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Bei 2.006 Einsätzen 749 Menschen aus Seenot gerettet und Gefahr befreit

„Bootschafter“ Klaus Lage präsentiert Seenotretter-Song „Volle Kraft voraus“

In den ersten zehn Monaten des Jahres 2014 sind die Seenotretter 2.006 Mal im Einsatz gewesen (Januar bis Oktober 2013: 1.937 Einsätze). Die Besatzungen der Deutschen Gesell­schaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) haben dabei 749 Menschen aus Seenot gerettet oder Gefahr befreit (Januar bis Oktober 2013: 701). Die Seenotretter stehen vor einem besonderen Jubiläum: Im kommenden Jahr wird die DGzRS 150 Jahre alt. „Bootschafter“ Klaus Lage stellte am 6. November 2014 in Bremen seinen nagelneuen Seenotretter-Song „Volle Kraft voraus“ vor.

Musiker Klaus Lage (r.), Seenotretter-„Bootschafter“ 2014, übergibt das Ruder an die beiden Vertreter der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen Hans Otto (l.), Leiter Künstlerisches Management, und Ulrich König, Musiker und Mitglied des Orchestervorstandes

Musiker Klaus Lage (r.), Seenotretter-„Bootschafter“ 2014, übergibt das Ruder an die beiden Vertreter der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen Hans Otto (l.), Leiter Künstlerisches Management, und Ulrich König, Musiker und Mitglied des Orchestervorstandes

Von Januar bis Oktober 2014 haben die Besatzungen der 60 Seenotkreuzer und Seenotrettungs­boote in Nord- und Ostsee

• 45 Menschen aus Seenot gerettet,
• 704 Menschen aus drohender Gefahr befreit,
• 344 Mal erkrankte oder verletzte Menschen von Seeschiffen, Inseln oder Halligen
zum Festland transportiert,
• 58 Schiffe und Boote vor dem Totalverlust bewahrt,
• 942 Hilfeleistungen für Wasserfahrzeuge aller Art erbracht sowie
• 532 Einsatzanläufe und Sicherungsfahrten absolviert.

In vielen Fällen griffen die Seenotretter frühzeitig ein und begrenzten so Schäden bereits im Vorfeld. Zudem sind sie 2.526 Mal in ihren Revieren zwischen Borkum im Westen und Ueckermünde im Osten auf Kontrollfahrt gegangen. Seit ihrer Gründung am 29. Mai 1865 hat die DGzRS bis Ende Oktober 2014 insgesamt 81.665 Menschen aus Seenot gerettet oder Gefahren­situationen auf See befreit.

Die Einsatzzahlen verteilen sich auf die einzelnen Küsten wie folgt:

Niedersächsische Nordseeküste
Die Besatzungen der an der niedersächsischen Küste stationierten Seenotkreuzer und Seenot­rettungsboote haben bei 530 (Januar bis Oktober 2013: 543) Einsätzen zwölf (zwei) Menschen aus Seenot gerettet und 101 (94) weitere aus Gefahrensituationen befreit.

Schleswig-Holsteinische Nordseeküste
Die Stationen an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste registrierten 224 (Januar bis Oktober 2013: 251) Einsätze. Die dortigen Mannschaften retteten zwei (elf) Menschen aus Seenot und befreiten weitere 36 (68) aus Gefahrensituationen.

Schleswig-Holsteinische Ostseeküste
An der Ostseeküste Schleswig-Holsteins waren die Seenotretter 763 (Januar bis Oktober 2013: 667) Mal im Einsatz. Sie retteten 21 (27) Menschen aus Seenot und befreiten weitere 304 (216) aus Gefahrensituationen.

Mecklenburg-Vorpommersche Ostseeküste
In Mecklenburg-Vorpommern waren die DGzRS-Rettungseinheiten zu 489 (Januar bis Oktober 2013: 476) Einsatzfahrten unterwegs. Ihre Besatzungen retteten zehn (20) Menschen aus Seenot und befreiten weitere 263 (263) aus Gefahrensituationen.

