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Vom „Höker“ zum modernen Supermarkt – 115 Jahre Lebensmitteleinzelhandel Familie Müller

Als Friedrich Müller im Jahre 1902 seinen Lebensmittelladen in Klixbüll eröffnete, nannte man den Kaufmann noch „Höker“. Damals kannte man noch keine Plastikverpackung, vieles wurde offen verkauft und extra abgewogen, Getränke wurden in Flaschen abgefüllt. Auch bezahlt wurde anders, gekauft wurde mit dem Kontobuch. Hier wurde eingetragen was gekauft wurde, gezahlt wurde halb- oder vierteljährlich. Da gab es schon Tage, an denen die Tageskasse nur spärlich gefüllt war. Natürlich waren die Preise auch anders. Schaut man in eine Preisliste von 1910, so staunt man über 3,25 Mark für einen Zentner Kartoffeln oder 5 Pfenning für ein Bündel Rhabarber.

Großvater Heinrich und Tini Müller beim Verkauf im Klixbüller Laden 1959

Als Friedrich Müller 1937 starb, stieg Sohn Heinrich ins Geschäft ein. Er hatte den Beruf des Kaufmanns von seinem Vater gelernt. Bevor er den Familienbetrieb in Klixbüll übernahm, pachtete Heinrich Müller von 1925 bis 1935 ein Lebensmittelgeschäft in Wyk auf Föhr.

Auch in der Zeit nach dem 2.Weltkrieg wurde noch „lose“ verkauft. Essig lagerte in Tonnen und Petroleum wurde aus 500 Liter Fässern aus dem Keller direkt in den Laden gepumpt. Nach fast 40 Jahren übergab Heinrich Müller 1968 das Geschäft an die 3.Generation, seinen Sohn Fred. Auch dieser hatte seine Lehre im elterlichen Betrieb gemacht. Fred und Edith Müller erweiterten dann auch das Sortiment um Spielsachen, Schuhe, Handwerksbedarf und Bekleidung. Der Lebensmittelladen in Klixbüll war zu einem kleinen Supermarkt geworden.

Es kam jedoch die Zeit der großen Einkaufsmärkte und die Situation für den „Kaufmannsladen an der Ecke“ wurde Zunehmens schwieriger. Wirtschaftlich machte es keinen Sinn den Laden an die nächste Generation zu übertragen und 1993 wurde das Geschäft schließlich geschlossen. Aber trotzdem blieb die 4.Generation dem Lebensmittelhandel treu. Sohn Heiko, geboren 1967, lernte von 1982 – 85 Groß und Einzelhandelskaufmann bei Frenzel in Leck und arbeitete später im Lebensmittelhandel in Aventoft. Über seine Tätigkeit im Großhandel der SPAR erfuhr Heiko dann im November 1992, dass der SPAR Markt auf Amrum abgegeben werden sollte. Schon immer wollte sich Heiko selbständig machen und so übernahm er am 1.1.1993 den SPAR Markt in Wittdün auf Amrum. Somit führt auch die 4.Generation der Familie Müller wieder ein Lebensmittelgeschäft.

Der Amrumer Zentralmarkt

Der Amrumer Zentralmarkt wuchs über all die Jahre kontinuierlich. 1997 kam der Drogeriemarkt „Ihr Platz“ hinzu und im Jahre 2000 wurde zusammen mit 2 Partnern zusätzlich das EDEKA Geschäft in Norddorf eröffnet. 2007 wurde dann komplett umgebaut und es entstand ein großer, moderner Lebensmittelmarkt mit ca.700 qm Verkaufsfläche. Haushaltsartikel, Farben, Werkzeug, Tiernahrung und viele andere Dinge des täglichen Bedarfs wurden in das Geschäft „Pütt und Pann“ schräg gegenüber ausgelagert. Heute beschäftigt Heiko Müller in der Saison bis zu 45 Mitarbeiter und sein sehr gut sortiertes Sortiment umfasst über 15.000 verschiedene Artikel.

Heiko Müller vor dem Weinregal – sein besonderes Steckenpferd …

„Ich schätze den Kontakt zu meinen Kunden und liebe es zu verkaufen“ sagt Heiko Müller auf die Frage, warum er Kaufmann geworden ist.

Heiko und seine Frau Susanne engagieren sich in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens. Auch die Kinder fühlen sich auf Amrum sehr wohl, ob eines von ihnen die 5.Generation im Lebensmittelhandel sein wird, ist noch offen.

Am 6.12.2017 von 14:00 – 18:00 möchte sich Heiko Müller mit einem Empfang im EDEKA Amrumer Zentralmarkt  bei seinen Kunden für die langjährige Treue bedanken und das Jubiläum „115 Jahre Lebensmitteleinzelhandel Müller“ mit seinen Kunden und Mitarbeitern feiern.

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Über Ralf Hoffmann

Ralf Hoffmann wurde 1955 in Schleswig geboren und zog mit seinen Eltern und Geschwistern 1962 nach Amrum. Nach dem Abitur in Niebüll studierte Ralf Luft und Raumfahrttechnik in Berlin. Die ersten 6 Berufsjahre verbrachte er als Entwicklungsingenieur bei VW und danach wechselte er als Aerodynamischer Entwicklungsingenieur zu Ford nach Köln. Als Leiter der Aerodynamischen Entwicklung für Ford Europa und die letzten 15 Jahre als Manager Aerodynamik und Motor- und Komponentenkühlung war er weltweit verantwortlich und viel unterwegs, um die jeweiligen Prototypen unter Hitze und Kälte zu testen. Nach all den Jahren auf dem Festland sind Ralf und seine Frau Karin nun wieder nach Amrum zurückgekehrt.

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