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Zweite Amrumer Gesprächsrunde zur Novellierung der Befahrensverordnung und zum Verbot des Kitesurfens im Nationalpark…

Anlässlich der bevorstehenden Novellierung der Befahrensverordnung im Nationalpark Wattenmeer und, damit verbunden, dem Verbot des Kitesurfens  auf großen Flächen des Wattenmeers, fand am vergangenen Donnerstag die zweite Gesprächsrunde auf Amrum statt. Über das erste Treffen zum Thema berichtete AmrumNews bereits im November letzten Jahres.

Die Diskussion wurde sachlich und fair geführt

Die Diskussion wurde sachlich und fair geführt

An der aktuellen Gesprächsrunde nahmen Vertreter der Amrumer Gemeinden, der AmrumTouristik, der Naturschutzverbände, der Wassersportler und der Nationalparkverwaltung teil. Herr Frank Timpe von der AmrumTouristik moderierte die Veranstaltung und gab als Einführung einen kurzen Überblick über den bisherigen Ablauf der Gespräche mit dem bisherigen Fazit, dass das generelle Verbot des Kitesurfens und das Ausweisen von Kitesurfgebieten auf Amrum mehrheitlich kritisch gesehen wird. Anschließend fasste Dr. Detlef Hansen (Leiter der Nationalparkverwaltung) den aktuellen Sachstand zum Thema zusammen. Da die Zonierung im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer den aktuellen Gegebenheiten (z.B. Verlagerung der Sandbänke) angepasst werden soll, planen Bund und Länder eine Novellierung der bisherigen Befahrensverordnung, die auf das Jahr 1999 zurückgeht. Gleichzeitig soll das Kitesurfen im Nationalparkgebiet naturverträglicher gestaltet werden, indem großflächige Gebiete dafür ausgewiesen werden. Er bekräftigte die Zustimmung der Nationalparkverwaltung zum Kitesurfen im Nationalpark und machte deutlich, dass es nicht um ein Verbot des Kitesurfens geht, sondern darum, Naturschutz und wassersportliche Nutzung in Einklang zu bringen. Hierzu fanden und finden nicht nur Gespräche zwischen den Ländern Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen statt, sondern auch innerhalb der Länder und vor Ort mit den Beteiligten (d.h. Nationalpark-Kuratorien, Tourismusverantwortliche, Gemeinden, Schifffahrt, Wassersportlern, Naturschutzverbänden usw.). Die bisherigen Gespräche wurden sachlich und konstruktiv geführt. Zudem mahnte er eine mit allen Beteiligten zu erarbeitende einvernehmliche Lösung an, damit diese auch für die Zukunft tragfähig ist und bleibt. Bezugnehmend auf die einzelnen Gebiete Amrums informierte er darüber, dass nach aktuellen Messungen der Mthw-Linie unter Berücksichtigung des 150m-Streifens die Kniepbucht nicht mehr unter die Befahrensverordnung fällt. Die Regelung des Kitesurfens in der Kniepbucht entfiel daher von der Tagesordnung.

Als naturschutzfachlich unkritisch (grün) wird der Bereich von der Pfahlreihe am Kniephaken bis zum nördlichen Ende des Norddorfer Strandes und die Steenodder Bucht betrachtet, sofern Rastvögel und die Eiderentenschonzeit beachtet werde. Als naturschutzfachlich kritisch (rot) wird die Wittdüner Kniepbucht und der Bereich von Steenodde bis um die Amrumer Odde betrachtet (Quelle: Google Earth)

Als naturschutzfachlich unkritisch (grün) wird der Bereich von der Pfahlreihe am Kniephaken bis zum nördlichen Ende des Norddorfer Strandes und die Steenodder Bucht betrachtet, sofern Rastvögel und die Eiderentenschonzeit beachtet werde. Als naturschutzfachlich kritisch (rot) wird die Wittdüner Kniepbucht und der Bereich von Steenodde bis um die Amrumer Odde betrachtet (Quelle: Google Earth)

