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Amrum bekam die Naturgewalt der Sturmtiefserie nicht mit voller Macht zu spüren …

Als Bilanz nach den in nur kurzer Folge über Norddeutschland hinweggezogenen Sturmtiefs Daniel, Elon und Felix kann man für die Insel Amrum behaupten, dass zwar Schäden zu verzeichnen sind, aber die in den Medien befürchteten Ausmaße ausgeblieben sind.

Angst vor Flugsand durfte man am Strandübergang Norddorf nicht haben...

Angst vor Flugsand durfte man am Strandübergang Norddorf nicht haben…

Wie groß die erneut zu verzeichnenden Sandverluste an den Küsten der nordfriesischen Inseln sind, wird man erst durch die professionelle Begutachtung der Landesküstenschützer sicher einschätzen können. Aber die permanent höher auflaufenden Fluten der vergangenen Tage und die am Sonntagmorgen eingetretene Sturmflut haben wieder ganze Arbeit geleistet. An der Westküste sind manche Vordünen auf dem Kniepsand extrem abgetragen worden und die erst im Mai 2014 ausgeführte Sandpuffermaßnahme vor Ban Horn scheint bereits wieder aufgezerrt.

Die Tonnenbearbeitungshalle des WSA wurde vorsorglich mit dem Flutschutz gesichert...

Die Tonnenbearbeitungshalle des WSA wurde vorsorglich mit dem Flutschutz gesichert…

Wie der Leiter des Außenbezirks Amrum des Wasser- und Schifffahrtsamts Wolfgang Stöck berichtete, lag am Sonntagmorgen der Hochwasserstand um 04:37 Uhr am Pegel Seezeichenhafen bei 855 m über Pegelnull und damit bei 2,31 Metern über dem mittleren Hochwasserstand. „Nur gut, dass wir bereits am Samstag die Flutwasserschotten vor die Tonnenhallentore montiert haben.

Seezeichenhafen Wittdün blieb bei 2,30 müMHW nicht trocken.

Seezeichenhafen Wittdün blieb bei 2,30 müMHW nicht trocken.

Dort stand das Wasser am Sonntag 30 cm hoch am Gebäude an“, so Wolfgang Stöck. Besondere Vorkommnisse waren allerdings nicht weiter zu verzeichnen. „Dem Tonnenleger „Amrumbank“ haben wir aufgrund des großen Winddrucks eine zusätzliche Spring gelegt und den Festmachern mehr Länge gegeben“, so Stöck. Bei jeder schauerartigen Böe wurde noch mehr Wasser in den Hafen gedrückt und gleichzeitig demonstrierte das Sturmtief seine immer noch beachtliche Kraft.

Am Fähranleger in Wittdün hatte die MS „Schleswig-Holstein“ bereits seit gestern um 17.00 Uhr Quartier bezogen. Die 17.25 Uhr Verbindung nach Föhr und Dagebüll fiel am Samstag aus. Und auch für den Sonntag hatten die Fahrgäste der Wyker Dampfschiffs-Reederei mit Änderungen im Fahrplan zu leben. „Die „Schleswig-Holstein“ musste an Anleger 1 anlegen, weil der Wasserstand so hoch war, dass ein Anlegen an Brücke 2 nicht möglich war“, berichtet ein Mitarbeiter der Reederei auf Amrum.

noch eine Stunde nach Hochwasser trat das Wasser über den Fähranleger...

noch eine Stunde nach Hochwasser trat das Wasser über den Fähranleger…

Beim Auflegen zusätzlicher Leinenverbindung hatte er so heftige Wellen abbekommen, dass das Wasser von oben schon wieder unter der Regenkleidung innen durchlief und auch die Gummistiefel bis oben hin vollstanden. „War das kalt“, verdeutlichte er später. Einer der Festmacher ist durch die Gewalt des Windes gebrochen und der Wellenschlag hat ein Geländer an Bord weggerissen. Die für das Abfertigungspersonal montierten Wetterschutzhäuschen an den Fährbrücken haben die Nacht auch nicht schadlos überstanden.

Für ein Filmteam, das derzeit Dreharbeiten für einen Amrumfilm durchführt, bot sich eine gute Gelegenheit die Naturgewalten auf Festplatte zu binden. Es sah für den Beobachter allerdings ein wenig wagemutig aus, als sich das Team bis in die Brandungszone auf dem Fähranleger vorwagte und mitten in den kalten Fluten drehte. Aber auch viele Spaziergänger nutzten die Chance die Naturgewalten zu erleben und scheuten einen Ausflug an den Kniepsand nicht. Sie mussten nur unerschrocken genug sein, um wie zum Beispiel am Strandübergang Norddorf sich durch das Sandstrahlgebläse durchzukämpfen um dann die starken Aerosole der Nordsee einatmen zu können.

Um einen Film zu drehen muss hart gesotten sein...

Um einen Film zu drehen muss hart gesotten sein…

Für die Feuerwehren auf Amrum verlief das Wochenende nach Aussage der Wehrführungen ruhig und ohne besondere Einsätze. Lediglich die Kameraden der Ortsfeuerwehr Süddorf-Steenodde mussten am Samstagabend einmal ausrücken. „Eine Kiefer hatte sich auf die Seite gelegt und hing über die Landesstraße“, erklärte der stellvertretende Ortswehrführer Christian Peters. Pkws hätten noch passieren können, aber ein Linienbus oder LKW hätte Schaden genommen. Die Motorsägen machten dem Sturmopfer ein schnelles Ende. „Glücklicherweise hatten wir keinen besonderen Wellenschlag am Deich in Steenodde, ansonsten hätte die Lage dort auch anders aussehen können“, zeigte sich Peters erleichtert.

Auch in den nächsten Tagen soll es laut der Wettervorhersagen stürmisch bleiben. Ob ein weiterer ausgewachsener Sturm in voller Orkanstärke in dieser Woche noch über uns herzieht, scheint noch nicht ganz klar zu sein. Die ständig aktualisierten Wettermodelle zeigen sich derzeit immer noch mit stark unterschiedlichen Szenarien.

 

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Über Thomas Oelers

Thomas Oelers wurde 1966 in Wittdün auf Amrum geboren - ein echtes Inselkind. Nach seiner Schul- und Ausbildungszeit entschied er sich auf der Insel zu bleiben. Heute arbeitet der Vater von 2 Kindern in einem Wittdüner Betrieb als Zentralheizungs- und Lüftungsbaumeister. Seit 2003 recherchiert und fotografiert er als freier Journalist akribisch im Amrum-News Team.
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