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Große bunte Vielfalt – Das neunte Rotary-Künstlerfest auf Amrum

Feste gibt es viele im Sommer auf Amrum. Dieses ist besonders: Es bringt an zwei Tagen mitten in der Hauptsaison bildende Künstler, Rotarier, Insulaner und Badegäste zusammen und dient einem guten Zweck – denn nicht wenige Kunstwerke wechseln in diesen zwei Tagen ihre Besitzer.

Schon zum neunten Mal lud der Rotary Club Amrum in der ersten Augustwoche zum Fest „Künstler auf Amrum“ ins Gemeindehaus Norddorf. Inzwischen ein etabliertes gesellschaftliches Ereignis auf der kleinen Insel.

Am Abend der Vernissage ein bisschen „sehen und gesehen“ werden bei Wein und Häppchen, durchaus kein Volkssport auf Amrum, am nächsten Tag mit der ganzen Familie noch einmal, zweimal, dreimal oder auch sehr viel öfter die Ausstellung im quirligen Gemeindehaus durchwandern, mit einigen Künstlerinnen und Künstlern ins Gespräch kommen und vielleicht ein Original erwerben oder einen Nachdruck, wenn das Geld nicht ganz so locker sitzt. Viele schlafen erst einmal die Nacht über ihre Wahl und fällen ihre Kaufentscheidung am zweiten Tag.

Vom Verkaufspreis der Bilder geht ein guter Teil als Spende an den Rotary Club Amrum, der das Geld vor allem für soziale Projekte im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit auf Amrum einsetzen will, wie Heiko Müller, der neue, turnusmäßig für ein Jahr gewählte Club-Präsident, in seiner Ansprache sagte.

Die Amrumer Rotarier unterstützten zuletzt den Inselkindergarten mit einem neuen Bauwagen, kleideten zusammen mit zwei Einzelhandelsunternehmen die Amrumer Jugendmannschaften ein, spendeten für den Kunstrasen des Amrumer Sportvereins, wollen der Öömrang Skuul das ersehnte Beachvolleyballfeld spendieren und sparen längerfristig auch für einen Wintergarten im DRK-Seniorenheim.

Im Mittelpunkt des Festes standen natürlich die 23 teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler und ihre Werke. Eine echte Rarität in der bildenden Kunst: Fast die Hälfte der ausstellenden Künstler ist weiblich – eine super Frauenquote! Auf Amrum nichts Ungewöhnliches, andernorts schon. Im Anschluss an die Eröffnungsrede stellten sich erstmalig alle Künstlerinnen und Künstler selbst vor. Das kam gut an, drang akustisch ohne vorhandene Mikrofonverstärkung aber leider nur bei wirklich kräftiger Stimme durch.

Fünf Fotografen waren diesmal unter den Künstlern: die drei Amrumer – Kinka Tadsen, Jan Dettmering und Fabian Ploppa – dazu noch zwei Sommer-Amrumer, der Berliner Designer Sebastian Dörken und die Architektin Karin Theisinger aus Oberursel/Süddorf, deren Fotografien als Einzige nicht Amrum zum Thema hatten, sondern die Bewegung, den Tanz.

Kinka Tadsen sagte, das Fest sei immer eine schöne Gelegenheit, sich mit den anderen Künstlern einmal auszutauschen. Man habe sonst nicht die Möglichkeit dazu. Dem stimmten alle Künstlerinnen und Künstler, mit denen ich gesprochen habe, zu und nutzten die etwas ruhigeren Momente zum Fachsimpeln und Spaßen.

Anna Susanne Jahn ließ die Besucher am Entstehungsprozess eines Aquarell-Stilllebens teilhaben und war ganz entzückt darüber, wie genau die Zuschauer das von ihr mit feinem Strich portraitierte Rollmopsglas der Marke gut und günstig begutachteten und die leicht diffuse Farbe der trüben Essigbrühe samt darin befindlicher Einzelheiten für sich entdeckten. Das Rollmopsglas bot Anlass zu interessanten Diskussionen mit dem Publikum und wurde dennoch fertig. Die Künstlerin quittierte es mit Zufriedenheit und begann am zweiten Abend gleich noch mit den Blättern eines Johannisbeerzweigs.

