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Bürgerversammlung in Wittdün…

Im Juli dieses Jahres verfassten etwa 30 Wittdüner Bürger einen offenen Brief an den Bürgermeister und die Gemeindevertretung der Gemeinde Wittdün. Hierin beklagten sie die Informationspolitik, die hohe Tourismusabgabe, die Anzahl und Qualität der Veranstaltungen und auch das generelle Erscheinungsbild der Gemeinde Wittdün ( Amrum-News vom 7.8.2017 ).
Um diese Themen anzusprechen, hatte Bürgermeister Jungklaus zu einer Einwohnerversammlung eingeladen. Neben den Vorsitzenden des Finanz,- Tourismuss, – und Bauausschusses waren Mitarbeiter des Amtes Föhr Amrum und der Tourismuschef Frank Timpe anwesend, um alle etwaig aufkommenden Fragen zu beantworten.
Das Erscheinen von fast 100 Einwohnern machte deutlich, dass neben einem starken Informationsbedürfnis auch der Wunsch vorhanden war, den Kommunalpolitikern zu verschiedenen Themen ein Feedback zu geben.

AmrumBadeland – hier ist ein Anbau geplant

Als Einleitung gab Frank Timpe einen Überblick über die Tourismusentwicklung auf Amrum und speziell auch in Wittdün. In 2016 besuchten 41.274 Gäste mit 362.284 Übernachtungen die Gemeinde Wittdün. Nebel zählte 44.502 Gäste mit 446.990 Übernachtungen und Norddorf 53.517 Gäste mit 488.430 Übernachtungen. Während sich in Nebel und Norddorf die Anzahl der Gäste und der Übernachtungen in den letzten Jahren kontinuierlich nach oben entwickelte, ist in Wittdün ein negativer Trend zu beobachten. In den letzten 10 Jahren ist die Anzahl der Gäste um 12.5% rückläufig und die Anzahl der Übernachtungen um 6,25%.
Eine Frage der Einwohner bezog sich auf die Anzahl und Qualität der Veranstaltungen in Wittdün. Hierzu präsentierte Frank Timpe eine Analyse der Veranstaltungen von 2016, für die in Amrum Aktuell geworben wurde: Es gab insgesamt 3880 Veranstaltungen, wovon 1557 in Wittdün, 997 in Nebel und 1233 in Norddorf stattfanden. Größere, publikumswirksame Veranstaltungen mit prominenten Künstlern können aufgrund der Raumgröße nur im Gemeindehaus Norddorf durchgeführt werden. In 2016 gab es in Wittdün 44 kleinere Musikveranstaltungen, die hauptsächlich in der Blauen Maus und der Kirche stattfanden. Eine weitere Verbesserung des Angebots kann sicherlich durch die neu entstehenden Konferenz/Veranstaltungsräume des geplanten Anbaus beim Amrum Badeland entstehen. Dieses ist ein Projekt in Kooperation mit der Schutzstation Wattenmeer.

