Gelbe Blüten im Blick: Campinggäste helfen beim Dünenschutz …

Gelbe Blüten gehören zum Sommer auf Amrum. Doch auf dem Campingplatz wurde eine Pflanze entdeckt, die genauer unter die Lupe genommen werden sollte: das Schmalblättrige Greiskraut. Bei einer gemeinsamen Pflegeaktion lernten 14 Campinggäste, die invasive Pflanze sicher zu erkennen – und halfen dabei, ihre weitere Ausbreitung in die Dünen einzudämmen.

Zum Auftakt der Aktion informierte die Leiterin des Naturzentrums über das Schmalblättrige Greiskraut – mit besonderem Augenmerk auf die sichere Erkennung der invasiven Pflanze. ©Dominic Cloudt

Nicht jede gelbe Blüte ist harmlos

Wer im Sommer auf Amrum unterwegs ist, begegnet ihnen überall: gelbe Blüten in den Dünen, am Wegesrand und auf offenen Flächen. Doch zwischen den vielen heimischen gelb blühenden Pflanzen kann auch eine Art auftauchen, die für empfindliche Lebensräume problematisch werden kann – das Schmalblättrige Greiskraut (Senecio inaequidens).

Das Schmalblättrige Greiskraut gehört zu den Korbblütlern. Bis zu 120 kleine Einzelblüten sitzen in einem „Körbchen“ und bilden gemeinsam den charakteristischen Blütenkopf.

Diese Greiskraut-Art stammt ursprünglich aus dem Süden Afrikas. In Europa gilt sie als invasive gebietsfremde Art. Die Pflanze ist ausgesprochen anpassungsfähig und breitet sich vor allem auf trockenen und offenen Böden sehr schnell aus.

Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu anderen Greiskräutern ist die Blattform: Auf den ersten Blick erinnern die langen, bis zu 2 Millimeter schmalen Blätter an Rosmarin.

Warum ist das Schmalblättrige Greiskraut problematisch?

Das Schmalblättrige Greiskraut hat einige Eigenschaften, die ihm bei der Ausbreitung zugutekommen. Die Art produziert von Juni bis in den Dezember hinein große Mengen an Samen, die vor allem durch den Wind verbreitet werden. Die Pflanze kommt mit trockenen Bedingungen gut zurecht und besiedelt in dichten Beständen bevorzugt offene Bodenstellen. Genau diese Flächen sind in den Dünen besonders wertvoll, denn hier finden zahlreiche spezialisierte Pflanzen- und Tierarten ihren Lebensraum. Die dichten Bestände des Schmalblättrigen Greiskrauts können dazu führen, dass diese Lebensräume für zum Beispiel zahlreiche Insektenarten verloren gehen.

Eine gut entwickelte Pflanze des Schmalblättrigen Greiskrauts kann in einem Jahr Hunderte Blütenkörbchen und bis zu 40.000 Samen bilden. Wie beim Löwenzahn werden die Samen mit ihren kleinen Schirmchen vom Wind verbreitet.

Ein blinder Passagier aus Südafrika

Wie kommt eine Pflanze aus dem südlichen Afrika nach Europa?

Die Samen des Schmalblättrigen Greiskrauts gelangten einst mit Importen von Schafswolle nach Europa. Erste Vorkommen wurden in Deutschland bereits Ende des 19. Jahrhunderts in Häfen und in der Nähe von wollverarbeitenden Betrieben gefunden.

Seine eigentliche Erfolgsgeschichte begann jedoch erst Jahrzehnte später. Seit Anfang der 1970er-Jahre breitet sich die Pflanze europaweit mit hoher Geschwindigkeit aus. Dies geschieht vor allem entlang von Autobahnen und Eisenbahnlinien. Die Samen werden durch Luftverwirbelungen von Fahrzeugen sowie in Reifenprofilen weitertransportiert.

Nun ist das Schmalblättrige Greiskraut auch auf Amrum angekommen. Entdeckt wurde es an den Parkplatzrändern des Campingplatzes. Von dort aus hatten erste Exemplare bereits begonnen, einen Dünenhang zu erobern. Bei einer gemeinsamen Begehung mit dem Betreiber Dominic Cloudt war schnell klar: Hier sollte möglichst früh gehandelt werden.

Die Idee: eine gemeinsame Pflegeaktion mit den Campinggästen unter fachlicher Leitung des Öömrang Ferian. Und auch für die Motivation nach getaner Arbeit war gesorgt: Der Campingplatz versprach Kaffee und Kuchen.

Zufrieden blicken die Gäste des Campingplatzes auf ihr Werk: Gemeinsam haben sie einen großen Haufen Schmalblättriges Greiskraut entfernt – ein wichtiger Beitrag zum Schutz der Amrumer Dünen.

Gemeinsam gegen die Ausbreitung

Kurz darauf startete die gemeinsame Aktion. Zunächst musste eine wichtige Frage geklärt werden: Wie erkennt man das zu den Korbblütlern zählende Schmalblättrige Greiskraut sicher?

Die Antwort ist gar nicht so einfach. Auf dem Gelände wachsen viele heimische Korbblütler mit gelben Blütenköpfen. Kleinköpfiger Pippau, Ferkelkraut, Herbst-Löwenzahn oder Doldiges Habichtskraut können auf den ersten Blick sehr ähnlich aussehen.

Nach einer Einführung in die Bestimmungsmerkmale durch die Leiterin des Naturzentrums ging es schließlich an die Arbeit. Eineinhalb Stunden lang wurde genau hingeschaut, gesammelt und kontrolliert. Dann war es geschafft.

Beim anschließenden gemeinsamen Kaffeetrinken ließ man die Aktion noch einmal Revue passieren. Das Fazit: Es hat Spaß gemacht, man hat etwas gelernt und dabei ganz konkret etwas für den Schutz der Amrumer Dünen getan.

Und eines ist nach diesem Nachmittag sicher: Beim nächsten Spaziergang durch Amrums Dünen werden 14 Campinggäste wahrscheinlich etwas genauer hinschauen, wenn ihnen gelbe Blüten begegnen.

Über Karen Heidemann

Karen Heidemann erblickte das Licht der Welt 1963 in Bremen, nach dem Abitur folgten eine Ausbildung zur MTRA und erste Berufsjahre in Bremer Kliniken, 1988 Studium der Biologie in Oldenburg, entdeckte dort ihre Leidenschaft für die Botanik, schloss ein Auslandsstudium in den USA mit Forschungstätigkeit im Yellowstone Nationalpark ein, war nach ihrem Diplom 1995 als Biotopkartiererin in den neuen Bundesländern unterwegs, wechselte 1996 an die Uni Trier als Wissenschaftliche Mitarbeiterin, entdeckte dort im Rahmen einer ehrenamtlichen Vereinstätigkeit ihre zweite Leidenschaft: Umweltbildung. Ging im Jahr 2000 nach Köln, um als Bildungsreferentin / Projektleiterin in der nachuniversitären Weiterbildung Schwerpunkt Medizin tätig zu werden. Nachdem ihre 2 Töchter zwecks Studiums eigene Wege gingen, verwirklichte sie 2023 ihren Traum, auf einer Nordseeinsel zu leben und kam nach Amrum. Dort war sie in den Bereichen Umweltbildung und Schutzgebietsbetreuung am Naturzentrum in Norddorf tätig, 2025 übernahm sie dort die Leitung.

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