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Amrumer Wetterbericht – 22 Monotypien von Anna Susanne Jahn im Amt Föhr-Amrum

Was da zur Zeit im Foyer vom Strunwai 5 zu sehen ist, hat ganz und gar nichts mit monotonen Wetterdaten oder amtlichen Vorhersagen zu tun. Es ist Kunst!

Monotypie aus der Serie „Amrumer Wetterbericht“

Monotypie aus der Serie „Amrumer Wetterbericht“

Abstrakt und vieldeutig, dennoch stimmungsvoll, fast naturalistisch anmutend und immer auch ein bisschen unberechenbar – ganz wie das Amrumer Wetter – so sind Anna Susanne Jahns neue Landschaftsmonotypien, die unter dem Titel Amrumer Wetterbericht im Nebeler Amt präsentiert werden und farblich geradezu erstaunlich harmonieren mit dem öffentlichen Raum, der sie dort nüchtern kühl umgibt.

 

Mit dem Amrumer Wetterbericht knüpft Anna Susanne Jahn an frühere Monotypie-Serien wie Übers Moor oder 100 Oceans an und zeigt nun Wolken und Wellen von Amrum: heiter bis wolkig, einzelne Schauer möglich…

In fein abgestimmten Blau-, Grün- und Schwarztönen auf weißlichem Grund wirken Himmel, Wolken und Meer mal hell freundlich, mal dramatisch bis bedrohlich – dabei immer spannend und auch ein bisschen aufregend, so wie man die Atmosphäre gerade auf Amrum zu allen Jahreszeiten erleben kann. Und wie in vielen ihrer Werke finden sich auch im Wetterbericht Spuren traditioneller japanischer Malerei.

Anna Susanne Jahn vor ihren Kunstwerken

Anna Susanne Jahn vor ihren Kunstwerken

Die Künstlerin Anna Susanne Jahn, die 2007 ins Alte Pastorat in Nebel zog und sich in den letzten Jahren vor allem mit ihren feinen Aquarellarbeiten einen Namen gemacht hat, kehrt nun auch auf Amrum zu einer Ausdrucksform zurück, die sie schon während ihrer Studienzeit an der Kunsthochschule in Braunschweig begeisterte, zur Monotypie.

Anna Susanne an der Druckpresse

Anna Susanne an der Druckpresse

Die Monotypie ist eine Mischform zwischen Malerei, Zeichnung und Druckgrafik, bei der von einem mit Farbe auf eine Platte aufgetragenem Bild ein Abdruck gemacht wird, solange die Farbe noch feucht ist. Jedes Bild ist also ein gedrucktes Unikat. Der Begriff stamme aus dem Griechischen, „monos“ heißt „einzig“ und „typos“ bedeutet „Schlag“ oder „Druck“, erklärt mir Anna Susanne und erzählt, dass die Technik vermutlich im 17. Jahrhundert von Castiglione in Genua erfunden wurde und später auch von einigen der Impressionisten verwendet worden sei.

Für ihre Monotypien trägt Anna Susanne Jahn Ölfarben mit Pinseln, Fingern, Lappen, Bürsten oder Schablonen hauchdünn auf Zink- oder Kupferplatten auf. Sie verleiht den Bildern vielfältige Strukturen, einige so fein, wie es zurzeit wohl niemandem sonst gelingt. Mit Lösungsmitteln und Öl verändert sie die Konsistenz der Farbe, erzeugt scharfe Konturen, weiche Übergänge oder transparente Verläufe. Kein Zufallsverfahren, gezielte Effekte.

Gedruckt werden die Monotypien spiegelverkehrt auf Japanbüttenpapier, manchmal mehrere Farbschichten hintereinander. Dafür hat sie die alte Tiefdruckmaschine, eine Spezialanfertigung für ihren verstorbenen Professor an der Braunschweiger Kunsthochschule, wieder zum Leben erweckt.

Nach zehn sehr arbeitsintensiven Jahren, die ausgefüllt waren von Familie, Existenzgründung und Restaurierung des Alten Pastoriats, war es in diesem Sommer nun endlich soweit, sagt Anna Susanne ganz offenherzig. Sie verwandelte ihr Archiv in eine kleine, helle Druckwerkstatt – mit Tür zum Garten; denn Licht und Luft sind unerlässlich, wenn man mit Ölfarben arbeitet. Und hier ist Anna Susanne Jahn wirklich in ihrem Element.

Ich könne sie gern einmal in ihrer Werkstatt besuchen, wenn ich mir die Ausstellung im Amt anschaue, lud mich die zugewandte Künstlerin ein. Es sei nicht weit, ich müsse nur den Postwai runterlaufen….

Malkurse im schönen Atelier...

Malkurse im schönen Atelier…

Und so erwarteten mich bei strömendem Regen ein frischer Kaffee in einem unglaublich liebevoll inspirierend gestalteten Atelier, wunderschöne Bilder und eine freundliche, sehr aufgeschlossene Künstlerin.

Neben vielen gelungenen Aquarellen und einzelnen Monotypien aus der in Kanada entstandenen Serie „100 Oceans“ bestaunte ich vor allem die zwei Riesenmonotypien „Großes Wolkenbild I“ und „Großes Wolkenbild IV“, beides frühere Arbeiten von Anna Susanne, die sie zurzeit als Inspiration für ihr aktuelles Schaffen in der Galerie aufgehängt hat. Diese großformatigen Monotypien sind in Einzelteilen gedruckt und auf Stoff zu Rollbildern zusammengesetzt, eine Methode, die Anna Susanne schon während ihres Studiums selbst entwickelte und zu der sie vielleicht einmal zurückkehren wird, wenn die technischen Voraussetzungen dafür geschaffen sind.
Es bleibt spannend im Alten Pastoriat….

Die Ausstellung der Monotypien von Anna Susanne Jahn „Amrumer Wetter“ ist bis zum 31.12.2016 zu sehen im Amt Föhr-Amrum, Strunwai 5 in Nebel.

Öffnungszeiten:

Mo + Do 08.00 – 16.00 Uhr
Di, Mi + Fr 08.00 – 12.00 Uhr

Anna Susanne Jahns Galerie und Atelier im Alten Pastoriat im Smäswai 4 sind nur ein paar Gehminuten vom Amt entfernt und in den Sommermonate montags und freitags von 10 bis 12 Uhr sowie donnerstags von 17 bis 19 Uhr für interessierte Besucher geöffnet. Ein kurzer Abstecher lohnt sich unbedingt.

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Über Astrid Thomas-Niemann

Astrid Thomas-Niemann ist gelernte Schifffahrtskauffrau sowie studierte Sprach- und Erziehungswissenschaftlerin. Sie hat viele Jahre als Schifffahrtsanalystin gearbeitet und lebt seit 2015 in Wittdün. Als junge Frau kam Astrid 1981 das erste Mal auf die Insel und besuchte auf Zeltplatz II die Niemanns aus Hamburg, die Amrum seit 1962 urlaubsmäßig die Treue halten, inzwischen bereits in der 4. Generation.
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