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Seenotretter im Jubiläumsjahr fast 2.100 Mal auf Nord- und Ostsee im Einsatz

Jahreseinsatzbilanz 2015: 538 Menschen aus Seenot gerettet und Gefahr befreit / Schauspieler Markus Knüfken neuer „Bootschafter“

Auf Nord- und Ostsee sind die Seenotretter in ihrem Jubiläumsjahr 2015 rund 2.100 Mal im Einsatz gewesen (2014: rund 2.200 Einsätze). Die Besatzungen der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) haben dabei in den deutschen Seegebieten rund 540 Menschen aus Seenot gerettet oder Gefahr befreit (2014: rund 770). Seit der Gründung vor 150 Jahren haben sie insgesamt 82.222 Menschen gerettet. Die Seenotretter blicken auch an Land auf ein erfolgreiches Jahr zurück: Das Jubiläum der DGzRS hat große öffentliche Aufmerksamkeit erfahren.

Neuer Seenotretter-„Bootschafter“ im Jahr 2016 ist der Schauspieler Markus Knüfken. Einem größeren Kinopublikum ist er unter anderem durch den Ruhrgebietsfilm „Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding“ bekannt geworden. Fernsehzuschauern ist sein Gesicht aus Rollen in zahlreichen Folgen deutscher Erfolgsserien wie „Notruf Hafenkante“ vertraut. Auch auf der Theaterbühne ist Knüfken zuhause: Im Herbst geht er auf bundesweite Tournee.

Schauspieler gemeinsam mit den Seenotrettern im Einsatz

Knüfken war bereits einmal gemeinsam mit den Seenotrettern im Einsatz: Im Oktober 2010 war er mit seinem Seekajak querab des Falshöfter Leuchtturms an der Ostküste Schleswig-Holsteins unterwegs, als er eine gekenterte Jolle entdeckte. Ihr Segler war über Bord gestürzt.

Der Mann versuchte vergeblich, sich am Steckschwert seiner Jolle festzuhalten. Dies gelang ihm erst an Knüfkens Seekajak. „Ich habe ihm Mut zugesprochen und dann auch schon das Tochterboot der Seenotretter gesehen“, berichtet der Schauspieler.

Von ihrer Einsatzbereitschaft war er gleich beeindruckt. „Als Kajakfahrer bin ich mir bewusst, dass die See große Gefahren birgt. Trotz bester Vorbereitung kann auch ich schnell mal auf die Seenotretter angewiesen sein. Deshalb bin ich stolz darauf, jetzt ihr ,Bootschafter‘ sein zu dürfen.“

 

Jubiläumskonzert und -DVD der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen

Knüfken folgt als „Bootschafter“ der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Das international renommierte Orchester hat die Arbeit der Seenotretter in den zurückliegenden Monaten mit großem Engagement begleitet.

Unter anderem spielte es das Jubiläumskonzert am 150. Geburtstag der DGzRS im Bremer Konzerthaus „Glocke“. Außerdem ist eine DVD erschienen und im Seenotretter-Shop erhältlich, auf der Musik von Robert Schumann auf Bilder aus dem Alltag der Seenotretter trifft.

Aus der Rettungsflotte

Zwei neue Rettungseinheiten haben die Seenotretter 2015 in Dienst gestellt. In Anwesenheit ihres Schirmherrn, Bundespräsident Joachim Gauck, taufte seine Lebensgefährtin Daniela Schadt am 150. Geburtstag der DGzRS, dem 29. Mai 2015, auf dem Bremer Marktplatz das 20. Seenotrettungsboot der bewährten 9,5-/10,1-Meter-Klasse. Dieser erste Neubau für die DGzRS seit der Wiedervereinigung in Mecklenburg-Vorpommern erhielt den Namen HENRICH WUPPESAHL. Das Boot hat in Neustadt in Holstein/Lübecker Bucht die CREMPE abgelöst.

Seenotrettungskreuzerneubau Ernst Meier-Hedde

Seenotrettungskreuzerneubau Ernst Meier-Hedde

Am 30. Mai 2015 erhielt im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten in Bremerhaven das Typschiff der neuen 28-Meter-Klasse den Namen ERNST MEIER-HEDDE. Es ist auf Amrum der VORMANN LEISS nachgefolgt. Das zweite Schiff der Serie haben die Seenotretter Mitte Oktober 2015 auf der Fassmer-Werft an der Unterweser auf Kiel gelegt. Es wird zum Jahreswechsel 2016/2017 in Laboe die BERLIN ersetzen. Ungewöhnlich für die Seenotretter ist die frühzeitige Namensbekanntgabe: Auch dieses Schiff soll BERLIN heißen. Die Seenotretter wollen 2016 mit einer besonderen Spendenaktion insbesondere die Bevölkerung der Hauptstadt für das Neubauprojekt begeistern.

Die nächste Kiellegung wird in wenigen Monaten erfolgen: Der dritte Neubau der 28-Meter-Klasse soll im Frühjahr 2017 abgeliefert werden. Über seine Stationierung ist noch nicht entschieden. Wie alle Rettungseinheiten der Seenotretter werden die neuen Schiffe im bewährten Netzspantensystem vollständig aus Aluminium gebaut, als Selbstaufrichter konstruiert und ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen finanziert.