In den Bordtagebüchern geblättert
Zu den herausragenden Einsätzen der ersten zehn Monate des Jahres 2014 gehört die Rettung dreier Fischer von ihrem gekenterten 15-Meter-Kutter durch den Seenotkreuzer HERMANN HELMS in der Elbmündung vor Cuxhaven am 29. April.

Bereits am 21. März rettete die Besatzung des Bremerhavener Seenotkreuzers HERMANN RUDOLF MEYER eine Frau, die offenbar vom Nordenhamer Fähranleger in die Weser gestürzt war. Ohne Schutzkleidung und bei nur acht Grad Wassertemperatur erfolgte die Rettung buchstäblich in letzter Minute.

In der Nacht zum 20. Mai verletzte eine große Stichflamme aus dem Krabbenkutter zwei Fischer an Bord eines Kutters südwestlich von Amrumschwer. Der Seenotkreuzer VORMANN LEISS nahm einen Notarzt an Bord und barg die Männer ab. Der Landrettungsdienst brachte sie in eine Spezialklinik.

Dramatisch war auch die Situation am 18. Juni vor Kühlungsborn. Was wie Routine begann, entwickelte sich plötzlich zur Lebensgefahr für drei Angler auf der Ostsee. Mit Maschinenausfall hatten sich die drei orientierungslos bei den Seenotrettern gemeldet. Die Freiwilligen-Besatzung des Seenotrettungsbootes KONRAD-OTTO fand ihr Boot just in dem Moment, als es plötzlich über das Heck absackte und sank.

Besonders arbeitsreich war das zweite Augustwochenende für die Seenotretter. Knapp 70 Mal waren die Besatzungen der DGzRS für rund 130 Menschen auf Nord- und Ostsee im Einsatz. Allein die freiwilligen Seenotretter der Station Timmendorf/Poel zählten am Samstag sechs Einsätze innerhalb von acht Stunden.

Die große Erfahrung und ausgeprägte Revierkenntnis der Wangerooger freiwilligen Seenotretter verdankt ein Jollensegler sein Leben. Am 12. September sank sein Boot vor dem Westende der Insel. Die starke Strömung zwischen den Inseln hatte den Schiffbrüchigen bereits auf die offene Nordsee hinausgezogen, als die Besatzung des Seenotrettungsbootes WILMA SIKORSKI ihn fand.

Gleich zwei Mal waren die Seenotretter in diesem Jahr für verirrte Rehe im Einsatz: Am langen Himmelfahrtswochenende rettete die Besatzung des Norderneyer Seenotkreuzers BERNHARD GRUBEN ein Reh aus dem Wattenmeer. Am 14. Oktober wiederum befreiten die GrömitzerSeenotretter einen jungen Rehbock mit see- und waidmännischem Sachverstand aus seiner ausweglosen Lage.

Eine der umfangreichsten SAR-Maßnahmen (SAR = Search and Rescue, Suche und Rettung) der ersten zehn Monate des Jahres 2014 war die Suche nach einem vermissten Fischer vor Lippe/Weißenhaus in der Hohwachter Bucht am 2. August. Trotz intensiver Suche mit vier Rettungseinheiten der DGzRS, Behördenschiffen und mehreren Hubschraubern konnte der Mann nicht mehr lebend gefunden werden.

6. November 1854: Vor 160 Jahren strandete die „Johanne“ vor Spiekeroog
Die Seenotretter stellten ihre jüngsten Einsatzzahlen am 6. November 2014 der Öffentlichkeit vor – auf den Tag genau 160 Jahre nach der Strandung des Auswandererschiffes „Johanne“ vor Spiekeroog. Am 6. November 1854 ertranken beim Schiffbruch dieser Bark 84 Menschen in der tosenden See. Weil es an Rettungsmitteln fehlte, mussten die Inselbewohner tatenlos dabei zusehen. Erst bei Ebbe konnten sie die überlebenden Schiffbrüchigen retten und die Toten bergen.

