Startseite » Über Land ... » Was Amrumer Kinder in den Großen Ferien machen…

Was Amrumer Kinder in den Großen Ferien machen…

Fünf Tage Spiel und Spaß mitten in den Sommerferien, am Strand oder im Wald, rund ums Jugendzentrum kreativ sein, Spielplätze erobern, die Insel erkunden, während die Eltern den notwendigen Pflichten während der Hauptsaison nachkommen müssen?

Inzwischen ist das für viele Amrumer Schulkinder der Klassenstufen 1 bis 6 schon zu einem festen Bestandteil der Sommerferien auf der Insel geworden, denn seit 2012 ermöglicht der Verein Lebenshilfe Sylt e.V. zusammen mit dem Diakonischen Werk Südtondern und dem Amt für Soziale Dienste Föhr-Amrum den Inselkindern im Alter von sechs bis dreizehn Jahren kostenlos an einem Kinderferienprojekt teilzunehmen.

Gute Laune beim Ausflug zum Vogelwärterhaus...

Gute Laune beim Ausflug zum Vogelwärterhaus…

In diesem Jahr waren 25 Kinder mit von der Partie, zwei junge ehrenamtliche Helfer: Anna-Lina Hausmann und Immanuel Schmelzle, die Schulsozialarbeiterin Sandra Chojnacki, Daniel Waldhaus vom Jugendzentrum, Projektleiterin Gudrun Hausmann von der Lebenshilfe und Bente Kruggel vom Diakonischen Werk, die leider nur bis Dienstag dabei sein konnte, da ihre Tochter krank war, und: reichlich schlechtes Wetter. Doch dazu später…

Einen Vormittag durfte ich das Projekt für AmrumNews begleiten.

Es ging zum Vogelwärterhäuschen im Naturschutzgebiet Amrumer Odde, das vom Verein Jordsand betreut wird.

„Treffpunkt ist an der Einfahrt zum Landschulheim BanHorn um 8:30 Uhr“, sagte Gudrun Hausmann vom Verein Lebenshilfe, die das Kinderferienprojekt auf Amrum koordiniert;

und als ich mich morgens in Wittdün auf den Weg machte, in kurzer Hose plus Windjacke, war der Himmel noch blau.

Nach und nach trafen die Kinder ein, an der Kleidung klar zu unterscheiden in Pessimisten (Regenjacke schon an) und Optimisten (Regenjacke noch im Rucksack). Kaum waren wir beim Fahrradparkplatz am Naturschutzgebiet angelangt, traf auch schon die erste mütterliche What’s App Nachricht aus Nebel ein, dort gieße es in Strömen.

Weitere Regenjacken wurden angezogen – in Erwartung, dass es wieder so schütten würde wie am Tag zuvor. Das hatte am Vortag zwar die Gruppe der früh aufgestandenen „Wattwanderer“ kein bisschen gestört, aber der Gruppe der „Leuchtturmerklimmer“ die Aussicht komplett vermasselt. Doch nach einer improvisierten Tea-time im WDR-Warteraum und dem gemeinsamen Spiel und Spaß am völlig vereinsamten Piratenschiff waren alle zum Tagesabschluss beim Mittagessen in der Jugendherberge längst mit Wetter und Programm versöhnt.

Bei Optimisten wie Pessimisten war die Stimmung also gleichermaßen gut und die ganze Gruppe wanderte lustig weiter zum Vogelwärterhäuschen, wo wir schon erwartet wurden und außer Gudrun Hausmann noch keiner vorher gewesen war.

Viel zu sehen...

Viel zu sehen…

„Ach, das Gute, das so nahe liegt, kennt man doch oft gar nicht“, sagte der ehrenamtliche Vogelwart vom Verein Jordsand, der mit seiner Familie gerade frisch vom Festland angereist war, und wunderte sich überhaupt nicht, dass nicht nur die Kinder noch nie an einer vogelkundlichen Führung in den Dünen der Nordspitze teilgenommen hatten.

