Zoo an der Wand: Malerei in der Klinik Satteldüne

Steuerbüro Jäschke

Icons der Ernährungspyramide

Wenn das so weitergeht mit der Einsamkeit, malt man auf Amrum ja vielleicht auch den Leuchtturm noch bunt an. Spezialisten dafür hat’s auf jeden Fall auf der Insel, wie man gerade am Beispiel der „Satteldüne“ sehen kann. Die Fachklinik mitten in Amrums schöner Dünenlandschaft hat – na klar – seit Mitte März leere Zimmer und Flure. Dafür malt das Team dort jetzt Wände voll. Und wie: Im Speisesaal, wo sonst die CF-ler, die an der Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose erkrankten Patienten essen, haben Mitarbeiter formvollendet den Ernährungswürfel an die Wand gebracht – abgestimmt genau auf die speziellen Ess-Bedürfnisse. Nebenan hockt eine Möwe auf der Wand.

Haben die Welt an die Wand gebracht: Claudia Siehl, Maresa Mußler, Conny Desch, Diana Mertke, Kathy Reck, Torsten Wellmann, Ute Richter (v. l. n. r.)

Im Krankenzimmer gleich vornean, wo sonst die liegen, die intensiver Pflege und Sauerstoff bedürfen, wurde in Gemeinschaftsarbeit eine Weltkarte an die Wand gebracht – samt der Tiere dieser Erde. „Wir fanden das Zimmer immer schon zu trist und haben schon lange gedacht, das müsse man mit irgendetwas Schickem anmalen“, sagt die Kinderkrankenschwester Sybille Wörsdörfer. „Bisher war das Zimmer nur einfach zu oft belegt.“ – „Wir sind unserem Arbeitsgeber schon dankbar und wissen das sehr zu schätzen, dass wir hier keine Kurzarbeit haben. Wir dürfen dann dafür eben unsere Klinik verschönern“, sagt Verwaltungsleiterin Sarah Iwersen.

Verwaltungsleiterin Sarah Iwersen

Das Making-of der Wandmalerei ist so simpel wie effektiv: Man nahm „einfach“ einen Overhead-Projektor und warf an die Wand, was man malen wollte. Eine Übermalung mit speziellem Lack macht es später krankenhauskonform.

Im Aufgangsbereich eines der Häuser sieht man schon die Umrisse des Leuchtturms. Der wartet noch auf Farbe und leuchtet dann zukünftig den Patienten die Treppe hoch.

In einigen der Flure gab’s zur Wiedererkennung der Wege immer schon Buntes an der Wand. „Heidi“ weist den Weg Richtung Patientenzimmer. Vor dem sozialpädagogischen Dienst wartet „Garfield“ mit Kaffeetasse und vor der Abteilung Lungenfunktion pustet „Findus“ auf ein Windrad. „Das hilft den Kindern, zu unterscheiden, wo was ist, wenn die noch keine Zahlen kennen oder lesen können“, Wörsdörfer.

Sie ist eine von 150 Mitarbeitern, die derzeit angehalten sind, wo immer möglich Überstunden abzubauen und Urlaub zu nehmen. Inselurlaub, versteht sich. Rund die Hälfte des Personals gehört zum pflegerisch-therapeutischen Bereich, dazu kommt eine große Hauswirtwirtschaft, ein großes Küchenteam, Technik und Verwaltung.

Achtung: Möwe im Speisesaal

In vielen Abteilungen würden Therapiekonzepte und Indikation für die Psychosomatik weiterentwickelt, wozu auch der Umgang mit Angststörungen zähle, erzählt Iwersen. „Wir arbeiten auch an künftigen Schutzmaßnahmen. Die Bereiche sind aufgefordert zu prüfen, wie wir alle geforderten Sicherheitsstandards erfüllen können, wo vielleicht noch Arbeitsplätze geschaffen werden müssen, Tische umgerückt und so weiter.“ Als Fachklinik mit Fokus auf Stoffwechsel- und Atemwegserkrankungen habe man ohnehin schon ein gutes Hygienekonzept. „Beim Umgang mit CF-Patienten sind die Anforderungen an die Hygiene hoch. Besondere Maßnahmen, wie die, Behandlungsräume nicht gleich wieder zu belegen sondern erst eine halbe Stunde durchzulüften, gehören hier schon lange zum Standard.“

In der Fachklinik wird auf lange Sicht gedacht. „Denn die Arbeitsschutzmaßnahmen werden uns so lange begleiten, bis wir als Gesellschaft wissen, wie wir uns gegen Corona schützen können, sei es durch einen Impfstoff oder anderes.“

Kurz zurück zum Malen: Wie weit das augenblickliche Verschönerungskonzept noch geht, ist offen. Derzeit ist die Gartenhütte dran. „Und einer unser Sporttherapeuten hat gesagt, gebt mir einen Pinsel, ich fange bei den Apartments an.“ Unfallschutzseitig signalisieren die Versicherungen, dass während der Corona-Zeit viele sonst nicht ganz so typische Arbeiten, die im Rahmen der Beschäftigungsverhältnisse passieren, versichert sind.

Wie lange die 165 Behandlungsplätze leer stehen werden, ist nach wie vor ungewiss. „Wir sind natürlich abhängig von dem, was die Landesregierung sagt“, sagt Sarah Iwersen. „Zudem haben wir diese besondere Situation mit dem gesperrten Zugang zur Insel. In manch anderen Bundesländern sind Rehabilitation und Kinderheilbehandlungen ja möglich und werden zurzeit auch wieder durchgeführt.“

Solange die Insel zu ist, wird also weiter verschönert. Wenigstens eine Arbeit, die  Vorfreude schafft, auf die, die (hoffentlich) bald wieder kommen.

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About Undine Bischoff

Journalistin und Texterin. Fuhr mit drei Jahren zum ersten Mal über den Kniep – in einer Schubkarre. Weil ihr Vater da draußen eine Holzhütte baute, zwanzig Feriensommerjahre lang. Betextet Webseiten und Kataloge, schreibt für verschiedene Medien und natürlich für Amrum News.

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