Gefeiert wurde drinnen und draußen bis in den späten Abend; das Wetter ließ die schönen Künste nicht im Stich, und so wurde auch im Freien vom Catering reichlich Gebrauch gemacht – selbstverständlich gehen auch diese Erlöse in den rotarischen Spendentopf. Manuel Pabst, früher Musiklehrer an der Öömrang Skuul und gerade mit der Familie im Urlaub auf der Insel, spielte auf dem Flügel Barmusik („Wenn Freddie Flor mich fragt, mache ich das natürlich gern.“) und am zweiten Abend übernahm Rüdiger Sokollek die Tasten.

Im Unterschied zu vielen Einwohnern und Stammgästen der Insel war ich zum ersten Mal auf dem Künstlerfest, mischte mich unter das Publikum, hielt Augen und Ohren auf, führte das eine oder andere interessante Gespräch.

Obwohl die beiden Tage ganz schön anstrengend waren, scherzte Georg Dittmar, der Maler und Sänger (Crazy Horst) ist: „Wir sind doch alle Künstler. Wir sind gewohnt, dass es spät wird.“ Rüdiger Skadow gab seiner Hochachtung Ausdruck, dass die Amrumer Rotarier, die doch alle beruflich stark angespannt sind, diese Veranstaltung mitten in der Hochsaison allein auf die Beine stellen.

Insgesamt war ich wirklich überrascht von der Vielfalt der ausgestellten Bilder, Fotografien und Grafiken – eine bunte Mischung ganz verschiedener Stile und Techniken, die Sujets vorwiegend mit Amrum-Bezug. Es waren schöne Bilder darunter, für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas dabei, auch das eine oder andere Kleinod, das natürlich seinen Preis hat, aber über Preise zu schreiben, verbietet sich hier.

Mir hat vieles gefallen. Würde ich auf Amrum zehn Ferienwohnungen mein eigen nennen, hätte ich mir an fast jedem Stand bestimmt ein, zwei oder drei Bilder gekauft. Ich würde sie aufhängen und die Räume nach ihnen benennen. Das soll so in etwa tatsächlich schon vorgekommen sein, erzählte mir später Rüdiger Seiffert, der mit seinen tollen Grafitzeichnungen ein echter Ruhepol in der Ausstellung war und im Hauptberuf Kunstlehrer an der Öömrang Skuul ist. Das muss wohl ein rechter Segen gewesen sein, auch für die Künstler, denn nur zwei von hundert bildenden Künstlern können von ihrer Kunst allein leben.

Aquarelle mit Amrumer Landschafsmotiven – ganz unterschiedlich in der Ausführung – zeigten sowohl die Amrumer Malerinnen Hilla Randow und Birgit Sokollek als auch Susanne Hohaus aus Soest. Die Bilder hingen nicht allzu weit von einander entfernt, so hatte man einen interessanten Vergleich. Von allen drei Künstlerinnen gefielen mir einige Bilder richtig gut.

Besonders angetan hatten es mir jedoch Kai Quedens’ Eitempera-Bilder mit den klaren Farben und schlichten Formen. Offenbar nicht nur mir, denn von Rundgang zu Rundgang verschwanden seine drei ausgestellten Schiffe von der Wand und machten Platz für nachgehängte, farbenfrohe Haine und Dünenlandschaften.

Auch die „alten Amrum Hasen“, der All-Round-Künstler Ottfried Schwarz alias „Panscho“ und der Spätexpressionist Rüdiger Skadow kamen gut an. Panscho zeigte auch seine ganz neuen Arbeiten – farbig glänzende Skulpturen aus Y-ton – und sagte leise in seiner zurückhaltenden Art: „Ich kann jetzt wieder alles machen, nur noch nicht Fahrrad fahren.“

Mir haben die in kräftigen Farbtönen gemalten Bilder gut gefallen, ganz besonders die Sylt-Impressionen von Annette Kühl, die an der Wand hinter dem Flügel hingen, gleich neben ihrem, in der Öffentlichkeit bekannteren Ehemann Ingo Kühl, dessen Bilder dazu mit ihrer hellen, skandinavisch anmutende Leichtigkeit in einem spannenden Kontrast standen.

