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Hospiz Initiative Föhr-Amrum e.V. lädt zum Vortragsabend

Die Hospiz Initiative Föhr-Amrum e.V., deren Hauptsitz auf Föhr liegt, feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. In diesem Rahmen findet eine Vortragsreihe statt, die auf Föhr in der Fering-Stiftung den Anfang machte und auch auf der Nachbarinsel Amrum fortgesetzt wurde. Eine große Runde von interessierten Zuhörern und auch ehrenamtlichen Mitarbeitern des Vereins fand sich im Haus des Gastes in Nebel am Samstagabend ein. Das Thema: „Starke Frauen zeigen einen neuen Weg im Leben und Sterben – “ Cicely Saunders und Elisabeth Kübler-Ross – ihr Leben für die Hospizbewegung“.

Hannelore Ingwersen führte durch den Abend

Durch den Abend führte Hannelore Ingwersen, die selbst bereits seit 20 Jahren in der Hospizarbeit tätig ist, und das Hospiz in Flensburg 12 Jahre geleitet hat.

Ein großer Vorstand organisiert und leitet die Geschicke des Hospizvereines Föhr-Amrum e.V. und viele ehrenamtlich engagierte und auch professionell ausgebildete Frauen und Männer unterstützen diese Arbeit. Sie sind auf die Begleitung kranker und sterbender Menschen vorbereitet worden und werden auch weiterhin vorbereitet. Supervision und Schweigepflicht sind hier selbstverständlich. „Leben bis zuletzt“, das ist der Grundsatz und das Ziel des Hospiz Initiative Föhr-Amrum e.V.  Der kranke und sterbende Mensch erfährt in dieser Zeit umfassende Zuwendung und Begleitung. Er soll seine letzte Lebensphase möglichst schmerzfrei verbringen können, und das in vertrauter Atmosphäre mit Familie, Freunden und Pflegern an seiner Seite. Hierdurch kann die nach eigenen Vorstellungen die Zeit des Sterbens intensiv gelebt werden. Den Betroffenen und Angehörigen werden Hilfe und Begleitung in dieser schweren Zeit des Abschiednehmens angeboten.

Der Begriff „Hospiz“ wurde bereits schon im Mittelalter geprägt. Er bedeutet Herberge und Gastfreundschaft. Menschen wurden aufgenommen und blieben, bis sie gestorben sind. Ein altes Wort, das heute durch die Moderne wiederbelebt wurde.

Weltweit gibt es die Hospizbewegung bereits seit über fünfzig Jahren, in Deutschland ist sie allerdings erst seit dreißig Jahren aktiv tätig. In der Bundesrepublik gibt es über 1500 ambulante Hospizgruppen und  221 stationäre Hospize, in denen Kranke und Sterbende betreut werden und umgeben sind von Ihren Familien, Freunden, Hausärzten und Pflegern. Innerhalb der Krankenhäuser und Kliniken gibt es 304 Palliativstationen mit ärztlicher Versorgung. Zusätzlich gibt es 14 Kinderhospize in Deutschland, in denen kranke und sterbende Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene versorgt und betreut werden.

Alle Hospizgruppen bieten den Familien, Freunden und  Angehörigen verschiedene Angebote an, wie zum Beispiel Trauerbegleitung, Trauercafes oder Trauergruppen. In Deutschland gibt es über 100000 Mitarbeiter und ein sehr großer Teil davon arbeitet ehrenamtlich. Entstanden sind diese Bewegungen in den sechziger Jahren durch zwei sehr engagierte Frauen, Cicely Saunders und Elisabeth Kübler-Ross. Sie haben die Anfänge eingeleitet, begleitet und etabliert. In ihrem Vortrag berichtet uns Hannelore Ingwersen über das Leben und Wirken der zwei Begründerinnen.