Die drehte sich um Eiderenten, Brandgänse, vier Möwenarten, Austernfischer (deren Eier und Jungtiere zunehmend von den vielen Krähen auf der Insel aufgefressen werden), den Großen Brachvogel, den Säbelschnäbler, Seeschwalben und Zwergseeschwalben, die Sumpfohreule und (hoffentlich habe ich jetzt keinen vergessen!) allerlei Meeresgetier, das nämlich zu den Optimisten gerechnet werden darf und draußen bleiben durfte, während die präparierten Seevögel zu den Pessimisten gehören und immer wieder schnellstens ins Häuschen mussten oder gar nicht mehr gezeigt werden konnten, weil das Gefieder den Regen nicht verträgt, der dann doch immer mal wieder mal ins Vortragsprogramm eingriff, aber nur kurz und nicht allzu heftig.

Meine Hochachtung gilt dem Vogelwart, der es schaffte, unter diesen Bedingungen ein Publikum zwischen zwei und achtzig Jahren 45 Minuten bei Laune zu halten und gut zu informieren – und auch der Aufmerksamkeit der Amrumer Ferienkinder Klasse 1-6.

Glaubt mir, in der Großstadt, wo ich herkomme, schafft das kaum noch jemand!

Richtig spannend...

Richtig spannend…

Richtig spannend wurde es dann noch einmal, als es mit den Ferngläsern auf die hohe Aussichtsplattform ging, wo man die Vögel genau beobachten konnte (um diese Jahreszeit natürlich keine Brutpaare mehr). Es gab ja soviel zu sehen und man konnte richtig weit gucken, bis Sylt und Föhr sogar bei dieser Wetterlage, und Richtung Süden? Naja…

Natürlich hatten die Optimisten Recht behalten und an der Odde kam kaum Regen runter. „Auch während des Pizzaessens sind wir trocken geblieben“, schrieb mir Gudrun später, nachdem ich mich am Fahrradparkplatz von den Kindern und Betreuern des Ferienprojekts verabschiedet hatte. Und so blieb es denn auch am nächsten Tag, als diese gelungene Ferienwoche mit einer Schnitzeljagd zum Hafenspielplatz und dem Abschlussgrillen, gemeinsam mit Eltern und Geschwistern, zu Ende ging.

„Die Eltern haben uns immer großartig unterstützt“, sagt Gudrun Hausmann, „ sei es durch Hilfe bei der Betreuung, Hol- und Bringdienste, das Essen für picknicken und grillen, Werkzeug und Material, freiwillige Geldspenden oder ihre guten Kontakte zu Amrumer Betrieben.“

Auch ehrenamtlich tätige Amrumer Jugendliche und Erwachsene hätten in den fünf Jahren Ferienprojekt sehr zum Gelingen beigetragen durch ihre Hilfe bei der Betreuung und kreativen Angeboten oder Aktivitäten wie GeoCaching und Segeln.

„Wir sind gespannt, was wir in den nächsten Jahren gemeinsam weiter erleben werden.

Die Kinder haben schon Wünsche für das nächste Jahr geäußert: sie würden gern wieder Tipis bauen, am liebsten im Wald…“

Ob sie sich in AmrumNews auch namentlich einmal bei den Amrumer Unternehmen und Institutionen bedanken könne, die mit ihren großzügigen Sachspenden oder finanzieller Rückendeckung das Amrumer Kinderferienprojekt unterstützen, fragt Gudrun Hausmann.

Na klar!

Liebes Abenteuerland, Bäckerei Claussen, Bäckerei Schult, Biodüne, Edeka, Fleischerei Dethlefsen, Freiwillige Feuerwehr, Honigparadies, Jugendherberge, Lichtblick Kino, MS Eilun, Öömrang Skuul, Pizzeria Rialto, Rotary Club, Satteldüne, Surfschule Boyens, W.D.R. –

Ihnen allen ganz herzlichen Dank!

Print Friendly, PDF & Email

Über Astrid Thomas-Niemann

Astrid Thomas-Niemann ist gelernte Schifffahrtskauffrau sowie studierte Sprach- und Erziehungswissenschaftlerin. Sie hat viele Jahre als Schifffahrtsanalystin gearbeitet und lebt seit 2015 in Wittdün. Als junge Frau kam Astrid 1981 das erste Mal auf die Insel und besuchte auf Zeltplatz II die Niemanns aus Hamburg, die Amrum seit 1962 urlaubsmäßig die Treue halten, inzwischen bereits in der 4. Generation.
WP Facebook Auto Publish Powered By : XYZScripts.com