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Wohin steuert der Sozialverband Deutschland auf Amrum?

Sonderveranstaltung im Seeblick

Unter dieser alarmierenden Fragestellung hatte der Vorstand des SoVD Ortsverbands Amrum seine Mitglieder zu einer Sonderveranstaltung nach Norddorf in den Tagungsraum des Hotel Seeblick geladen um gemeinsam festzulegen, wie das Verbandsleben auf Amrum künftig gestaltet werden soll.

„Bei uns können Sie sich engagieren und mit anderen gemeinsam aktiv werden.“ Auf den Tischen lag jede Menge Informationsmaterial bereit, aber eine Aktionsidee fand besonders viel Anklang – ein kleines Hinweisschild an Autofahrer, auf dem zu lesen stand: „Sie haben meinen Parkplatz! Wollen Sie auch meine Behinderung?“

Tolle Idee…

Nicht nur meine Tischnachbarin wusste gleich, auf welchem Behindertenparkplatz sie das Schildchen beim nächsten Einkauf an eine Windschutzscheibe stecken könnte. Auf der Rückseite des gelben Kartonpapiers heißt es: „Vielen Dank dafür, dass Sie sich beim nächsten Mal einen anderen Parkplatz suchen. Alle Menschen sollen gleichberechtigt an der Gesellschaft teilhaben können. Verständnis für einander entwickeln und Rücksicht nehmen, wo es erforderlich ist…“

Der Sozialverband Deutschland setzt sich insbesondere für die Rechte und Interessen der Krankenversicherten, der Rentner, der pflegebedürftigen und behinderten Menschen ein und hilft seinen Mitgliedern, die ihnen aus der gesetzlichen Kranken-, Renten- oder Pflegeversicherung zustehenden Leistungen auch zu erhalten.

Die Themen des vor 100 Jahren als „Reichsbund der Kriegsbeschädigten“ gegründeten Sozialverbandes sind brandaktuell: „Wir wollen keine Spaltung der Gesellschaft. Uns geht es immer um die soziale Gerechtigkeit.“, hatte Kreisverbandsvorsitzender Hans-Christian Albertsen im Mai zur der 70-Jahr-Feier des Amrumer Ortsverbands betont. Frieden, Demokratie und soziale Gerechtigkeit gehörten zusammen – auch für das sich vereinigende Europa.

Auf Amrum konnte der Verband allein seit dem Frühjahr elf Neueintritte begrüßen und zählt jetzt 124 Mitglieder. Die Entwicklung der Mitgliederzahl auf der Insel ist erfreulich, doch zu den Veranstaltungen kommen immer weniger Mitglieder. Ob Jubiläumsfeier zum 70. Jahrestag oder Adventskaffee mit Tombola – selten nehmen mehr als 20 Personen teil. So konnte der Himmelfahrtsausflug nach Eutin in diesem Jahr nur stattfinden, weil das Busunternehmen den Fahrpreis erheblich gesenkt hatte, und die Frühjahrsfahrt 2016 hatte wegen zu geringer Beteiligung ganz abgesagt werden müssen.

Neben der Vermittlung von Beratung und Rechtsbeihilfen in Sozialfragen gehört die Durchführung von drei geselligen Veranstaltungen pro Jahr zusätzlich zur Jahreshauptversammlung zu den satzungsgemäßen Aufgaben des Vorstands, erklärte Ortsverbandsvorsitzender Joachim Stock auf der außerordentlichen Versammlung. Der Vorstand habe sich die Frage gestellt, woran es liege, dass sich nur wenige Mitglieder aktiv am Verbandsleben beteiligten, ob das gesellige Beisammensein noch erwünscht sei und wie man es attraktiver gestalten könne.

Hintergrund dieser Fragestellung ist auch die als traurig empfundene Entwicklung des SoVD Ortsverbands auf Föhr, der trotz seiner 260 Mitgliedern keinen neuen Vorstand mehr bilden konnte und nun seine Selbstständigkeit verloren hat und direkt vom Kreisverband in Husum geführt wird. Joachim Stock hatte mit der Föhrer Ortsverbandsvorsitzenden Hannelore Zimmermann noch beraten, wie die Amrumer den Föhrern möglicherweise organisatorisch zur Seite stehen könnten, jedoch keine realistische Möglichkeit dafür gefunden.

Fehlender Nachwuchs und die Diskrepanz zwischen aktiver und passiver Mitgliedschaft sind Phänomene, die viele Verbände beklagen. Patentlösungen gibt es dafür sicher nicht und so rief der Amrumer SoVD-Vorstand die Mitglieder zusammen um deren Wünsche in Erfahrung zu bringen und über die Zukunft des Verbandslebens zu diskutieren.

Kurzfristige Ergebnisse sind die Festlegung der nächsten Frühlingsfahrt auf einen Freitag Ende April an die Schlei und die Idee, sich zum Adventskaffee in diesem Jahr mit dem Deutschen Roten Kreuz zusammen zu tun. Er soll am 14.12. um 15:00 Uhr stattfinden – und ein BINGO darf natürlich nicht fehlen. Der Veranstaltungsort wird noch gesucht, diesmal dann vielleicht für 40 Personen.

Zusätzlich zum Vorstand wurde ein „Vergnügungsausschuss“ ins Leben gerufen um die Wünsche der Mitglieder für das Freizeitprogramm kontinuierlich in die Vorstandsarbeit zu integrieren. Neben Joachim Stock gehören ihm die SoVD-Mitglieder Renate Matzen und Peter Jürgensen an.

Im Anschluss an die lebhafte Diskussion liefen auf der großen Leinwand im Hotel Seeblick Videos und Fotos von den SoVd-Touren nach Esbjerg und nach Eutin, auf denen bestens gelaunte Mitreisende zu sehen waren. Wenn in diesem Jahr auch nicht so viele mit auf Tour waren wie erhofft, Spaß gemacht hat es den Teilnehmern allemal!

Und am Ende der Fahrt nach Eutin war bekanntlich ein kleines Abenteuer gemeinsam zu bestehen, denn fast hätte die Reise am Himmelfahrtstag unfreiwillig ein jähes Ende in Wyk auf Föhr genommen, wäre Bandix Tadsen mit seiner „Eilun“ nicht für die WDR eingesprungen und hätte die Reisegesellschaft zurück nach Wittdün auf Amrum gebracht. (Amrum News berichtete am 29.5.2017).

 

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Über Astrid Thomas-Niemann

Astrid Thomas-Niemann ist gelernte Schifffahrtskauffrau sowie studierte Sprach- und Erziehungswissenschaftlerin. Sie hat viele Jahre als Schifffahrtsanalystin gearbeitet und lebt seit 2015 in Wittdün. Als junge Frau kam Astrid 1981 das erste Mal auf die Insel und besuchte auf Zeltplatz II die Niemanns aus Hamburg, die Amrum seit 1962 urlaubsmäßig die Treue halten, inzwischen bereits in der 4. Generation.
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