Der Untergang der „Johanne“ war eines der schwersten Schiffsunglücke jener Jahre an den deutschen Küsten. Er löste im ganzen Land Trauer und Entsetzen aus. Das Unglück wurde zum entscheidenden Anstoß für den Ruf nach einem organisierten Seenotrettungswerk mit ständig einsatzbereiten Stationen entlang der Küste und auf den Inseln. Zehneinhalb Jahre später, am 29. Mai 1865, vor beinahe 150 Jahren, mündeten diese Bemühungen in die Gründung der DGzRS.

Neuer ehrenamtlicher „Bootschafter“ 2015
Wesentliche Unterstützung erfuhren die Seenotretter in den vergangenen Monaten durch ihren diesjährigen ehrenamtlichen „Bootschafter“, den Musiker Klaus Lage. Er hat mit großem Engagement die Arbeit der DGzRS begleitet – und ihren Besatzungen ein Lied gewidmet: Der Seenotretter-Song „Volle Kraft voraus“ geht sofort ins Ohr. Aus dem Songtext spricht Klaus Lages Bewunderung für die nicht selten gefahrvolle Arbeit der Rettungsmänner und -frauen. Das Lied ist auf einer CD mit Audiotrack und zwei Musikvideos im Seenotretter-Shop zum Preis von zehn Euro erhältlich (www.seenotretter-shop.de, nicht im Handel).

Seenotretter-„Bootschafter“ im Jubiläumsjahr 2015 wird die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen unter ihrem künstlerischen Leiter, dem estnisch-amerikanischen Dirigenten und Grammypreisträger Paavo Järvi. Musikkritiker und Konzertbesucher sind sich einig in ihrem enthusiastischen Urteil über das Orchester, das mit seinem außerordentlichen Klang weltweit Begeisterung auslöst. Am Abend des 150. Geburtstags der DGzRS, dem 29. Mai 2015, wird die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen das Jubiläumskonzert der Seenotretter in der „Glocke“ in Bremen spielen.

Aus der Rettungsflotte
Zwei neue Rettungseinheiten sind im zu Ende gehenden Jahr auf Kiel gelegt worden. Sie werden im Jubiläumsjahr 2015 getauft und in Dienst gestellt. Auf der Werft Tamsen Maritim in Rostock entsteht – als erster Neubau in Mecklenburg-Vorpommern seit der Wiedervereinigung – die 20. Einheit der bewährten 9,5-/10,1-Meter-Klasse für eine noch unbestimmte Freiwilligen-Station. Die Taufe ist für den 150. Geburtstag der DGzRS, den 29. Mai 2015, auf dem Bremer Marktplatz vorgesehen – in Anwesenheit des Schirmherrn der DGzRS, des Bundespräsidenten Joachim Gauck.

Neben dem Neubau soll dann ein historisches Ruderrettungsboot auf Ablaufwagen mit Pferde­vorspann auf dem Markt zu sehen sein. Der Gegensatz der beiden Boote steht für die Entwick­lung der Technik in 150 Jahren. Geblieben ist jedoch die freiwillige Bereitschaft der Besatzungen zum mutigen Einsatz bei jedem Wetter, rund um die Uhr. Ohne dies wäre die Arbeit der DGzRS auch heute nicht vorstellbar.

Auf der Werft Fr. Fassmer in Berne an der Unterweser wiederum entsteht das Typschiff einer völlig neuen 28-Meter-Klasse. Diese neuen Seenotkreuzer sind als leistungsfähige Nachfolger der 27,5-Meter-Einheiten vorgesehen. Der erste dieser Seenotkreuzer ist für die Station Amrum bestimmt und soll am 30. Mai 2015 in Bremerhaven getauft werden. Auf der Jubiläumswebsite www.150-jahre-seenotretter.de bittet die DGzRS um Spenden für diesen ganz besonderen Neubau. Dort gibt es ein Werft-Tagebuch mit 3D-Grafiken, Bildern und Videos vom Bau.

Wie alle Rettungseinheiten der DGzRS werden die neuen Schiffe im bewährten Netzspantensystem vollständig aus Aluminium gebaut, als Selbstaufrichter konstruiert und ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen finanziert.

