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Wie viel Sturmflut kann die Küste vor „Ban Horn“ noch vertragen?

Es ist gerade mal zwei Monate her, als die von Orkantief „Xaver“ aufgepeitschten Wassermassen der Nordsee über mehrere Hochwasser der sandigen Küste Amrums zusetzten und immense Schäden an den Dünen und dem Kniepsand anrichteten.

Extrem dünne Stelle in Höhe des Schullandheims "Ban Horn"

Extrem dünne Stelle in Höhe des Schullandheims “Ban Horn”

Und die dichte Abfolge von Tiefdruckgebieten, die derzeit vom Atlantik über Großbritannien Richtung Skandinavien ziehen, bescheren uns laut der Prognosen bereits am Wochenende den nächsten Sturm. Da stellt sich mit Blick auf die sandige Küste vor dem Schullandheim „Ban Horn“ (wir berichteten bereits mehrfach über die Problematik) die Frage, wie viel Sturm verträgt die angefressene Dünenbarriere noch, bevor die Wassermassen durchbrechen. Der direkt dahinter liegende Gebäudekomplex wäre dann vermeintlich der Gewalt der Nordsee ausgeliefert.

Der mit Maßnahmen des biotechnischen Küstenschutzes mühselig angesammelte Sandpuffer, der mit seinen Massen den natürlichen Schutz für die Dünen darstellen soll, wurde im Dezember in nur zwei Tagen abgeräumt. „Wir können ohne eine Vermessung des Landesbetrieb Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN), die regelmäßig mit Luftbildern die Veränderungen ermittelt, nicht beziffern, wie groß die Menge Sand ist, die abräumt wurde“, erklärt Norbert Gades vom Amt Föhr-Amrum. Er koordiniert für den Bereich Amrum die Mittel, die für den biotechnischen Küstenschutz eingesetzt werden. „Wir werden umgehen mit der Wiederanpflanzung, der weggerissenen „Laubbündel“ beginnen, um neue Sandpolster zu schaffen“, betont Gades.

Das LKN fährt Baukronen an den Strand...

Das LKN fährt Baukronen an den Strand…

Wie Norddorfs Bürgermeister Peter Koßmann auf der vergangenen Gemeindevertretersitzung erklärte, seien die Planungen, die gebeutelten Dünen am Strandabschnitt vor dem Landschulheim mit Geotextilsäcken zu stabilisieren, vom Tisch. Bei dieser Maßnahme sollten 3700 m³ Sand in den wasserdurchlässigen Spezialsäcken verfüllt, den Dünenfuß an dem Strandabschnitt Ban Horn stabilisieren. Das LKN favorisiere nun eine „sandige“ Lösung, bei der ebenfalls Sand von dem Kniepsand südlich der Badestelle entnommen wird und vor die Dünen weiter nördlich verbracht wird.

Wie der Pressesprecher Dr. Hendrik Brunckhorst des LKN in Husum bestätigte, wird seitens des Maßnahmeträgers (Amt Föhr Amrum / Gemeinde Norddorf) in Abstimmung mit allen zu Beteiligenden eine sandige Lösung angestrebt. Hierbei werden rund 20.000 m³ Sandmaterial zur Küstensicherung in den relevanten Bereich vor das Landschulheim „Ban Horn“ eingebracht. Die optimale Entnahmefläche wird zurzeit auf der Basis der naturschutzfachlichen Untersuchungen mit den Vertretern des behördlichen und verbandlichen Naturschutzes abgestimmt. Sie wird voraussichtlich rund 2 km südlich der geplanten Einbaustelle liegen.

Dabei ist zu beachten, dass der Sand des Kniepsandes einer nordöstlichen Verdriftung unterliegt. Somit wird durch diese Sicherungsmaßnahme lediglich eine Vorwegnahme der hydrodynamischen Prozesse bewirkt, die in wenigen Jahren den Kniepsand ohnehin wieder vor Abbruch schützend in den Bereich „Ban Horn“ verlagert hätten. Die Maßnahme ist als Sofortsicherungsmaßnahme geplant und soll daher schnellstmöglich erfolgen, teilt das LKN mit.

Relikte aus vergangenen Zeiten wurden freigespült...

Relikte aus vergangenen Zeiten wurden freigespült…

Diese Sichtweise vertritt auch Peter Koßmann, der die Wanderung des Kniepsandes gen Norden schon seit Jahren hoffnungsvoll beobachtet. „Wir müssen circa fünf bis acht Jahre überbrücken, bis der natürliche Schutz die Gewalt der Nordsee bricht. Das bringt zwar den Schutz für den Bereich Ban Horn, doch sollte sich die Geschichte wiederholen, bedeutet diese Verlagerung auch eine größere Bedrohung für die Amrumer Odde. Hier hatte es in den 1960 Jahren bei Sturmfluten mehrere Durchbrüche an den Dünen gegeben.

Derweil werden aus dem Amrumer Wald Baumkronen an den Strand gefahren, um den in Bewegung befindlichen Sand zu beruhigen, und an den angefressenen Dünensockeln anzuhäufen. „Mit dieser Maßnahme zur Sandberuhigung haben wir gute Erfahrung sammeln können“, beschreibt Koßmann die Sofortmaßnahme des LKN. Zumal der gewaltige Windbruch im Wald enorme Mengen an Baumkronen anfallen ließ.

Die verbrachten Sandmassen sollen laut einem Entwurf des beauftragten Ingenieur-Büros in Abstimmung mit dem LKN-SH, mit biotechnischen Küstenschutzmaßnahmen sichern beziehungsweise eine maximale Lagezeit im Sinne eines Gleichgewichtszustandes erreichen.

Für den Sandtransport werden Gespannarten gewählt, die einen möglichst schonenden und wirtschaftlichen Transport der Sandmassen ermöglichen.

Anmerkung:

Durch die Veränderungen im Strömungsverhalten kommt es selbst bei den sogenannten Kantenfluten zu enormen Sandverlusten. Sie kommen mit nicht einmal besonders bedrohlichen Wasserständen einher, doch durch die regelrechte Fräswirkung der Wellen geht Kubikmeter um Kubikmeter Sand verloren. Alte schon längst vergessen geglaubte Relikte werden von der Macht der Natur, durch den massiven Sandverlust im Bereich des Norddorfer Badestrandes bis hin zur Nordspitze freigespült.

 

 

 

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Über Thomas Oelers

Thomas Oelers wurde 1966 in Wittdün auf Amrum geboren - ein echtes Inselkind. Nach seiner Schul- und Ausbildungszeit entschied er sich auf der Insel zu bleiben. Heute arbeitet der Vater von 2 Kindern in einem Wittdüner Betrieb als Zentralheizungs- und Lüftungsbaumeister. Seit 2003 recherchiert und fotografiert er als freier Journalist akribisch im Amrum-News Team.
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