„Woche der Seenotretter“ zum Jubiläum 150 Jahre DGzRS

Rund 30.000 Menschen haben die Seenotretter Ende Mai/Anfang Juni in Bremen und Bremerhaven zum 150-jährigen Bestehen begrüßen können. Höhepunkte der „Woche der Seenotretter“ waren neben den beiden Taufen ein feierlicher Festakt im Bremer Rathaus mit Schirmherr und Bundespräsident Gauck sowie eine spektakuläre Schiffsparade vor Bremerhaven und „Open Ship“ auf mehr als 50 Rettungseinheiten aus zahlreichen europäischen Ländern.

Konferenz und Kongress der International Maritime Rescue Federation (IMRF), des weltweiten Zusammenschlusses der Seenotrettungsorganisation, schlossen sich an.

Tag der Seenotretter 2016

Spendern, Freunden und allen Interessierten bieten die Seenotretter auch 2016 wieder die Gelegenheit, sich vor Ort ein Bild von der Einsatzbereitschaft ihrer Besatzungen und der Leistungsfähigkeit ihrer Rettungseinheiten zu machen. Erneut findet am letzten Sonntag im Juli, somit am 31. Juli 2016, der „Tag der Seenotretter“ statt.

 

 

Anhang 1: Einsatzzahlen im Detail

Im Jubiläumsjahr 2015 haben die Besatzungen der 59 Seenotrettungskreuzer und -boote in Nord- und Ostsee bei insgesamt 2.091 Einsätzen

  •   55Menschen aus Seenot gerettet,
    • 483Menschen aus drohender Gefahr befreit,
    • 400 Mal erkrankte oder verletzte Menschen von Seeschiffen, Inseln oder Halligen zum Festland transportiert,
    •   63 Schiffe und Boote vor dem Totalverlust bewahrt,
    • 941 Hilfeleistungen für Wasserfahrzeuge aller Art erbracht sowie
    • 568 Einsatzanläufe und Sicherungsfahrten absolviert.

In vielen Fällen griffen die Seenotretter frühzeitig ein und begrenzten so Schäden bereits im Vorfeld. Zudem sind sie 2.827 Mal in ihren Revieren zwischen Borkum im Westen und Ueckermünde im Osten auf Kontrollfahrt gegangen.

Darüber hinaus war die SEENOTLEITUNG BREMEN (Maritime Rescue Co-ordination Centre, MRCC BREMEN) in 198 Seenotfällen international im Interesse der deutschen Schifffahrt unterstützend oder initiativ tätig.

Einschließlich aller Such- und Rettungsaktionen sowie Kontrollfahrten haben allein die 20 Seenotkreuzer (die 39 Seenotrettungsboote nicht mitgerechnet) im vergangenen Jahr71.864  Seemeilen (ca. 133.092 Kilometer) in Nord- und Ostsee zurückgelegt.

Seit ihrer Gründung am 29. Mai 1865 hat die DGzRS bis Ende Oktober 2015 insgesamt 82.222 Menschen aus Seenot gerettet oder Gefahrensituationen auf See befreit. Das entspricht der gesamten Bevölkerung der Stadt Villingen-Schwenningen (Baden-Württemberg) und übertrifft bereits deutlich die Einwohnerzahl von Minden (Nordrhein-Westfalen), Marburg (Hessen) oder der gesamten Insel Rügen (Mecklenburg-Vorpommern).

Die Einsatzzahlen verteilen sich auf die einzelnen Küsten wie folgt:

Niedersächsische Nordseeküste
Die Besatzungen der an der niedersächsischen Küste stationierten Seenotrettungskreuzer und -boote haben bei 582 (2014: 620) Einsätzen vier (zwölf) Menschen aus Seenot gerettet und 60 (110) weitere aus Gefahrensituationen befreit.

Schleswig-Holsteinische Nordseeküste
Die Stationen an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste registrierten 255 (2014: 254) Einsätze. Die dortigen Mannschaften retteten zwei (zwei) Menschen aus Seenot und befreiten weitere 21 (34) aus Gefahrensituationen.

     

Schleswig-Holsteinische Ostseeküste
An der Ostseeküste Schleswig-Holsteins waren die Seenotretter 725 (2014: 797) Mal im Einsatz. Sie retteten 40 (25) Menschen aus Seenot und befreiten weitere 253 (304) aus Gefahrensituationen.

Mecklenburg-Vorpommersche Ostseeküste
In Mecklenburg-Vorpommern waren die Seenotretter zu 529 (2014: 512) Einsatzfahrten unterwegs. Sie retteten elf (16) Menschen aus Seenot und befreiten weitere 149 (265) aus Gefahrensituationen.

 


Anhang 2: In den Bordtagebüchern geblättert

Bei einem Spaziergang vor der Ostküste Amrums ist am 22. März eine Mutter mit zwei kleinen Kindern in Gefahr geraten. Die Frau war mit einem Bein bereits bis zum Oberschenkel in den weichen Meeresboden eingesunken. Ein Seenotretter im Überlebensanzug befreite die Frau, die ein Baby auf dem Rücken trug. Ihr zweites, etwa drei Jahre altes Kind war lediglich mit den Füßen eingesunken.