Neue kurzfristige Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur sind die Erneuerung der Wirtschaftsgebäude des FKK Zeltplatzes und der Umbau / Renovierung der Strandbar.
Ein weiterer Kritikpunkt ist das Erscheinungsbild einiger Ortsbereiche. Der Fußweg Köhns Übergang sowie insbesondere die untere Wandelbahn wurden hier angesprochen. Vorabinformationen aus einer Studie von dwif Consulting mit dem Titel: Ortsbildqualität als Erfolgsfaktor des Qualitätstourismus – sprechen neben anderen Bereichen auch gezielt Verbesserungsmöglichkeiten auf der unteren Wandelbahn an. Weitere Punkte waren eine bessere Nutzung des Nordstrandes sowie auch das Erscheinungsbild des Kurparks. Über geplante Änderungen gab es an diesem Abend leider keine Information.
Die Höhe der Tourismusabgabe in Wittdün war erwartungsgemäß der am intensivsten diskutierte Punkt des Abends. Die Wittdüner Bürger machten deutlich, dass für sie die jetzige Höhe der Tourismusabgabe nicht mehr akzeptabel ist. Seit der gesetzlich vorgeschriebenen Umstellung auf die umsatzbezogenen Erhebung, hat sich die Tourismusabgabe von ca. 130.00 € auf 260.00 € verdoppelt. Die im Vergleich zu den Nachbargemeinden Nebel und Norddorf um den Faktor 4 höhere Abgabe stellt mittlerweile einen erheblichen Wettbewerbsnachteil dar.
Zur Einleitung dieses Themas gaben Tobias Schmidt und Sebastian Kaiser vom Amt Föhr Amrum einen Überblick über die Haushaltszahlen von Gemeinde und AmrumTouristik Wittdün und erklärten anschließend die Grundlagen zur Festlegung der Tourismusabgabe.
Die Amrum Touristik Wittdün ist ein Eigenbetrieb der Gemeinde Wittdün. Ein ausgewiesener Verlust der Amrum Touristik Wittdün muss zu 100% von der Gemeinde ausgeglichen werden. Durch die jährlichen die Verlustzuweisungen an die Amrum Touristik ist die Gemeinde zu einer Fehlbedarfsgemeinde geworden. Um diese Fehlbedarfszuwendungen auf einem Minimum zu halten, ist die Gemeinde und somit auch die Amrum Touristik Wittdün angehalten, alle Einnahmequellen auszuschöpfen.
Die Hauptursache für den jährlichen Verlust der Amrum Touristik Wittdün ist das Amrum Badeland, welches in 2016 ein negatives Betriebsergebnis von 490.000 € aufwies. Einnahmen von 483.000 € standen Ausgaben von 973.000 € gegenüber ( Zahlen vorläufig, da Jahresbilanz 2016 noch nicht komplett). Eine Reihe von Optimierungsmaßnahmen auf der Ausgabenseite (z.B. Energiesparmaßnahmen) hat die Situation zwar verbessert aber das Problem nicht nachhaltig gelöst.
Die Ausgaben der Amrum Touristik Wittdün finanzieren sich durch
– Gebühren , Entgelte und Erlöse
– Tourismusabgabe
– Kurabgabe
– Eigene Haushaltsmittel
In 2016 betrug der Anteil der Kurabgabe 38% und der der Tourismusabgabe 17%. Bei gleichbleibenden Ausgaben ist eine Entlastung der Tourismusabgabe nur möglich, durch:
– Mehreinnahmen durch Kurabgabe oder
– Mehreinnahmen durch Gebühren, Entgelte und Erlöse
Eine Entlastung der Tourismusabgabe-Pflichtigen durch zusätzliche eigene Haushaltsmittel der
Gemeinde ist nicht zulässig.
Es entbrannte eine intensive Diskussion, über die Möglichkeit, die Kurabgabe zu erhöhen. Einerseits möchte man keine höhere Kurabgabe wie Nebel oder Norddorf erheben, andererseits glaubt man nicht, dass Nebel und Nordorf einer insularen Lösung zustimmen werden und die Kurabgabe auf ganz Amrum einheitlich anzuheben. Die notwendige Einhaltung des Kostenüberdeckungsgebots ließe sich durch eine Ausgleichszahlung an Wittdün erreichen. Zurzeit unterstützen Nebel und Norddorf mit jeweils etwa 10.000€ den Betrieb des Amrum Badelandes. Eine Anfrage vor einiger Zeit an beide Gemeinden zwecks höherer Unterstützung war negativ. Erhebungen haben gezeigt, dass eine großer Prozentsatz der Nutzer des Amrum Badelandes auch aus Nebel und Norddorf stammen. Alle waren sich einig, dass das Amrum Badeland zu Steigerung der Attraktivität des Urlaub Standortes Amrum beiträgt und man wünscht sich weitere Gespräche mit den anderen Gemeinden, um eventuell doch noch eine Lösung herbeizuführen.
Bürgermeister Jungklaus beendete die Versammlung mit der Aufforderung: „Sollten noch Fragen offen sein, wenden sie sich bitte direkt an mich oder die Gemeindevertreter“.
Auch wenn am Ende der Veranstaltung noch nicht alle Fragen gestellt waren, fanden viele Teilnehmer die Einwohnerversammlung sinnvoll, und wünschen eine Wiederholung.

 

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Über Ralf Hoffmann

Ralf Hoffmann wurde 1955 in Schleswig geboren und zog mit seinen Eltern und Geschwistern 1962 nach Amrum. Nach dem Abitur in Niebüll studierte Ralf Luft und Raumfahrttechnik in Berlin. Die ersten 6 Berufsjahre verbrachte er als Entwicklungsingenieur bei VW und danach wechselte er als Aerodynamischer Entwicklungsingenieur zu Ford nach Köln. Als Leiter der Aerodynamischen Entwicklung für Ford Europa und die letzten 15 Jahre als Manager Aerodynamik und Motor- und Komponentenkühlung war er weltweit verantwortlich und viel unterwegs, um die jeweiligen Prototypen unter Hitze und Kälte zu testen. Nach all den Jahren auf dem Festland sind Ralf und seine Frau Karin nun wieder nach Amrum zurückgekehrt.
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