Anschließend berichteten die Vertreter der auf Amrum aktiven Naturschutzverbände über die Situation in den von ihnen betreuten Bereichen der Amrumer Küste. Dr. Thomas Chrobock vom Öömrang Ferian gab einen Überblick über die Brutvögel auf dem Kniepsand und an der Ostküste. Er berichtete, dass es an der Westküste auf dem Kniepsand keine Probleme mit Wassersportlern gibt. Zudem werden einige Gebiete während der Brutzeit eingezäunt. Diese liegen allerdings nicht direkt am Wasser, sondern auf dem Strand selbst. Er betonte die herausragende Bedeutung der Ostküste als Bruthabitat und Rastplatz für verschiedene Vogelarten (z.B. Austernfischer, Eiderenten, Rotschenkel, Säbelschnäbler, Sandregenpfeifer u.a.). Hier kann es zu Störungen durch Wassersportler kommen, allerdings beschränke sich die wassersportliche Nutzung der Ostküste zumeist auf Bereiche in und um die Steenodder Bucht und die Wittdüner Kniepbucht. Herr Dieter Kalisch vom Verein Jordsand beschrieb anschließend die Situation im Naturschutzgebiet Amrumer Odde. Auch dieses Gebiet ist wichtig als Brut- und Rastgebiet für Vögel. Er führte aus, dass es in diesem Gebiet, das schon sehr lange als Naturschutzgebiet ausgewiesen und daher sehr bekannt ist, gelegentlich zu Störungen durch Wassersportler, vor allem durch Stehpaddler die von Föhr herüberkommen, kommt. Er wies darauf hin, dass die in Naturschutzgebieten bestehen Bestimmungen (z.B. Betretungsverbot) und deren genaue Lage auch zwischen den Inseln besser kommuniziert werden sollten. Anschließend gab Frau Kirsten Thiemann von der Schutzstation Wattenmeer einen Überblick über die im Wattenmeer auf dem Durchzug rastenden Vogelarten und die sog. Standvögel, die sich ganzjährig im Wattenmeer aufhalten und auch die Hochwasserrastplätze nutzen. Sie wies eindrücklich darauf hin, dass die Populationen fast aller Arten im gesamten Wattenmeer abnehmen, insbesondere die der spezialisierten Arten wie z.B. die Eiderenten, und dass Amrum aufgrund seiner Lage und Landschaftsstrukturen mit seinen beiden sandigen Hochwasserrastplätzen (Kniephaken und Nordspitze der Amrumer Odde) eine herausragende Bedeutung als Rastplatz hat. Sie stellte zudem einige Ergebnisse der von der Schutzstation Wattenmeer durchgeführten Störungskartierungen am Kniephaken bzw. der Kniepbucht vor. Hierbei wurde deutlich, dass bereits kleine Störungen durch Wassersportler, aber auch durch Fußgänger und freilaufende Hunde, gravierende Auswirkungen auf das Verhalten der Vögel haben. Diese werden aufgescheucht und beruhigen sich nur langsam. Dies bedeutet für die Vögel einen hohen Energieverlust bzw. -aufwand, der, vor allem während der Zugzeit, negative Auswirkungen auf die Vögel hat. Anschließend wurde eine von den Naturschutzverbänden erarbeitete Karte Amrums präsentiert, auf der ersichtlich ist, welche Gebiete hinsichtlich ihrer Nutzung durch Kitesurfer aus naturschutzfachlicher Sicht unbedenklich sind und welche Gebiete als kritisch betrachtet werden (siehe Karte).

Die Vertreter der Amrumer Wassersportler zeigten, dass sie sich der Problematik bewusst sind und daher Ansammlungen von am Wasser rastenden oder auf dem Wasser ruhenden Vögeln vorausschauend meiden. Die meisten auf der genannten Karte eingetragenen nutzungsbeschränkten Gebiete wurden und werden von ihnen ohnehin nicht genutzt, so z.B. die Amrumer Ostküste nördlich von Steenodde, und sie könnten der dauerhaften Nichtnutzung dieser Gebiete zustimmen. Zudem verzichten sie, zum Schutz der Eiderenten, während der Brut- und Aufzuchtsaison freiwillig auf die Nutzung der Kniepbucht, was „…bei der relativ kurzen Wassersportsaison schon schmerzlich, aber im Sinne des Naturschutzes verständlich, nachvollziehbar und vertretbar sei…“, wie ein Vertreter verdeutlichte. Allerdings kann das generelle Verbot des Kitesurfens im Wattenmeer nicht nachvollzogen werden, da hierbei auch die Freiheit des Kitesurfens stark eingeschränkt werde. Als Beispiel wurde das Umrunden Amrums angeführt, das dann eventuell nicht mehr möglich sein würde. Zudem bezweifeln sie, wie auch Amrumer Gemeindevertreter, dass die dann ausgewiesenen Kitesurfzonen in Zukunft nicht mehr veränder- oder erweiterbar bzw. flexibel sind, falls das nötig wird, und ein einmal in Kraft gesetztes Verbot nicht mehr zu ändern sei. Dem entgegnete Frau Kirsten Boley-Fleet von der Nationalparkverwaltung, dass im Falle von notwendigen und gewünschten Änderungen der Gebietskulisse für Kitesurfgebiete Änderungsanträge kurzfristig zwischen der zuständigen Wasser- und Schifffahrtsverwaltung im Benehmen mit der Nationalparkverwaltung abgestimmt und entschieden werden. Anschließend gab sie einen Überblick über die Gespräche in anderen Regionen Schleswig-Holsteins, z.B. Sankt Peter-Ording und Sylt, wo in den Gesprächen teilweise ähnliche Befürchtungen ausgeräumt werden konnten.

Als Fazit fasste Herr Frank Timpe zusammen, dass die nutzungsbeschränkten Gebiete um Amrum größtenteils konsensfähig sind, aber die Diskussion um die genauen Abmessungen der Gebiete und die Vorgehensweise weiterhin sachlich und konstruktiv geführt werden wird.

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Über Thomas Chrobock

Dr. Thomas Chrobock hat Biologie an der Universität Potsdam studiert. Danach folgte die Promotion an der Universität Bern (Schweiz) im Fachgebiet Pflanzenökologie. Seit Sommer 2012 ist er der Leiter des Carl Zeiss Naturzentrums Amrum des Öömrang Ferian i.f. in Norddorf auf Amrum.
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