150 Jahre DGzRS – „Woche der Seenotretter“ 2015
Intensiv bereiten sich die Seenotretter auf das 150-jährige Bestehen der DGzRS vor. Höhepunkte werden neben den beiden Taufen ein Festakt im Bremer Rathaus am 29. Mai 2015 sowie eine sich anschließende „Woche der Seenotretter“ in Bremerhaven sein. Dort finden zeitgleich eine Messe für maritime Sicherheit sowie Konferenz und Kongress der International Maritime Rescue Federation (IMRF) statt.

Bereits am 30. und 31. Mai werden zu diesem Forum des internationalen Zusammenschlusses der Seenotrettungsdienste weltweit zahlreiche Rettungsboote aus vielen Ländern in Bremer­haven zu besichtigen sein. Für den 30. Mai ist zudem eine spektakuläre Schiffsparade auf der Weser geplant.

In der Unteren Rathaushalle in Bremen wiederum wird vom 13. Mai bis 21. Juni 2015, täglich 10 bis 18 Uhr, eine große Sonderausstellung der Seenotretter zu sehen sein. Der Eintritt ist frei.

Viele Menschen verbinden mit den Seenotrettern eigene Erfahrungen, Erinnerungen, besondere Momente und Emotionen. Auf www.150-jahre-seenotretter.de ist Platz für persönliche Geschichten der Freunde und Förderer der DGzRS. Auch einige prominente Wegbegleiter der Seenotretter sind dort bereits mit ihren Gedanken vertreten. Die Geschichtensammlung wird nach und nach wachsen.

25 Jahre wieder in Mecklenburg-Vorpommern
In Mecklenburg-Vorpommern begeht die DGzRS 2015 ein weiteres Jubiläum: 25 Jahre zuvor kehrte sie auf ihre angestammten Stationen zwischen Poel und Ueckermünde zurück. Der Zusammenschluss der Seenotretter aus Ost und West gilt als eine der gelungensten Aktionen der Wiedervereinigung.

Innerhalb weniger Jahre glich die DGzRS seinerzeit den dortigen Rettungsdienst an den gewohnt hohen technischen Standard in der Deutschen Bucht und der Westlichen Ostsee an. Größter Gewinn waren seinerzeit die erfahrenen und revierkundigen Seenotretter aus dem Osten Deutschlands, die seither ihren Dienst unter der Flagge mit dem roten Hansekreuz fortführen.

Seenotretter hoffen zum Jahresende auf Spendenbereitschaft der Bevölkerung
Hinsichtlich des Sammlungserlöses hofft die DGzRS zum Jahreswechsel auf die Spendenbereit­schaft der Bevölkerung, um ein ähnliches Ergebnis zu erzielen wie im Jahr 2013 (21,02 Mio. Euro). Seit Mitte Oktober wendet sich das Seenotrettungswerk wieder verstärkt an die Öffent­lichkeit, um über seine Arbeit zu informieren, die Menschen im ganzen Land um Unterstützung zu bitten und weitere Förderer für die DGzRS zu gewinnen, deren Arbeit ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen getragen wird und die deshalb auf die Unterstützung der breiten Bevölkerung angewiesen ist.

In diesen Wochen hängen rund 5.000 Plakate an publikumsintensiven Plätzen in etwa 140 Städten – mietfrei für die Seenotretter. Die Flächen für die großformatigen Bilder, die in diesem Jahr Gesichter freiwilliger Seenotretter der Stationen Juist/Nordsee und Gelting/Ostsee zeigen, hat die awk Außenwerbung GmbH der DGzRS kostenlos zur Verfügung gestellt.

Tag der Seenotretter 2015
Neben der besonderen „Woche der Seenotretter“ Ende Mai/Anfang Juni 2015 wird es auch im kommenden Jahr wieder den schon traditionellen „Tag der Seenotretter“ geben. Er findet erneut am letzten Sonntag im Juli, somit am 26. Juli 2015, auf vielen Stationen statt.

Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS)
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Werderstraße 2                                Tel.   0421 / 53707 610
28199 Bremen                                Fax   0421 / 53 707 690

www.seenotretter.de                                  info@seenotretter.de
www.150-jahre-seenotretter.de

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