Cicely Saunders wurde am 22.Juni 1918 in Barnet, Hertfordshire in England geboren. Nach ihrem Schulbesuch begann sie ein Studium für Philosophie, Politik und Ökonomie, brach dieses aber ab, als der Krieg ausbrach. Sie ließ sich zur Krankenschwester ausbilden, und machte sich die Versorgung der Verletzten zur Aufgabe. Nach Kriegsende nahm sie das Studium wieder auf und war weiterhin tätig als Freiwillige in der Krankenpflege, wobei sie feststellte, das Patienten im Endstadium ihrer Krankheit oft nur unzureichend versorgt wurden und unter starken Schmerzen zu leiden hatten. Ende der vierziger Jahre lernte sie in einem Londoner Krankenhaus den schwerkranken David Tasma kennen, ein aus Polen stammender Jude. Saunders begleitete ihn in seinen letzten Lebenswochen. Sein letzter Wunsch war, das Saunders ein Sterbeheim eröffnen sollte, und dafür vermachte er ihr sein Vermögen von 500 Pfund. Zehn weitere Jahre sollte es allerdings noch dauern, bis das erste Sterbeheim von Saunders eröffnet wurde. In dieser Zeit erwarb sie weitere Ausbildungen und Qualifikationen und wurde Ärztin. 1967 wurde das St. Christopher`s Hospice in Sydenham eröffnet, welches Saunders bis 1985 geleitet hat. Im Alter von 87 Jahren starb Cicely Saunders in dem von ihr eröffneten Hospiz.

Elisabeth Kübler-Ross wurde am 8.Juli 1926 in Zürich geboren. Sie schloss 1957 ihr Medizinstudium ab, und siedelte mit ihrem amerikanischen Ehemann Emanuel Ross, den sie während des Studiums kennenlernte in die USA über, und wurde schließlich 1965 Assistenzprofessorin für Psychiatrie an der medizinischen Fakultät der University of Chicago und nahm an verschiedenen Seminaren der Klinikseelsorger zum Thema „Begleitung Sterbender“ teil. Sie besuchte und sprach mit todkranken Patienten, und stellte fest, das viele Ärzte dem Thema „Realität des Todes“ aus dem Weg gingen und es nicht gut hießen, dass Kübler-Ross mit den Kranken und Sterbenden sprach um ihre Gefühle und Gedanken zum Sterben zu erfahren. Sie wollte von den Menschen lernen, was sie in dieser Zeit bewegt, welche Hilfen sie benötigen und wie man mit ihnen umgehen sollte. Aus den verschiedenen Interviews und Gesprächen entstand ihr Buch „Interviews mit Sterbenden“, das weltbekannt wurde. Auf der ganzen Welt hielt sie Vorträge über Sterben und Tod, und vermittelte Ärzten, Pflegepersonal, Seelsorgern und Sozialarbeitern Informationen, wie sie mit sterbenden und trauernden Menschen umgehen können. In den Jahren zwischen 1974 und 1996 erhielt Kübler-Ross 23 Ehrendoktorate an Universitäten und Colleges und weitere 70 nationale und internationale Ehrungen. 1985 wurde Kübler-Ross Professorin an der Universität von Virginia. 1995 erlitt sie den ersten von insgesamt drei Schlaganfällen. Im Jahre 2004 verstarb Kübler-Ross in Scottsdale, Arizona.

Beide Frauen haben die Entwicklung in der Hospizbewegung und Sterbeforschung mit ihrem Wirken maßgeblich geprägt, und ihr ganzes Leben diesen Themen gewidmet. Sie erfuhren viel Anerkennung und Auszeichnungen, mussten aber auch Widerspruch erfahren und so manche Hürde überwinden.

Hannelore Ingwersen endete an dieser Stelle mit ihrem Vortrag und dankte allen für die lange Aufmerksamkeit bei einem doch schwierigen Thema.

Im Anschluss gab es nun noch Zeit und Raum für die Zuhörer, Fragen zu stellen oder über eigene Erfahrungen zu berichten.

Mehr Informationen im Netz:

www.dhpv.de

www.hospiz-initiative-foehr-amrum.de

www.wikipedia.de (Biographien „Cicely Saunders“, „Elisabeth Kübler-Ross“)

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Über Susanne Jensen

Susanne Jensen wurde 1965 in Hamburg geboren. In Appen bei Pinneberg aufgewachsen, kam sie nach der Erzieherausbildung 1985 auf die Nordseeinsel. Die Mutter von zwei heut erwachsenen Söhnen arbeitete anfangs einige Jahre in der Fachklinik Satteldüne und war dann von1992 bis 2016 als Erzieherin in den Kindergärten Wittdün und Nebel beschäftigt. Nun ist Susanne wieder tätig als Erzieherin in der Fachklinik Satteldüne.
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