Die Corona-Herbstwelle 2022 hat Amrum erreicht


Die befürchtete und angekündigte Corona-Herbstwelle hat Amrum erreicht. Pünktlich mit Beginn der Herbstferien ist die Anzahl der positiv auf Covid-19 getesteten Personen auch auf der Insel Amrum sprunghaft angestiegen. Es gibt wohl kaum einen auf Amrum, der keinen akut Infizierten in seinem Bekannten oder Verwandtenkreis hat. Allein durch die Hausarztpraxis in Nebel wurden Ende letzter und Anfang dieser Woche rund drei Dutzend Krankschreibungen auf Grund positiver Corona-Tests vorgenommen. Somit dürfte die Häufigkeit der Erkrankungszahlen auf der Insel mit denen am Festland, bzw. im Kreis Nordfriesland und in Schleswig-Holstein übereinstimmen. Die offiziellen am Montag veröffentlichen Inzidenzzahlen liegen für SH bei 532,7 und für den Kreis Nordfriesland bei 669,6, Tendenz steigend. Zu beachten ist, dass in diese Zahlen nur die per PCR-Test bestätigten Corona-Infektionen abbilden, da positive Schnelltests (Antigen-Tests) nicht in die Statistiken mit eingehen. Die Inzidenzen liegen daher mit Sicherheit in sehr viel höheren Bereichen.

Wer sich in Schnelltests positiv getestet hat muss nicht unbedingt ein PCR-Test durchführen lassen. Es kann durch die Arztpraxen eine telefonische Krankmeldung erfolgen, die zunächst für 5 Tage ausgestellt wird. Dies ist die Zeit, in der man sich in häusliche Isolation zu begeben hat. Nach den derzeit gültigen Corona-Regeln kann diese Quarantänezeit nach 5 Tagen beendet werden. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass nur Wenige nach 5 Tagen symptomfrei sind bzw. einen negativen Schnelltest vorweisen können. Dann kann durch die Arztpraxen, wiederum auch telefonisch, eine AU-Verlängerung ausgestellt werden. Auch wenn es keine Pflicht ist, nach 5 Tagen weitere Schnelltests durchzuführen, empfiehlt es sich dennoch, zur eigenen Sicherheit bzw. zum Schutz der Allgemeinheit, dieses zu tun.

Beschäftigte im Gesundheitsdienst müssen einem positiven Schnelltest immer einen PCR-Test nachfolgen lassen. Nach einer nachgewiesenen Infektion dürfen diese erst dann wieder zur Arbeit gehen, wenn sie nach Ablauf der 5 Tage Isolation bereits 48 Stunden symptomfrei sind, bzw. einen dann negativen PCR-Test vorweisen können.

Auf Amrum sind bislang keine schweren Krankheitsverläufe zu verzeichnen, Corona-bedingte Krankenhausaufenthalte gibt es aktuell keine, viele Infektionen verlaufen auch ohne Symptome. Der Grund hierfür liegt in der hohen Corona-Impfquote auf unserer Insel, sie ist als deutlich höher anzusehen als in anderen Gebieten unseres Landes. Als ausreichend geimpft gilt nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft wer 2 Grundimpfungen + 2 Boosterimpfungen oder 2 Grundimpfungen + 1 Boosterimpfung + 1 Infektion/Genesung hat. Weitere Coronaimpfungen werden aktuell nicht empfohlen (Amrum News berichtete).

Als besorgniserregend muss die aktuelle Situation bei einer möglichen Krankenhausversorgung von Patienten von der Insel Amrum angesehen werden. Wie vom Rettungsdienst zu erfahren ist, vergeht aktuell kein Tag, an denen nicht eines der für unseren Bereich in Frage kommen Krankenhäuser (z. B. Niebüll, Husum, Flensburg, Heide) eine Überlastung und ein Aufnahmestopp über die Notaufnahmen vermeldet. Personalnot und Erkrankungen von Mitarbeitern werden hierfür die Gründe sein.

Auch wenn die derzeit kursierenden Coronavirusmutationen bei ausreichend Geimpften überwiegend nur milde Krankheitsverläufe erwarten lassen, sollten die Corona-Hygieneregeln weiterhin ernst genommen und beachtet werden und ggf. auch in Eigeninitiative ausgeweitet werden. Was spricht z. B. dagegen auch in geschlossenen öffentlichen Räumen konsequent eine FFP2-Maske zu tragen, wie es in Arztpraxen und allen weiteren medizinischen Einrichtungen Pflicht ist? Das dient nicht nur dem Eigenschutz, sondern auch dem Schutz möglicher Kontaktpersonen.

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Über Peter Totzauer

Dr. med. Peter Totzauer, Facharzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Anästhesie, Notfallmedizin, Spezielle Schmerztherapie, geb. 1954 in Fürth/Bay.,hat, bedingt durch den Beruf des Vaters, als Kind u.a. 4 ½ Jahre in Frankreich gelebt. Abitur 1974 in Köln, Studium der Humanmedizin an der Universität Bonn. Seit 1982 ärztlich tätig, davon viele Jahre als Oberarzt in der Anästhesie und als Leitender Notarzt in Euskirchen. War 2007 für ein halbes Jahr im Rahmen einer „Auszeit“ vom Klinikalltag bei seiner Lebensgefährtin Claudia auf Amrum. Dies hat ihm so gut gefallen, dass er seit Ende 2008 seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ganz auf die Insel verlegt hat und hier seit 2010 mit in der „Praxis an der Mühle“ arbeitet. Er hat zwei erwachsene Kinder, sein Sohn ist niedergelassener Physiotherapeut in Neuss, seine Tochter ist Lehrerin an der Öömrang Skuul.

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