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Ein Besuch in der Vergangenheit…(tc)

In der vergangenen Woche informierten sich die Amrumer Zimmermänner Urs Bissegger, Thomas Schmidt und Volker Göpfert, der Reetdachdecker Christian Peters, die Vertreter des Öömrang Ferian Jens Quedens und Dr. Thomas Chrobock und der federführende Architekt Peter Heck-Schau als Vorbereitung auf den Bau des eisenzeitlichen Hauses im Archäologischen Areal an der Nebler Vogelkoje über die ca. 3000 Jahre alte historische Bauweise dieser Häuser.

Auswahl des geeigneten Baumaterials mit Förster Jörn Frank

Auswahl des geeigneten Baumaterials mit Förster Jörn Frank

Zuerst jedoch wurde ein Teil des zur Verfügung stehenden Baumaterials begutachtet. In einem Eichenforst bei Medelby (Nordfriesland) zeigte Revierförster Jörn Frank den Handwerkern das Rohmaterial für die Ständer- und Dachkonstruktion des Hauses: junge, gerade gewachsene Stiel-Eichen. Dieses Holz ist durch seine Härte und Haltbarkeit optimal geeignet für solch ein Vorhaben. Zudem kamen und kommen Stiel-Eichen natürlicherweise in der Region vor und haben auch den damaligen Bewohnern Amrums als Baumaterial gedient.

So ähnlich wird das Amrumer Haus aussehen

So ähnlich wird das Amrumer Haus aussehen

Danach ging es weiter zum eigentlichen Objekt der Begierde. Im dänischen Hjemsted Oldtidspark (www.hjemsted.dk/de/) bei Skaerbaek stehen einige Nachbauten historischer Häuser aus der Eisenzeit, und das Leben in der Eisenzeit kann hautnah nachempfunden werden. Ein an den Bauten beteiligter dänischer Handwerker zeigte den Amrumer Handwerkern die Details der Hauskonstruktionen und wies auf mögliche Schwierigkeiten hin. Einige der bereits in der Eisenzeit angewandten Baumethoden werden allerdings auch heute noch fast unverändert eingesetzt, so dass nicht alles „neu erfunden“ werden muss. Eine besondere Herausforderung jedoch ist das Bauen ohne moderne Materialien (z.B. Schrauben und Muttern), um die Holzstämme miteinander zu verbinden.

Amrumer Zimmermänner begutachten die Holzkonstruktion

Amrumer Zimmermänner begutachten die Holzkonstruktion

Die Handwerker haben aber bereits einige Detaillösungen im Kopf, die es beim Bau umzusetzen gilt, z.B. wie die heutzutage aus Sicherheitsgründen notwendigen Schrauben versteckt werden. Insgesamt zeigten sich Handwerker und Architekt beeindruckt von der stabilen Bauweise der Häuser. Auch die Innenausstattung der Häuser mit Lagerstätten, Feuerstellen, Werkzeugen und Gegenständen des täglichen Bedarfs wurde genauestens begutachtet, da auch das Amrumer Haus mit solchen Gegenständen eingerichtet wird.

Amrumer in der Eisenzeit: v.l. Dr. Thomas Chrobock (Öömrang Ferian), Urs Bissegger, Thomas Schmidt, Volker Göpfert (Zimmerer), Peter Heck-Schau (Architekt), Christian Peters (Reetdachdecker) und Jens Quedens (Öömrang Ferian).

Amrumer in der Eisenzeit: v.l. Dr. Thomas Chrobock (Öömrang Ferian), Urs Bissegger, Thomas Schmidt, Volker Göpfert (Zimmerer), Peter Heck-Schau (Architekt), Christian Peters (Reetdachdecker) und Jens Quedens (Öömrang Ferian).

Ausgestattet mit „neuem“ Wissen über historisches Bauen freuen sich die Amrumer Handwerker über diese nicht alltägliche Herausforderung. Die Bauarbeiten am eisenzeitlichen Haus werden noch in diesem Herbst beginnen. Zu Beginn der nächsten Saison wird das Haus fertig sein, und der Öömrang Ferian wird Insulanern und Gästen das Leben der früheren Amrumer mit Schautafeln und Führungen näher bringen.

Dr. Thomas Chrobock
Carl Zeiss Naturzentrum Amrum

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Über Peter Lückel

Peter Lückel wurde 1961 in Duisburg geboren und ist in Mülheim an der Ruhr und Essen-Kettwig aufgewachsen. Seine Affinität zum Wasser hat ihn schon immer an das Meer gezogen. 1983 konnte er dem Sog nicht mehr widerstehen und ist sozusagen nach Amrum ausgewandert. Heute arbeitet er als freier Grafiker auf der Insel, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Im Jahr 2000 hat er Amrum-News mit gegründet und ist dort Chefredakteur.
Amrumer Fotowettbewerb 2015