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Amrum alltagsnah: Rotary Club spendiert Deutschbücher für Flüchtlinge

Für den Sprachunterricht der Flüchtlinge auf Amrum hat der Rotary Club der Insel aktuelles Lehrmaterial spendiert. Bunt, mit vielen Fotos und Dialogen, alltagsnah und ohne überladene Grammatik. Und weil Lehrbücherübergeben allein nicht so viel Spaß macht, hatten die Clubmitglieder kurzerhand ein sehr schönes Programm drumherum organisiert, das mit einer Führung durchs Öömrang Hüs begann und mit einer Kaffeetafel bei der Bäckerei Claussen in Nebel endete. Wer die Vorher-Nachher-Fotos vergleicht, kommt ins Schmunzeln, denn am Ende saßen alle in wechselnden Konstellationen nebeneinander und machten grinsend Selfies mit ihren Telefonen, während am Anfang doch alle sehr zurückhaltend waren, ob der tiefen, friesischen Geschichte, die Clubmeister Ralf-Sigmar Simon den elf Asylbewerbern im Öömrang Hüs nahezubringen gedachte.

Vom Rotary Club Amrum spendiert: alltagsnah Deutsch lernen

Vom Rotary Club Amrum spendiert: alltagsnah Deutsch lernen

Wie übersetzt man Kehlbalken? Simon, der so wuselig-charmant auf Deutsch-Englisch durchs Haus führte, hatte seinen Spaß. Und die ausländische Kombo um ihn herum auch. Ramin, der super Englisch spricht und auf der Insel schon als Elektrofachmann gearbeitet hat, übersetzte für seine afghanischen Landsleute. Und der 17-jährige Gesti, der auf Amrum wegen seiner Schulpflicht gleich in der 10. Klasse landete, wo er hörbare Deutsch-Fortschritte macht, übersetzte in Simons Sprechpausen für seine albanische Familie. Für Erstaunen sorgte die Tatsache, dass Amrum mal Dänisch war. Und heiteres Rätselraten gabs um die versteckten Kojenbetten, die Warmhalteutensilien auf dem Bilegger-Ofen und manch altfriesisches Küchengerät. Die Sklaven- und Piratenausstellung im Hüs erfreute sich intensivster Betrachtung, kein Wunder, die vielen Bilder sprachen für sich. Dass der über 400 Jahre alte Kehlbalken an der Decke der Ausstellungsräume von Hand geschlagen und daher etwas ganz besonderes ist, konnte zum Abschluss mit armeschwingender Zeichensprache erfolgreich übersetzt werden.

Eine Öömrang Hüs-Führung bitte...

Eine Öömrang Hüs-Führung bitte…

Kaffee und Kuchen bei Claussen war ebenfalls eine Einladung der Rotarier. Vor den Genuss wurde selbstverständlich die Arbeit gesetzt. Also alle ab an die Theke und Kuchen bestellen. Wo Gesti zielsicher auf die Friesentorte zeigte.

Rotary-Präsidentin Annette Isemann genoss das bunte Treiben am Tisch sichtlich. “Wir freuen uns, dass die Bücher so gut ankommen. Und dass so ein Kurs überhaupt zustande kommt.” Der wird von Anna Grütte geleitet, die als Französischlehrerin und Heilpraktikerin zwischen Öömrang Skuul und Amrum Spa hin- und herwechselt und mit ihrer neuen Aufgabe sogar ein bisschen zurück zu ihren Wurzeln kommt. Hat sie doch in den Niederlanden Deutsch als Fremdsprache studiert und zwischen 1989 und 2004 unter anderem am Goethe-Institut in Rotterdam unterrichtet. Eine perfekte Besetzung, die demnächst noch ausgeweitet wird durch das Engagement von Sigrid Malich, die sich den nicht Lese-und Schreibkundigen unter den Flüchtlingen annehmen wird. Geplanter Unterricht: Jede Woche drei bis vier Mal, rund sieben Stunden, plus zwei Stunden Alphabetisierung. Straffes Programm.

Haben sich verstanden: Ralf-Sigmar Simon und Adrian Cem

Haben sich verstanden: Ralf-Sigmar Simon und Adrian Cem

Von den 18 Flüchtlingen, die derzeit auf Amrum leben, haben sich elf zum Kurs angemeldet. Eine bunte Mischung und daher eine Herausforderung. Während einige schon grinsend und Daumen reckend parlieren, was sie so eben aufgeschnappt haben, sind andere zurückhaltend und scheu. “Macht uns nichts, kennen wir”, sagt Anna Grütte. “Hier auf Amrum gibts in der Schule ja auch immer nur eine Jahrgangsklasse.”

Das Lehrmittel-Sponsoring für die Flüchtlinge würde der Rotary-Club Amrum sehr gern aufrechterhalten. “Wir überlegen auch weiter, was noch sinnvoll wäre”, sagt Michael Langenhan, der wie Karin Simon und Christa Langenhan zum Betreuer-Team gehört. Bereits im Café kamen verschiedene Ideen auf den Tisch, die von Patenschaften, Kinobesuchen und Sightseeing bis zum Kochen reichten.

Einig war sich die Runde, dass eine große Landkarte fehlte, auf der alle, auch die Deutschen, hätten zeigen wo sie herkommen (Albanien, Irak, Afghanistan, Kosovo). Was aber mittels Smartphone sehr gut gelang, war eine Unterhaltung über das, was vorher war. Über ihre Jobs (Elektriker, Ingenieur, Friseur, Zimmermann, Fliesenleger), ihre Tiere (Esel) und – ihre Familien, so es sie denn noch gibt.

“Das wichtigste ist die Einbindung”, sagt Anna Grütte. Eine nächste, offizielle Gelegenheit dafür gibts auch schon: Am 6. März heißt es “Willkommen und Ankommen”, da laden die Flüchtlinge und der Helferkreis zur großen Runde ins Amrum Spa. Zusammen klönen, essen, trinken, Amrum-Film gucken, Musik hören, spielen. Von 16 bis 19 Uhr. Da sollte sich jeder, der Zeit hat, ein Herz fassen und hingehen.

 

 

 

 

 

 

 

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Über Undine Bischoff

Undine Bischoff war drei Jahre alt, als sie 1968 das erste Mal in einer Schubkarre über den Kniep gerollt wurde. Da draußen am Meer baute ihr Vater der Familie zwanzig Jahre lang eine Holzhütte für die Sommerferien. Jetzt leitet die Journalistin und PR-Beraterin aus Hamburg während der Saison das Inselkino und ist (glückliche) Gastautorin bei Amrum-News.
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