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Aufschäumendes Blut in unseren Adern – Kai Quedens hat für 2016 einen neuen Vortrag…

 

Was haben Amrum, Föhr, die Halligen und, ja, auch Sylt gemein? Sie waren Inseln der Seefahrer. Und sie sind die Schatzkisten in Kai Quedens neuem Vortrag. Heraus kommen wunderbare Geschichten von Schiffen und Inselmenschen, Kapitänen, Seeleuten, deren Frauen und Kinder. Von Walfang, Handel, Not und ewigem Eis. Natürlich von Strandungen, von Abenteuern in Neuguinea und vor den Azoren, vom harten Leben der seefahrenden Bauern, der rauhen Friesen, die Winden, Walen und Salpeter folgten und damit Reichtum auf die Inseln brachten. “Das erklärt das aufschäumende Blut in unseren Adern”, sagt Quedens – feixend.

Beeindruckend sind die vielen Zeichnungen

Beeindruckend sind die vielen Zeichnungen

Die Premiere vor versammeltem Publikum fand erst vor Kurzem statt. Wirklich rührend hat Kai Quedens, der als Künstler in Norddorf und als Grafiker bei der Amrum Touristik in Wittdün arbeitet, seine Geschichten in Szene gesetzt, abwechslungsreich wie eine Theaterinszenierung ist das: er spricht Dialoge, reißt Witze, zeigt alte Filmsequenzen und liest aus den Aufzeichnungen der Seeleute. Man sitzt da und träumt sich weg. Aus dem kleinen Versammlungssaal im Hotel Seeblick in Norddorf wird eine Friesenkate, aus gedimmten Wandleuchtern werden zuckende Öllampen: Guten-Abend-Geschichtsstunde für Großstädter, die bereits auf der Uthlande bei halbsteifem Südwest seekrank werden.

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“Inseln der Seefahrer” von und mit Kai Quedens

Quedens Stimme grollt durch den Raum. Als bei den Heringsfahrten im 16. Jahrhundert die Heringe ausblieben, entdeckte man 1300 Seemeilen weiter nördlich mit dem Grönlandwal eine neue Einnahmequelle. “Und wussten Sie, dass England alle 25 Walfangschiffe einer Zeit unter die Aufsicht von Föhrer Kommandeuren stellte? Den Satz muss man echt zweimal wiederholen”, sagt Quedens. Und wiederholt ihn! Das macht die Stories noch schöner: Quedens wirkt, als überraschten auch ihn diese Abenteuer jedes mal aufs Neue. Für seine Seefahrergeschichten hat er tolle Bilder gefunden, eben nicht nur Fotos, sondern Zeichnungen – von ihm selbst und seinen (Illustrator-)Freunden Thomas Färber (Low Art, Hamburg) und dem auf Amrum ja schon fast eingemeindeten Lübecker Felix Karweick. Die illustrieren jetzt – mal dramatisch, mal zart – die Geschichten um Pastor Petri aus Süderende, der die Kommandeure in spe schulte, von den im Eismeer eingeschlossenen Früdden-Brüdern aus Oldsum, der Sylterin Merret Lassen, deren zwölf Söhne zur See fuhren, dem Süddorfer Arian Martens, dessen Schicksal rund um sein Schiff Mary Celeste sogar den britischen Arzt und Schriftsteller Sir Arthur Canon Doyle beschäftigte. Und, und, und … Halligkapitäne sind dabei, traurige Wiedergänger-Geschichten und Seemänner-Frauen, die das Shoppen entdecken.

Das nächste Mal gibt es “Inseln der Seefahrer” am 10. Februar um 17 Uhr im Hotel Seeblick in Norddorf.

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Über Undine Bischoff

Undine Bischoff war drei Jahre alt, als sie 1968 das erste Mal in einer Schubkarre über den Kniep gerollt wurde. Da draußen am Meer baute ihr Vater der Familie zwanzig Jahre lang eine Holzhütte für die Sommerferien. Jetzt leitet die Journalistin und PR-Beraterin aus Hamburg während der Saison das Inselkino und ist (glückliche) Gastautorin bei Amrum-News.
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