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Alle Wetter: Amrum immer schön!

Regentropfen, die an mein Fenster klopfen … Sehr schöner Evergreen von 1935, aber nicht unbedingt das, was man im Urlaub an der See so hören will – am Fenster. „Aber wieso, Nordsee eben“ lacht Tanja Wagner am Anleger in Wittdün. Die sehr quirlige Mutter von 24 Kurkindern ist bis tief in die Stirn in Regenzeug gepackt und drängt mit ihrer Kinderschar auf die Fähre. Tagesausflug nach Föhr. „Wir erholen uns alle sehr gut bei dem Wetter“, sagt die 42-Jährige. Drei Wochen insgesamt sind sie zur Kinderkur im Berlin-Wilmersdorfer-Nordseeheim in Wittdün. „Wenn ich alleine bin, mache ich Urlaub auf Föhr, aber mit den Kindern bin ich immer auf Amrum.“ Das Wetter sei genau richtig. Bei Hitze und stechender Sonne könne sich doch niemand erholen, sagt die Pfälzerin.

Frau Fröhlichs schönstes Schlechtwetterfoto

An Bord der „Nordfriesland“ wuchten Nele Wasgihen und Nils Schikowski ihre Rucksäcke mit der sandverklebten, feuchten Zeltplane auf die Kofferablage. „Ja, letzte Nacht hat es wüst geregnet, aber da haben wir geschlafen“, sagt der Mittzwanziger aus Hannover. Eine Woche waren er und seine Freundin auf dem Zeltplatz in Wittdün. „Irgendein Nachmittag war es auch mal schlecht, aber später kam die Sonne wieder raus.“ Die beiden sind einer Empfehlung von Freunden gefolgt und das erste Mal auf Amrum. Fazit: „War super, wir kommen wieder.“

Auch oben im Salon zeigt man sich unbeeindruckt von den Wassertropfen, die mittlerweile ganz schön knackig an die Fährfenster klopfen. „Das Wetter ist heute eben anders gut“, witzelt Christian Langeloh und guckt seine Familie an. Alle nicken. Die drei spielen Rummikup und sind auf dem Weg zum Treffen mit nordfriesischen Freunden auf Föhr. „Genau das richtige Wetter dafür“, sagt Inge Langeloh. Das Paar fährt seit zig Jahren nach Amrum, der achtjährige Joe von Anfang an. Regenwetter? “Kein Problem“, sagt er und schüttelt den Kopf, „Hauptsache es ist warm“. „Wir sind Kniepsandgänger bei jeden Wetter“, sagt Vater Christian. Ob Joe nicht schon aus dem Sandspielalter raus sei? „Nee“, grinst der. „Und Papi auch nicht.“

Wie unterschiedlich die Wahrnehmung vom Wetter sein kann, zeigen die Erzählungen einer Amrumer Wirtin über zwei ihrer Gastfamilien. Familie eins aus Berlin, ein bisschen vom Stamme Nimm und Kinderwagen-im-Flur-Quersteller, schüttelten bei Abfahrt nur den Kopf. „Also dieses Mal hatten wir ja wirklich Pech mit dem Wetter“, sagt der braungebrannte Familienvater. Aus der Wohnung nebenan reist auch das Hamburger Ehepaar zurück und bedankt sich für die nette Betreuung. “Und mit dem Wetter haben wir ja auch Glück gehabt“, sagen sie zum Abschied.

Befragt man die Meteorologen, kommt raus, dass Schleswig-Holstein im Juli mit durchschnittlich nur 16,5 Grad das kälteste Bundesland war. Grund zum Mosern wäre also da. Auf der anderen Seite: Wer nach Amrum und Föhr fährt, weiß, was auf ihn zukommen kann. Unbeeindruckt vom schweren Sand spielen deshalb am Wyker Hafen auch die Volleyballer weiter ihre Bälle übers Netz.

Wo sind denn nun die Wetter-Meckerer? Anruf bei den Tourist-Informationen. Aber auch der stellvertretende Veranstaltungsleiter Andreas Buzalla, auf Amrum der Vize-Chef über die Draußen-Drinnen-Entscheidungen bei Großveranstaltungen ist entspannt. „Und die Gäste sind es auch. Die sind ja vorbereitet auf das Nordseewetter“. Bisher musste nur die Musical-Night vom Strand unters sichere Dach verlegt werden. Allerdings hat Buzalla ein Auge auf den Open-Air-Auftritt am Donnerstag auf dem Kniep in Wittdün, wo die überaus beliebte Cover-Band „Die Kassenpatienten“ spielt. „Dafür bauen wir die große Bühne auf“, sagt Buzalla. „Und sind noch ganz guter Dinge.“ Marketing-Frau Levke Sönksen von Föhr Tourismus hat online alle Kommentare im Blick und liest wettermäßig keine Beschwerden heraus. „Hier weiß wohl jeder, worauf er sich einlässt“, sagt die Onlinerin. Außerdem sei der Veranstaltungskalender so dick wie nie und Möglichkeiten für Drinnen gäbe es genug. „Wenn kein Strandwetter ist, profitieren natürlich all die vielen kleinen Veranstaltungen“, sagt Sönksen. “Für die Kinder-Uni beim Föhrer Inselkäse-Laden in Alkersum hatten wir 36 Anmeldungen, da herrschte tolle Stimmung.“

Liebt Amrum bei jedem Wetter: Fotowettbewerbsgewinnerin Simona Fröhlich

Stimmung auch am Kniep von Amrum. Die Neusserin Simona Fröhlich, diesjährige Gewinnerin des Fotowettbewerbs vom Kleinen Amrumer und sommerurlaubend auf der Insel, sah das Unwetter kommen, ging aber trotzdem weiter und hatte – schutzsuchend in einer der Hütten draußen – noch ein nettes Plauderviertelstündchen mit einem anderen Inselgast. „Ich liebe diese Naturschauspiele … mitten auf dem Kniep, der Sand fliegt einem nur so um die Ohren. Man geht los bei strahlend blauem Himmel und plötzlich kommt diese gigantische Regenfront auf einen zu. Und wenn man pitschnass wird, ist man im nächsten Augenblick oft schon wieder trocken durch den starken Wind“, schrieb sie später in der Amrumer Facebook-Gruppe. Die 42-jährige Erzieherin war schon als Dreijährige mit ihren Eltern auf der Insel und kennt – und liebt – eh alle Wetter. Das diesjährige Fotowettbewerbs-Thema sind „Wege“. Das passt, denn die lassen sich auch prima bei schlechtem Wetter gehen.

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Über Undine Bischoff

Journalistin und Texterin. Fuhr mit drei Jahren zum ersten Mal über den Kniep – in einer Schubkarre. Weil ihr Vater da draußen eine Holzhütte baute, zwanzig Feriensommerjahre lang. Betextet Webseiten und Kataloge, schreibt für verschiedene Medien und natürlich für Amrum News.

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Amrumer Fotowettbewerb 2015