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Hanne-Lore Kerler – “Handwerkerin mit geistigem Überbau“…

Gerade feierte Dr. Hanne-Lore Kerler ihren 70. Geburtstag und schon steht erneut ein Jubiläum für Amrums Insel-Ärztin an: 35 Jahre auf Amrum – Heute auf den Tag  im Jahr 1979 verwarf Hanne-Lore Kerler damals ihre Pläne und stapfte in Gummistiefeln bei strömenden Regen in ihr neues Leben, ein Leben auf unserer kleinen Nordseeinsel. Wir gratulieren.

Grundsteinlegung zu ihrer Praxis in der Mittelstraße 39b. Mit dabei: Uwe Peters (mit Mütze) und rechts Mathias Theis als SWB-Berater - Foto. Rita Basty- Foto. Rita Basty

Grundsteinlegung zu ihrer Praxis in der Mittelstraße 39b. Mit dabei: Uwe Peters (mit Mütze) und rechts Mathias Theis als SWB-Berater – Foto. Rita Basty

Ihren runden Geburtstag wollte Hanne-Lore Kerler nur mit ein paar Freunden in der Blauen Maus feiern. Eigentlich. Doch schon früh am Abend zeichnete sich ein generationenübergreifendes Fest ab, von dem heute noch gesprochen wird. Im Mittelpunkt zu stehen ist Hanne-Lore Kerler eigentlich nicht besonders lieb – doch ausgerechnet die pensionierte Insel-Ärztin wurde vor ein paar Jahren zur Ehrenbürgerin Wittdüns ernannt. In Hanne-Lore Kerlers Leben hätte so einiges anders kommen können. Eigentlich wollte die Pfälzerin ja nur für ein paar Jahre nach Amrum.

Gelbe Post-it’s mit Telefonnummern kleben an Medizin-Schränken, unzählige Globuli-Fläschchen  stehen neben Spritzen und Pflastern, sogar ein I Pad liegt parat. Bücher über Bücher, sie füllen Regale, Tische und Fensterbänke, stapeln sich mit Fachzeitschriften hier und da. „Ja, ich dachte ich könnte in der Rente richtig loslegen, alles lesen“, sagt die zierliche Frau und lächelt fast schüchtern und irgendwie sanft, mehr in sich hinein. „Doch dann merkte ich, dass ich eher ein Mensch bin, der blättert, sich das Nötige, Interessante herauspickt.“

Die dicken Homöopathie-Wälzer stehen neben der “Rote Liste“, diese zufällige Anordnung scheint Hanne-Lore Kerlers Person und Wirken vielleicht am ehesten zu verdeutlichen. Ein Leben als Schulmedizinerin, welches heute mehr und mehr mit Naturheilkunde ineinander fließt, jetzt, wo sie nicht mehr jeden Tag Schürfwunden, Badeunfälle oder Kreislaufbeschwerden verarzten muss. „Ich komme gerade von Sri Lanka“, erzählt Kerler und winkt ab, „nein, diesmal ging es nicht um einen Kongress über alternative Heilmethoden, ein Urlaub nur.

Wie man sie kennt... Hannelore Kerler in ihrer Praxis

Wie man sie kennt… Hannelore Kerler in ihrer Praxis

Hanne-Lore Kerler ist gerade 70 Jahre alt geworden, aber an Aufhören denkt sie nicht. Im Gegenteil. „Wenn der Rücken wieder mitspielt“, sagt sie lebenshungrig, gelte es noch einen Plan zu verwirklichen, einen Wurf zu machen. In Kenia, in Sri Lanka oder auf Amrum. Schließlich hat sie schon einmal alles über Bord geworfen, einen Neuanfang gemacht. Hier auf Amrum. Hanne-Lore Kerler war damals Oberärztin in der Gynäkologie des St. Joseph Hospitals in Bremerhaven, als sie sich zu einer Zäsur entschied. Es war das Jahr 1978. „Eigentlich wäre ich lieber Chirurgin geworden“, sagt sie rückblickend. „Doch damals“, so erzählt sie, „war es keinesfalls selbstverständlich, dass eine Frau überhaupt Ärztin im operativen Fach wurde. Da war der Beruf der Gynäkologin noch am naheliegensten und für die Praxis Geburtshilfe wichtig“, sagt sie und ergänzt „Ich war schon immer eine Handwerkerin mit geistigem Überbau“, eine Frau die anpacken wollte. Und es auch tat.

Die damals 35-jährige kündigte von heute auf morgen diesen Traumjob mit Aussicht auf Höheres, nein ursprünglich nicht, um auf Amrum Insel-Ärztin zu werden. Für eine Weltreise. Der Zufall wollte es anders. Ein Arzt auf Amrum, so sagte man ihr damals, ‚sei schon 65 Jahre alt, der andere über 80 und der Dritte sei soeben abgehauen’. Ob sie sich nicht vorstellen könnte, hier Fuß zu fassen, wurde die engagierte Frauenärztin gefragt. Sie konnte. „Es war diese wunderschöne Insel und ihre besonderen Gäste“, gesteht Kerler und schwärmt von besonderen Begegnungen mit besonderen Menschen auf Amrum, mit Künstlern und inspirativen Gesprächen, die sie letztlich hier bleiben ließ. „Ich bin schon immer viel gereist, habe viel gesucht“, sinniert sie, „aber nirgendwo habe ich so Vieles von dem gefunden wie auf Amrum.“ Ihr Haus in Wittdün erzählt davon. Hunderte Postkarten, Briefe und Kinderzeichnungen, die sie liebevoll an die Wände gepinnt hat, machen ihr Verhältnis zu ihren Patienten und ihre Reiselust deutlich.

Ein paar Zusatzausbildungen später hatte im Jahr 1979 Amrum dann seine erste weibliche Insel-Ärztin. „Ich feile heute noch gerne an der Diagnose“, sagt Hanne-Lore Kerler mit leuchtenden Augen und erwähnt in einem Atemzug Alternative Heilmedizin, Paramedizin und Naturheilverfahren, die sie ineinander fließen lässt, wenn das Windspiel an der Tür klingelt und damit den nächsten Patienten ankündigt.

Sabine Hölck für Amrum-News

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2 Kommentare

  1. Auch aus Berlin die besten Wünsche für diese wunderbare Frau! Wir selbst sind nun schon mehr als 40Jahre “halbe” Amrumer und wurden bei Bedarf schon von dem legendären Inselarzt Dr.Ide betreut. So eine Ärztin wie Frau Dr.Kerler gibt`s kaum ein zweites Mal ! Stets war sie zur Stelle, wenn wir oder unsere Kinder mal ein “Wehwehchen” hatten ! Wir sagen nochmals “DANKE” und hoffen und wünschen, daß sich alle Pläne dieser Frau realisieren lassen. Ursula und Bernd Wüstenberg

  2. Und noch einen Glückwunsch aus Berlin. Auch ich bin seit 35 Jahren Stammgast in Wittdün und einmal hat mir Frau Dr. Kerler nahezu das Leben gerettet als ich vor einigen Jahren einen Allergieschock bekam. Durch ihre schnelle Hilfe verlief das ganze zum Glück am Ende glimflich. Ich sage auch danke wünsche Ihnen von ganzem Herzen alles Gute.

    MfG
    Herbert Vogt

    Berlin-Kreuzberg

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