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Volkshochschule macht ihrem Namen alle Ehre…

Schon um die Jahreswende raunte es auf der Insel, dass der traditionell angebotene Friesischkurs (Öömrang) für Einsteiger diesmal recht voll werden könnte, aber mit so vielen Anmeldungen hatte die wiederbelebte Amrumer Volkshochschule e.V. dann doch nicht gerechnet!

Die langjährige Kursleiterin Andrea Hölscher freute sich, fünfzehn wissbegierige Erwachsene in ihrem Kurs begrüßen zu können. „Hartelk welkimen tu üs öömrang kurs“ hieß es dann im Januar für die sehr unterschiedlichen Öömrang-Anfänger, die an vier Wochenenden gut gelaunt die Schulbänke der Öömrang Skuul drückten.

Andrea Hölscher (Mitte, hellblau gestreift) mit den Kursteilnehmern

Andrea Hölscher (Mitte, hellblau gestreift) mit den Kursteilnehmern

Die bunt zusammengesetzte Lerngruppe aus allen Teilen der Insel war mit viel Spaß und Engagement dabei. Einige der Teilnehmer leben schon recht lange auf der Insel, andere sind gerade zugezogen. Erstaunlich hoch die Männerquote unter den diesjährigen Öömrang-Einsteigern: Sie lag bei 27% und das ist wirklich außergewöhnlich für einen Sprachkurs, insbesondere wenn er Samstag nachmittags zur Zeit der Fußballbundesliga stattfindet.

„Meine besten Freunde sind Amrumer und ich möchte mehr als nur einzelne Brocken verstehen, wenn sie vom Hochdeutschen ins Friesische wechseln.“, brachte ein Teilnehmer seine Motivation auf den Punkt. Ob in der Nachbarschaft oder im Berufsleben, sei es im Kindergarten, beim Arzt oder in der Kundenbetreuung, es gehöre einfach dazu, Sprache und Kultur der Insel zu kennen, meinten viele der Zugezogenen. Man möchte die Texte der Lieder, die man im Chor singt, auch verstehen.

Andrea Hölscher war von der fröhlichen Begeisterung und der regen Unterrichtsbeteiligung ihrer Neulinge ganz angetan. Ihr falle immer wieder die hohe Motivation der Zugereisten auf, die sich sehr für die friesische Sprache interessieren und für die der Kurs auch eine gute Möglichkeit bietet, Kontakte auf der Insel zu knüpfen.

Das können die neun Wittdüner dieses Kurses bestätigen, die nämlich erst im Klassenzimmer unter großem Gelächter bemerkten, dass sie alle aus einem Umkreis von nur 100 Metern mit eigenen Fahrzeugen nach Süddorf in die Inselschule gekommen waren.

Es sind aber nicht nur neu Zugezogene, die an der Volkshochschule auf Amrum Öömrang lernen, weiß Frau Hölscher aus ihrer mehr als zehnjährigen Lehrtätigkeit zu berichten. Auch jüngere Einheimische haben in den letzten Jahren am Friesischkurs teilgenommen, um mit ihren Kinder außerhalb der Schule die Sprache pflegen zu können.

„Am Ende des Kurses sind Smalltalk, Sprechen und Verstehen kein Problem mehr“, frohlockte es auch diesmal im kurzfristig realisierten Übergangsprogramm der Amrumer Volkshochschule e.V. und so galt es freiwillig, ganz ohne Zwang in lockerer Atmosphäre viel Stoff zu bewältigen.

„Wi wene üüb Oomram an spraake nü öömrang“, hieß das Motto, aber vor den Erfolg haben die Götter bekanntlich den Schweiß gesetzt. Und wer am Anfang vielleicht gedacht hatte, mit Plattdeutsch und Englisch wäre man schon bestens aufgestellt, merkte schnell, Öömrang Friisk – das ist tatsächlich eine eigene Sprachvarietät und kein niederdeutscher Dialekt.

Nachdem man Aussprache, Zahlen, Farben, Tiere, Berufe, Speisen und Getränke, Körperteile und deren Bekleidung sowie vieles andere kennengelernt, häufig gebrauchte Redewendungen geübt und erste Grammatikregeln einigermaßen verstanden hatte, war man auch schon in die Lage versetzt, einfache Sätze und Fragen zu bilden, einzukaufen und einen Text zu übersetzen. Allen Volkshochschülern rauchte der Kopf bei diesem Pensum!

Doch Andrea Hölscher lobte die frisch erworbene Fragekompetenz und ermutigte die Kursteilnehmer, auch am Öömrang-Fortsetzungskurs der Amrumer Volkshochschule teilzunehmen, den Maren Gerrets-Blome Freitag abends „für alle, die schon ein wenig Friesisch sprechen“, anbietet und zu diesem Kreis gehörten die Absolventen des Anfängerkurses nun auch.

„Wesogud an snaake, snaake, snaake!“ Nur wem es gelinge, Friesisch in den Alltag zu integrieren, ob am Arbeitsplatz oder im Freundeskreis, schaffe es dranzubleiben, gab die Kursleiterin ihren Schülern noch mit auf den Weg. Erfahrungsgemäß sei das nicht ganz einfach und erfordere eine gewisse Hartnäckigkeit von den Sprachanfängern, da die Zuhörer geneigt seien, schnell ins Deutsche zu wechseln, wenn sie merken, dass die neue Sprache noch nicht flüssig gesprochen wird. Hier bitte sie die Muttersprachler um Geduld mit den Anfängern. Es könne schon etwas dauern, bis eine Antwort auf Öömrang formuliert sei…

„Ja“, scherzten die lustigen Volkshochschüler „also hoker betaalet nü at taxii faan at Blä Müs tu Nuurd, wan wi so dronken san dat wi ei muar keer kön?“ (Wer bezahlt denn jetzt das Taxi von der Blauen Maus nach Norddorf…)

Unverkennbar hat das Friesischlernen allen viel Spaß gemacht und obwohl die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ganz unterschiedliche Voraussetzungen hinsichtlich des Alters, ihrer Bildung oder der vorhandenen Sprachkenntnisse mitbrachten und einige auch im Januar beruflich stark eingespannt waren, haben alle 15 bis zum Schluss durchgehalten. Gratulation!

Welch ein schöner Erfolg auch für die wiederbelebte Amrumer VHS, denn das war Volkshochschule, die ihrem Namen alle Ehre macht.

Zum  erfolgreichen Abschluss wurde natürlich gefeiert, bei Kaffee, frisch gebackenem Kuchen und – wie könnte es anders sein – Friesenwaffeln mit Pflaumenmus und Sahne.

Die VHS Amrum e.V. wird den Kurs „Öömrang für Einsteiger“ im nächsten Winterprogramm wieder anbieten und freut sich auch über neue Mitglieder.

 

Astrid Thomas-Niemann für Amrum-News

 

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