nur bedingt den Havaristen unschädlich machen. Nach Abzug der holländischen Entsorgungsfirma tauchten später erneut „Ölvorkommen“ im Wrack auf. Wieder musste ein Unternehmen tätig werden und rund 70.000 Liter Öl aus den Bunkerhohlräumen saugen. „Für mich ist das ein klarer Nachweis, dass es vor 15 Jahren keinerlei Kontroll- und Weisungskompetenz für die Arbeiten gegeben hat“, beklagt der heutige Vorsitzende der Insel- und Hallig Konferenz Jürgen Jungclaus.

Die von der Landesregierung eingesetzte Untersuchungskommission erstellte einen umfassenden Bericht. Aus diesem gingen entsprechende Empfehlungen hervor, die die Bewältigung eines solch Vorfalls verbessern sollten. Allerdings wurden Kernpunkte der Empfehlungen der damals eingesetzten Grobecker-Kommission bis heute nicht umgesetzt, klagen die Mitglieder der Insel- und Halligkonferenz 15 Jahre danach unermüdlich an.

...und rund 70.000 Liter Öl aus den Bunkerhohlräumen saugen.

...und rund 70.000 Liter Öl aus den Bunkerhohlräumen saugen.

Ein wichtiger Baustein bei der Gefahrenabwehr auf See ist die Installation einer Nationalen sprich einer “Deutschen Küstenwache”, die Kompetenz übergreifend agieren kann, besagt der Untersuchungsbericht und davon sind die Mitglieder ebenfalls überzeugt.

Verschiedene Resolutionen wurden verfasst und an die Bundes- und Landesregierung übergeben. Die scheidende Bundesregierung hatte die Bildung einer nationalen Küstenwache sogar in ihrem Koalitionsvertrag festgelegt. Leider ohne Ergebnis. „Wir fangen bei der neuen Regierung wieder bei null an“, resümiert Jungclaus. Positiv sei zu sehen, dass in Cuxhaven das maritime Einsatzzentrum eingerichtet wurde und im Notfall das Havariekommando einberufen werden kann. Der Notfallschlepper „Oceanic“ wurde durch den derzeit wohl modernsten Notfallschlepper auf dem Markt „Nordic“ ersetzt. Und trotzdem ist die Nordflanke der deutschen Bucht nicht ausreichend mit Notschlepper Kompetenz abgedeckt, beschreibt Jungclaus ein mögliches Szenario bei Nordweststurm. „Bevor sich die „Nordic“ von ihrer Position vor Norderney vor unsere Küste gekämpft hat, könnte ein Havarist längst auf Grund gelaufen sein oder mit einer der vielen Windkraftanlagen vor unserer Küste kollidiert sein“. „Unglücke passieren immer wieder. Flugzeuge stürzen ab, Eisenbahnen verunglücken und Schiffe havarieren“, das ist der normale Lauf der Zeit. Wichtig ist, dass dann eine funktionierende Gefahrenabwehr die große Katastrophe verhindern hilft“, fasst Jungclaus zusammen.

Denn nach nunmehr fünfzehn Jahren gehört auf Amrum immer noch die Silhouette der Überreste der „Pallas“ zum Blick gen offene See. In Abständen werden noch Kontrollfahrten zum zwar stark abgeknickten aber ansonsten unbeeindruckt daliegenden, um die Aufbauten befreiten Wrack durchgeführt. Auch bei Flut unübersehbar thront somit ein Stück unrühmlicher Geschichte querab vom Rütergat auf anscheinend lehmigen Untergrund, der ein Versanden bisher verhindert hat.

Zumindest am Wrack der Pallas ist Ruhe eingekehrt...

Zumindest am Wrack der Pallas ist Ruhe eingekehrt...

Aktuelle Bilder des Wracks beweisen zwar, dass sich der Schiffsrumpf an Vorder- und Achterschiff weiter absenkt, doch ist auch gut die nahezu unveränderte Lage mittschiffs zu sehen. Der Vergleich mit Bildern von 2004 zeigt ferner auf, dass Teile der Bordwände im Maschinenraumbereich verschwunden sind. Wie die Außenstelle Amrum des Wasser- und Schifffahrtsamt Tönning bereits vor fünf Jahren auf Anfrage bestätigte, seien keine Demontagearbeiten durchgeführt worden. Vielmehr habe die Nordsee eine so immense Kraft im Wellenschlag bewiesen, dass sogar die 12 mm starken Stahlplatten wie eine Sardinenbüchse aufgerissen wurden. Von den ehemaligen Sicherungsmaßnahmen, tonnenschwere Granitsteine wurden in die Laderäume verbracht, ist schon lange, lange nichts mehr zu sehen.

Thomas Oelers

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Über Peter Lückel

Peter Lückel wurde 1961 in Duisburg geboren und ist in Mülheim an der Ruhr und Essen-Kettwig aufgewachsen. Seine Affinität zum Wasser hat ihn schon immer an das Meer gezogen. 1983 konnte er dem Sog nicht mehr widerstehen und ist sozusagen nach Amrum ausgewandert. Heute arbeitet er als freier Grafiker auf der Insel, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Im Jahr 2000 hat er Amrum-News mit gegründet und ist dort Chefredakteur.

Ein Kommentar

  1. Möge das Wrack noch lange dort thronen. Als Mahnmal und Erinnerung an unsere Politiker endlich zu handeln.

Amrumer Fotowettbewerb 2015