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Eis geht immer

Die gute Nachricht: Heidelbeere ist das Eis des Föhr-Amrum-Sommers. Und Schokolade. Und Friesentorte. Und Buttermilch auch noch. Wobei die Möwen eindeutig die Waffeln präferieren, der Rest lässt sie kalt.

Jou… schmeckt. Sieht man.

Claudia Zeisberg macht jeden Tag frisch. „Unsere Eismänner stehen von morgens früh bis abends spät an der Maschine. Die Chefin vom Café Pustekuchen in Wittdün guckt bei Sonnenwetter auf eine nicht enden wollende Schlange Mensch vor dem Eisfenster. „Der Hit ist gerade Sanddorn und Buttermilch-Limette. Und wenn sich’s bewölkt dann Walnuss mit Feige und Amaretto. Zum Abend wird umgestellt, dann kommen aus dem Repertoire der über 70 Sorten die mit hohem Schlemmer-Potenzial in die Truhe: Campari-Orange und Praline-Krokant zum Beispiel. Es ist Zeisbergs elfte Saison, und immer wieder ist die Freude groß, wenn im Sommer die Beeren reif werden. Zweieinhalb Kilo davon stecken in einer Fünf-Liter-Schale. „Die Brombeeren kommen hier gleich vom Nachbarn hinterm Deich.“

Es bestätigt sich rund um die Eisdielen von Föhr und Amrum. Wenn die Sonne scheint, isst der Mensch weiß und bunt. Sind dunkle Wolken am Himmel, kauft er passend dazu dunkle Schokolade.

„Oder Zimt“, sagt Anita Thomsen und lacht. Die 35-Jährige betreibt mit ihrem Mann den Laden Eiskally am Sandwall. 34 Sorten, aber bei schlechtem Wetter gehen alle auf Schokolade, Marzipan-Pistazie oder eben Zimt. Der Renner ihrer Saison ist trotzdem Heidelbeere. Und das Malaga-Eis mit Rosinen, die in Wein und eben nicht in Rum baden, wird auch oft gewünscht. Das Thema Möwen ist hier sehr aktuell. „Eigentlich müssten wir ein Schild schreiben, ‘Liebe Leute passt auf eure Waffeln auf’“, sagt Thomsen und lacht. Die immer frisch gebackenen Teilchen sind bei den Möwen der Hit 2017.

Ein paar Meter entfernt bei der Eisbar Glenngelato werden hoch getürmte Eisbecher balanciert. Inhaber Glenn Grupp merkt auch gleich, wenn Sommer ist. „Dann wird sofort Frucht gegessen.“ Erdbeere, Himbeere, Mango und Zitrone. Sonst Schokolade und Stracciatella. Es ist Grupps achtes Jahr. 250 Liter, also 50 Fünf-Liter-Schalen, machen er und sein Team jeden Tag frisch. Den Ausbruch der Vanillepreise von 30 auf bis zu 500 oder 600 Euro fürs Kilo beobachtet er natürlich. Schließlich ist Vanille überall drin. „Ich glaube, da ist auch viel Spekulation der Zulieferer im Spiel“, sagt der 56-Jährige.

„Den Vanillepreis fangen wir mit der Mischkalkulation auf“, sagt Sveja Hogrefe vom Eiscafé Cappuccino in der Norddorfer Fußgängerzone. „Es gibt ja immer verschieden aufwändige Eissorten.“ Der Hit 2017 ist auf jeden Fall Friesentorte (mit Blätterteig, Pflaumenmus, Vanille und Zimt). „Die Specials laufen sowieso am besten, wie Sanddorn-Orange, Buttermilch-Mango oder Rhabarber“, sagt die Amrumerin. Schokolade, Nougat, Haselnuss sind hingegen die Schlechtwettersorten. Sehr dankbar werden auch die fünf veganen Fruchteissorten angenommen, die Hogrefe auch täglich frisch macht. „Die Basis ist ohne tierische Produkte und mit sehr hohem Fruchtanteil.“

Bei Rialto am Norddorfer Dorfplatz wird Eis vom Vertragspartner Giovanni L. verkauft – alles gewaltigen Farbkompositionen. Im Angebot Chai-Latte und Mozart-Praline. „Aber das Lieblingseis ist Joghurt-Kirsch“, sagt Betreiber Gulam Ulla Khan. Die Kugel kostet hier nicht ein Euro oder 1,20 Euro, wie im Schnitt, sondern 1,50 Euro.

Nebenan ist Carlo Bisigniani seit Juli zurück. Der Italiener war schon von 1976 bis 2013 auf Amrum und hat nach einer Stippvisite in Hamburg nun wieder seine Eisdiele vor Ort. Lieblingssorten 2017: alles mit Keksen und Ferrero Rocher. Die Eismaschine im Laden läuft zweimal am Tag. „Eis wird hier immer gegessen, egal, wie das Wetter ist“, sagt der 70-jährige Italiener ganz positiv gestimmt.

Selber macht das Eiscafé Nautilus in Nebel sein Eis nicht. Sie bekommen es von Langnese geliefert. „Zitrone, Orange, Vanille und Tiramisu sind bei uns am beliebtesten“, sagt Inhaberin Vera Heckel. „Bei den Eisbechern ist mir dieses Jahr aufgefallen, dass weniger Frucht gewünscht wird, dafür mehr kräftige Varianten, wie Banana-Flip und Nussbecher.“

Auch Andreas Vogt vom Eisdänen in der Wyker Königstraße bekommt sein Eis geliefert. „Das dänische Sahne-Softeis ist seit 1985 der Renner, egal, bei welchem Wetter“, sagt der Föhrer. Die teure Vanille darin macht ihm keine Sorgen, „Da gelten Jahrespreise und auf die kann man sich einstellen.“ Was läuft als Kugel? „Joghurt-Rote Grütze und Irish Whisky mit Amaretto und Baileys sind dieses Jahr am beliebtesten“, erzählt Vogt.

„Hier ist Friesentorte der Renner“, sagt Trinh Drews, die im Februar die „Kaffeeflut“ in Wittdün übernahm. „Aber auch Sanddorn und Lavendel.“ Den Grundstoff dafür holt Drews gegenüber aus der Apotheke. 16 Sorten sind im Programm, für Sensible gibt es immer drei bis vier Sorten lactosefreies Sorbeteis.

Bei André Rode im „Cappuccino“ in Nieblum verlagert sich bei Schlechtwetter sofort alles auf die frisch gebackenen Waffeln. Der 38-Jährige Eismacher probiert jedes Jahr Neues aus. Bei Sonne geht Bottermelk-Fresh, Pistazie mit weißer Schokolade und Joghurt-Granatapfel am meisten über die Theke. 24 Sorten passen rein. Aber da Rode 60 verschiedene im Angebot hat, wird jeden Tag gewechselt. „Der Trend geht auch immer mehr weg von den Eispasten, hin zu mehr Natur. In Nutella-Eis ist Nutella, in Raffaello der leckere Kokos-Mandel-Mix“, sagt Rode, an dessen Eistheke manchmal noch nach 22 Uhr die Schleckermäuler was in die Waffel kriegen.

 

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Über Undine Bischoff

Journalistin und Texterin. Fuhr mit drei Jahren zum ersten Mal über den Kniep – in einer Schubkarre. Weil ihr Vater da draußen eine Holzhütte baute, zwanzig Feriensommerjahre lang. Betextet Webseiten und Kataloge, schreibt für verschiedene Medien und natürlich für Amrum News.
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