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Eingeweiht: Tolle Lammtage auf dem neuen Dorfmittelpunkt Norddorfs…

Norddorfs Bürgermeister Peter Kossmann hatte die Amrumer Lammtage am letzten Samstag noch nicht offiziell eröffnet, da war schon klar, wer die Stars der nächsten Stunden sein würden: Die zwölf Mutterschafe von Heiko Bötel nebst süßester Lämmer waren schon vormittags so dicht belagert, dass Scherer Ingwer Abraham seine liebe Mühe hatte, zu den Tieren durchzudringen.

Noch im Fell...

Noch im Fell…

Das aber musste der Tönninger, weil regelmäßig eins der Schafe zu scheren war, damit die Lammtage-Gäste beim Anblick der Fellknäuel rätseln konnten, wie viel Haar denn wohl Ellinor (Elli) lässt, wenn sie als letzte des Tages unter das Schermesser kommt. Die vier Jahre alte Schaflady war durch einen blauen Farbfleck auf dem Rücken gekennzeichnet und freute sich wie alle anderen Tiere über die vielen kraulenden Hände. „3000 bis 5000 Gramm Wolle geben Schafe durchschnittlich ab“, verriet Abraham und stachelte damit die Schätzwut an. Die Lose kosteten ein Euro, gespendet wurde zugunsten des Amrumer Waldes und zu gewinnen gab es ein schönes Wochenende im Romantik Hotel Hüttmann und sehr, sehr weiche Schaffelle.

Wenn es drauf ankommt, braucht Ingwer Abraham 3 Minuten für eine Schafschur. Aber bei den Lammtagen ließ er sich Zeit

Wenn es drauf ankommt, braucht Ingwer Abraham 3 Minuten für eine Schafschur. Aber bei den Lammtagen ließ er sich Zeit

 

Nebenan konzentrierte sich Rita Zemke aus Süddorf ganz auf ihr Spinnrad, Die ehemalige Lehrerin der Öörang Skuul darf sich bei Schafhalter Bötel immer so viel Wolle holen, wie sie mag. Das Garn, dass sie daraus spinnt, verstrickt sie selbst oder verkauft es an Freunde.

Die ehemalige Lehrerin Rita Zemke hat bei einem Waldorfseminar Spinnen als Hobby entdeckt

Die ehemalige Lehrerin Rita Zemke hat bei einem Waldorfseminar Spinnen als Hobby entdeckt

Die eigentlich immer lange Menschenschlange vor dem Hüttmannschen Lammspieß-Gourmetzelt wurde tatsächlich abrupt kürzer, als die schweren Jungs aus Föhr mit ihren alten Treckern anrollten. Ein toller Anblick sind diese gepflegten Riesenmaschinen und ein äußerst würdevolles Fotomotiv für Lammkönigin Kerstin Carstensen. Die 19-Jährige aus Galmsbüll, die mit Schafen groß wurde und jetzt Tourismus-Kauffrau lernt, entschied sich – ganz im Sinne einer ausgewogenen Fremdenverkehrsstruktur – für den 51 Jahre alten Schweizer Hürlimann Trecker von Momme Carstensen aus Midlum. Der strahlte und zählte auf: „4 Zylinder, 45 PS, 23 km/h . Und das Rot ist RAL 2001.“ 25.000 Euro hat er im letzten Jahr dafür bezahlt. Nicht so teuer ist Martin Sönnichsens Lanz Bulldog von 1956. Dafür aber der beliebteste Trecker der Deutschen. Kurzum: Die Gefährte waren alle toll und ihre Führer hatten alle schöne Geschichten zu erzählen.

Hürlimann-Besitzer Momme Carstensen, Lammkönigin Kerstin Carstensen und Schafscherer Ingwer Abraham mit einem Lamm ohne Namen

Hürlimann-Besitzer Momme Carstensen, Lammkönigin Kerstin Carstensen und Schafscherer Ingwer Abraham mit einem Lamm ohne Namen

Als nachmittags die Amrumer Trachtengruppe alle Blicke auf sich zog, konnte man auch den Stolz in einigen Elternaugen erkennen, weil der Nachwuchs in schönster Sonntags(!)-Tracht tanzen ging: zu Fischerpolka, Hedlinger Bandritter, Sonderburger Doppelachter, Holsteiner Dreitour und Langer Reihe. Ute, Marie, Laura, Christina, Friederike, Vivien, Martina und Jugendgruppenleiterin Eike Paulsen wirbelten über das Gras, wettermäßig zwischen Wolken und Sonne, dafür so herzerfrischend, dass sich der Kreis um sie immer enger zog.

Die Amrumer Trachtengruppe bekam viel Applaus für ihre schönen Tänze in schöner alter Tracht

Die Amrumer Trachtengruppe bekam viel Applaus für ihre schönen Tänze in schöner alter Tracht

 

Als die Sonne dann ohnehin schlief, drehte Crazy Horst richtig auf. Die Amrumer Band machte Straßenmusik für drinnen auf der Wiese draußen. Beste Stimmung auf dem neuen Dorfmittelpunkt! Waren wieder schöne Lammtage. Und Schaf Elli schlief diese Nacht nackig. Mit genau 3780 Gramm Wolle weniger. Herzlichen Glückwunsch dem glücklichen Hüttmann-Wochenend-Gewinner!

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Über Undine Bischoff

Journalistin und Texterin. Fuhr mit drei Jahren zum ersten Mal über den Kniep – in einer Schubkarre. Weil ihr Vater da draußen eine Holzhütte baute, zwanzig Feriensommerjahre lang. Betextet Webseiten und Kataloge, schreibt für verschiedene Medien und natürlich für Amrum News.
Amrumer Fotowettbewerb 2015