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Große Fahrt und groß was vor: Norddorfs neues Bistro mit Amrums erstem Gin

Die Chefs: Christian Totzeck und Michael Henning (v.l.)

Wenn einer eine Reise tut … von wegen eine! Michael Henning und Christian Totzeck haben schon zig getan, kein Wunder, denn Henning ist Reisekaufmann und fliegt als Steward bei der Lufthansa, und Totzeck, auch Touristiker, war jahrelang Verkaufschef bei Stena Line in Kiel und ehrenamtlich Vorsitzender im Hamburger Verband der Fährschifffahrt. Große Leidenschaft der beiden: auf große Fahrt gehen mit Kreuzfahrtschiffen, rund 50 haben sie schon erlebt.

So war’s nicht weit zum Namen ihres Bistros, dass sie jetzt in Norddorf eröffnet haben – in den Räumen des ehemaligen „Deichgraf“, direkt am Zusammenfluss von Lunstruat und Dünemwai. „Das ist jetzt unsere Heimat“, sagt Christian Totzeck und meint Bistro wie Insel. Seit fünfzig Jahren ist der 57-Jährige amrumverliebt, seit zig Jahren ein Wochenend-Inselfahrer, erst mit kleinem Zimmer, dann mit eigener Wohnung. Als sein Lebenspartner Michael Henning und er überlegten, was sie Lust hätten zu tun, wenn sie noch mal was ganz anderes tun könnten, kam das dabei raus: Ein Bistro mit kleinen Leckereien und gutem Wein, wo man die Winzer kennt, die ihn anbauen. Ein Ort zum Sitzen, Klönen, Leute treffen – und wer weiß, was noch mehr. „Unser Thema ist Große Fahrt – und das kann noch einiges beinhalten“, sagt Totzeck, mit Anschlussideen im Kopf. Sein Partner hat die Federführung in der Küche. „Mein Steckenpferd“, sagt der 48-jährige Henning, „immer gewesen, jetzt kann ich mal loslegen“. Die beiden kommen aus Essen und Köln und kennengelernt haben sie sich – jawohl – auf einem Schiff. Auf kleiner Fahrt zwischen Köln und Bonn.

Mit Durchgang zum Sonnendeck und den Strandkörben

Und jetzt also auf große Fahrt mit kleinem Bistro: Auf der Karte Salate, Räucherlachs auf Rösti, Flammkuchen und Baguettes und zum Herbst auch mal Suppen. Wein ist ein Schwerpunkt. Und gute Liköre und Brände vom Moselwinzer gibt’s aus gläsernen Amphoren zum Abfüllen in die – Achtung! – Muss-ich-haben-Flasche in Form eines Leuchtturms. „Davon haben sie hoffentlich einen Container voll am Strand liegen“, sagt ein Gast mit Blick auf die schöne Form. Zum Team gehören auch Michaela Wolff im Service und Sebastian Cyranowicz am Herd, beide langjährige „Deichgraf“-Seelen. Die Vierertische wurden gegen kleinere ausgetauscht, rund 25 Plätze hat man nun, plus Sonnendeck mit Strandkörben – viel Platz zum gemütlichen Stühlerücken, und vor dem Tresen so einen kleinen Treffpunkt zum Brände schnuppern, shoppen und klönen.

Im Regal neben der Bullaugentür wollen die beiden Chefs Leckereien aus kleinen Manufakturen sammeln, wie die Senfe aus Braunfels, Fruchtweine, Marmeladen, Tomatensugo, Focaccine und Gazpacho. Neben tradizionale gibt’s auch insular: Amrumer Meersalz, handgeschöpft von Amrums Fischer Andreas Thaden und – ganz neu – Amrums ersten Gin!

Salz-Fischer Andreas Thaden vor Stefan Klindtbergs Gin

Die Rezeptur ist ganz von der Insel, dafür hat Stefan Klindtberg probiert, experimentiert und wieder probiert. Klindtberg ist gelernter Elektotechniker und Geschäftsführer einer dazu passenden Firma auf der Insel und hat sich einfach noch mal mit einer neuen Leidenschaft beschäftigt. Fischer Thaden war mit im Boot, von ihm kommt nämlich das Salz im Gin. Als die Herren die Komposition zur Reife gebracht hatten, wurde Klindtberg bei einer Destille im nahen Dollerup vorstellig, wo man tatsächlich gleich mal die Augenbrauen hochzog. Was für ein Aroma! „Öömrang“ heißt das gute Zeug und schmeckt nach großer Freiheit und kräftiger Brise. Wenn da ein Container mal reicht für die Nachfrage. „Ich hatte einen Workshop gemacht“, sagt Klindtberg. „Das hat mir so gut gefallen, all diese Möglichkeiten, die man hat, um den Geschmack zu bestimmen, das ist unglaublich interessant.“ Drin im Gin sind Tonkabohne, Kardamon, Rosen- und Hibiskusblüten, Zitronen, Pflaumen und natürlich Wacholder. Eingeleitet wird auf der Flaschenrückseite mit der urfriesischen „leewer duad üs slav (lieber Tod als Sklave)-Geschichte. Und was gibt dem Ganzen sein feines Aroma? Das Amrumer Wasser! Genau das, was hier aus 60 Meter Tiefe kommt, aus der Süßwasserlinse unterhalb der Insel. Zum Wohl, auf Amrum, auf Große Fahrt!

 

Große Fahrt in Norddorf an der Lunstruat 9 hat geöffnet von Donnerstag bis Dienstag von 12 bis 21 Uhr. Mittwochs ist zu.

 

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Über Undine Bischoff

Journalistin und Texterin. Fuhr mit drei Jahren zum ersten Mal über den Kniep – in einer Schubkarre. Weil ihr Vater da draußen eine Holzhütte baute, zwanzig Feriensommerjahre lang. Betextet Webseiten und Kataloge, schreibt für verschiedene Medien und natürlich für Amrum News.
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