Schwedische Farbanklänge auch in den assoziativen Amrum-Abstraktionen der Rendsburgerin Almut Büsing, technisch und stilistisch jedoch überhaupt nicht mit den Syltern vergleichbar. Ebenfalls abstrakt und in Acryl, aber ganz von der Grafik her kommend: die Wattlandschaften des Amrumer Designers Nick Jungclaus aus Hamburg, der zusätzlich Druckgrafiken mit norddeutschen Motiven in schwarz-weiß präsentierte. Fast fotografisch in Öl gemalt: die Amrumer Landschaften von Katrin Biederstaedt, die als Kunstpädagogin in der Satteldüne beschäftigt ist und fünf davon verkauft hat.

Gegenständliches kam von Georg Dittmar – (Mir gefiel besonders die Frau mit Bollerwagen, aber auch Villa Helgoland.). Wagemutiges zeigte Elmar Koritzius – (seine orangen Frauen in Bewegung – ein farbenfrohes, nicht so ganz vitruvianisches Ballettensemble und die drei Frauen in weiß – frivole Eleganz am Skagen-hellen Strand). Skurriles brachte Illustrator Felix Karweick aus Lübeck mit (zwei Frauen in Tracht).

Interessant auch, neue Techniken und Ausdrucksformen kennenzulernen, wie die in einem digitalen künstlerischen Prozess entstehenden Arbeiten von Alexandra Albrand, die auf Föhr lebt und früher Professorin für Mode-Design an der Hamburger Hochschule für angewandte Wissenschaften war.

Farbiges in Acryl, sehr abstrakt, hatte Yvonne Stegmann aus Berlin-Brandenburg im Gepäck, ohne erkennbaren Amrum-Bezug, und es stellte sich hier manchen die Frage nach der Auswahl der Künstler.

Ein Dreier-Ausschuss des Rotary Clubs Amrum entscheidet jedes Jahr, welche Künstlerinnen und Künstler eingeladen werden. Es sind die kunst-affinen Rotary-Freunde Freddie Flor, Michael Langenhan und Annette Isemann, die vor zehn Jahren die Idee zu diesem Event aus Ibiza mitbrachte. Schon seit 2014 sind Künstlerinnen und Künstler dabei, die nicht von Amrum kommen oder einen unmittelbaren Bezug zur Insel haben. Michael Langenhan beantwortet die Frage so: „Angefangen haben wir mit Amrumer Künstlern, aber wir haben den Kreis erweitert, um die ganze Bandbreite der Kunst zu zeigen.“

Der Amrumer Club hat jetzt 25 Mitglieder plus ein Ehrenmitglied. Die Unterstützung sozialer und kultureller Projekte im In- und Ausland steht an erster Stelle der Aufgaben des Rotary Clubs, aber auch die Pflege von Freundschaften und die Präsenz bei den Clubaktivitäten gehören zu den Aufgaben der Rotarier.

Der Rotary Club ist eine internationale Organisation, die 1905 in den USA gegründet wurde. Etwa 80% der Einnahmen geht an regionale Projekte, mindestens 20% wird international eingesetzt, unter anderem für Notfallausrüstungen in Krisengebieten und für den Kampf gegen Kinderlähmung.

Im nächsten Jahr jährt sich nicht nur der Event Rotary trifft „Künstler auf Amrum“ zum zehnten Mal, sondern auch die Gründungsfeier des Amrumer Rotary Clubs, der im Juni 2009 „gechartered“ wurde, und – soviel sei an dieser Stelle verraten – man darf gespannt sein, was die Amrumer Rotary Freunde in ihrem Jubiläumsjahr alles auf die Beine stellen.

 

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Über Astrid Thomas-Niemann

Astrid Thomas-Niemann ist gelernte Schifffahrtskauffrau sowie studierte Sprach- und Erziehungswissenschaftlerin. Sie hat viele Jahre als Schifffahrtsanalystin gearbeitet und lebt seit 2015 in Wittdün. Als junge Frau kam Astrid 1981 das erste Mal auf die Insel und besuchte auf Zeltplatz II die Niemanns aus Hamburg, die Amrum seit 1962 urlaubsmäßig die Treue halten, inzwischen bereits in der 4. Generation.

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