 

In der Nacht zum 27. März kamen die freiwilligen Seenotretter der Station Eiderdamm drei Fischern zu Hilfe. Ihr Krabbenkutter war nach Ausfall der Kühlwasserpumpe manövrierunfähig und konnte auch keinen Anker mehr werfen. Er kam fest und drohte, von Wind und Tide immer weiter auf die Sände gedrückt zu werden. Die Seenotretter befreiten das Schiff und schleppten es sicher ein.

 

Ein Kajakfahrer verdankt sein Leben aufmerksamen Passagieren der Spiekeroog-Fähre und der Revierkenntnis der Neuharlingersieler Seenotretter. Starker Nordwestwind hatte den Mann in die Otzumer Balje getrieben. Die freiwilligen Seenotretter der NEUHARLINGERSIEL retteten den kaum ansprechbaren, stark unterkühlten 70-Jährigen am 9. Mai sprichwörtlich in letzter Minute.

 

Nach einem plötzlichen Wassereinbruch kamen die Cuxhavener und Bremerhavener Seenotretter am 12. Mai etwa 25 Seemeilen (45 Kilometer) nordwestlich von Bremerhaven zwei Männern an Bord eines Plattbodenschiffs zu Hilfe. Mit Lenzpumpen verhinderten sie den Untergang und brachten Schiff und Besatzung in Sicherheit.

 

Vor dem Peenemünder Haken sind die Seenotretter am 8. Juni einem Fischkutter mit Schwelbrand zu Hilfe gekommen. Nahe Freest übergab die Freiwilligen-Besatzung des Seenotrettungsbootes HEINZ ORTH Feuerwehrleute auf den Havaristen. Gemeinsam mit dem Seenotrettungskreuzer EUGEN/Station Greifswalder Oie brachten die Seenotretter den Kutter sicher in den Hafen.

 

Nach Motorproblemen ist am 4. Juli ein kleines Boot im Elbehafen Brunsbüttel zwischen die Pier und ein großes Frachtschiff geraten. Aufgrund des starken Ebbstroms war es der Besatzung nicht gelungen, dort festzumachen. Die Seenotretter griffen ein, bevor der Schwell eines vorbeifahrenden großen Schiffes dazu führen konnte, dass der Frachter das kleine Boot an der Pier zerdrückt.

 

Zwei deutsche Segler verdanken den Seenotrettern aus Maasholm und reibungsloser inter­nationaler Zusammenarbeit vermutlich ihr Leben: Die Besatzung des Seenotrettungs­kreuzers NIS RANDERS holte in der Nacht zum 9. Juli die beiden Männer bei stürmischem Wetter südöstlich der dänischen Insel Langeland von ihrem havarierten Segelboot – wenig später ging es unter.

 

Der Segeltörn einer Hamburger Kindergruppe auf der Schlei ist dank der freiwilligen Seenot­retter aus Schleswig am 28. Juli glücklich ausgegangen. 17 Kinder und drei Erwachsene waren auf sechs Jollen unterwegs. Eines der Boote war gekentert. Bei zunehmendem Wind waren die Kinder überfordert, ihre Jollen auf Kurs zu halten. Die WALTER MERZ brachte die Gruppe sicher an Land.

 

Gleich zweimal sind die Borkumer Seenotretter in der Nacht zum 29. Juli für Berufsfischer im Einsatz gewesen. Ein Fischkutter hatte starken Wassereinbruch und Maschinenschaden gemeldet, der andere ein Netz in den Propeller bekommen. Beide trieben manövrierunfähig im Fahrwasser und benötigten dringend Hilfe. Der Seenotrettungskreuzer ALFRIED KRUPP brachte sie in Sicherheit.

 

Bei starken bis stürmischen Winden mit Sturmböen sind die Seenotretter am Wochenende 5./6. September rund 30 Mal im Einsatz gewesen. Mehr als 60 Menschen waren auf ihre Hilfe angewiesen. Unter anderem barg der Seenotrettungskreuzer VORMANN STEFFENS/Station Hooksiel bei bis zu zwei Metern Seegang einen Seemann von einem 135-Meter-Frachter ab.

 

Ein glückliches Ende genommen hat ein Maschinenraumbrand auf einem Windpark-Serviceschiff vor Norderney in der Nacht zum 31. Oktober. Bereits zwölf Minuten nach dem „Mayday“-Ruf traf der Seenotrettungskreuzer BERNHARD GRUBEN beim Havaristen ein. Der Besatzung gelang es, das Feuer mit Bordmitteln unter Kontrolle zu bringen. Die Seenotretter geleiteten sie sicher nach Norddeich.

 

Zwei Fischer sind am 23. November vom Windparkversorger „MCS Maestro“ gerettet worden. Ihr Kutter war im Fahrwasser vor dem Südstrand von Borkum gekentert. Zahlreiche Schiffe eilten zu Hilfe, darunter auch der Seenotrettungskreuzer ALFRIED KRUPP.

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