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Ein besonderer Fund am Kniepsand…

Einen besonderen Fund machten Mitarbeiter des Carl Zeiss Naturzentrums Amrum am Norddorfer Strand. Dem Hinweis eines Gastes folgend, entdeckten sie einen toten Schweinswal. Das Tier wurde dann durch den Amrumer Seehundjäger Kai Michael Prellwitz-Paulsen geborgen und untersucht. Es handelte sich um ein etwa 1,70m langes männliches Tier im Alter von ca. 8 Jahren. Über die Todesursache kann nur gemutmaßt werden, das Tier hatte aber eine Kopfwunde. Ob diese ursächlich für den Tod war oder erst später entstand, ist unbekannt.

Der Amrumer Seehundjäger Kai Michael Prellwitz-Paulsen untersucht das Tier und informiert Besucher

Der Amrumer Seehundjäger Kai Michael Prellwitz-Paulsen untersucht das Tier und informiert Besucher

Die auch in der Nordsee heimischen Gewöhnlichen Schweinswale  (Phocoena phocoena) gehören, wie die nah verwandten Delfine, zu den Zahnwalen. Sie sind die kleinsten Zahnwale und werden bis zu 1,90m groß und ca. 50-60kg schwer. Sie leben in den Küstengebieten des Nordatlantiks, Nordpazifiks und des Schwarzen Meeres und ernähren sich von Fischen, Krebsen und Tintenfischen. Dieser werden während des etwa 6-minütigen Tauchens in bis zu 80m Tiefe gejagt. Sie leben meist in kleinen Gruppen bis 8 Tieren, es können aber auch gelegentlich, besonders zur Geburtszeit, größere Gruppen auftreten. Die Tiere werden durchschnittlich 10 Jahre alt und sind ab etwa 4 Jahren geschlechtsreif. Die Jungtiere sind bei der Geburt etwa 70cm lang und wiegen ca. 6kg. Sie werden ungefähr 8 Monate gesäugt, fressen aber bereits ab 5 Monaten selbstständig.

Der Bestand der Schweinswale in der Nordsee wird momentan auf etwa 230000 Tiere geschätzt, doch ersticken jedes Jahr mindestens 7000 Tiere in Fischernetzen. Um diese Tiere zu schützen wurde u.a. im Jahr 1999 vor Amrum und Sylt das einzige deutsche Walschutzgebiet ausgewiesen. Untersuchungen ergaben, dass in diesem Gebiet auffallend viele Schweinswale leben, und der Schutz dieses Gebietes somit gerechtfertigt ist. Die Schweinswale werden nicht nur durch Fischernetze bedroht, auch Nahrungsmangel, Wassererwärmung, -verschmutzung und Bautätigkeiten durch Windparks können ihren Fortbestand gefährden.

Eine Silbermöwe hatte bereits Besitzansprüche

Eine Silbermöwe hatte bereits Besitzansprüche

Der auf Amrum gefundene Schweinswal wurde im Carl Zeiss Naturzentrum sichergestellt. Das Skelett des Tieres soll präpariert und in der naturkundlichen Ausstellung gezeigt werden. Da die fachgerechte Präparation des Skelettes nicht ganz billig ist, sucht das Carl Zeiss Naturzentrum des Öömrang Ferian Paten und Spender, die dieses Projekt unterstützen möchten. Spenden können auf das Konto des Öömrang Ferian, IBAN DE64 2179 1906 0020 1053 25, Stichwort: „Wal-Spende“ erfolgen. Weitere Informationen erhalten Sie im Carl Zeiss Naturzentrum Amrum (www.naturzentrum-amrum.de, Tel.: 04682/1635).

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Über Thomas Chrobock

Dr. Thomas Chrobock hat Biologie an der Universität Potsdam studiert. Danach folgte die Promotion an der Universität Bern (Schweiz) im Fachgebiet Pflanzenökologie. Seit Sommer 2012 ist er der Leiter des Carl Zeiss Naturzentrums Amrum des Öömrang Ferian i.f. in Norddorf auf Amrum.

2 Kommentare

  1. herr chrobock,
    ihr bericht über die schweinswale ist unseriös und sie benutzen falsche daten.
    sie sprechen von 7000 ertrunkenen schweinswalen durch treibnetzte! diese zahl ist erfunden.
    nach rücksprache mit der nationalpark-verwaltung wurde ich auf die letzte untersuchung verwiesen, die 15 jahre alt ist!
    die besagt, daß durch treibnetze jährlich 5800 tiere ertrinken. die aktuellen aktivitäten mit treibnetzen sind in den letzten 15 jahren in der nordsee um mindestens 60% zurückgegangen. eine aktuelle untersuchung von ertrunkenen schweinswalen gibt es nicht. man schätzt den derzeitigen bestand in der deutschen bucht auf 55000 schweinswale, tendenz steigend. schutzgebiete und eu-fangmanagment schreiben eine erfogsgeschichte für naturschutz und fischbestände. hören sie auf die fischerei zu deformieren, denn das ist ein ehrliches und ordentliches handwerk. ich bitte sie, berichten sie in zukunft seriös und wahrheitsgemäß.
    andreas thaden, fischer, amrum

  2. Dr. Thomas Chrobock

    Sehr geehrter Herr Thaden,

    vielen Dank für Ihren Kommentar.
    In diesem beschweren Sie sich über eine unseriöse und falsche Darstellung.
    Allerdings bezieht sich Ihr Kommentar auf nur einen einzigen Satz, der Schätzwerte zum Schweinswalbestand und zur Anzahl der durch Fischereiaktivitäten getöteten Schweinswale beinhaltet. Richtig ist, dass es leider keine top-aktuellen Zahlen zu diesen Werten gibt. Wie aus mehreren Quellen zu erfahren ist (z.B. Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, WWF, BUND), bezieht sich die Zahl von ca. 7000 in Fischernetzen verendeten Schweinswalen ausschließlich auf die dänische Fischerei, insgesamt wird diese Zahl demzufolge wohl noch etwas höher sein. Auch hier auf Amrum finden wir jedes Jahr Schweinswale, die in Fischernetzen verendet sind.
    Ich weise hiermit Ihre Unterstellung der unseriösen und nicht wahrheitsgemäßen Darstellung entschieden zurück.

    Mit freundlichen Grüßen

    Dr. Thomas Chrobock

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