Natembea Nuruni Mwake – Ein Gospelwochenende voller Licht im Herzen …

Erste Stellprobe

 Ein Erfahrungsbericht:

Es ist schon ein paar Wochen her, als ich im St. Clemens Hüs stand und eigentlich nur meinen Sohn vom Kinderchor abholen wollte. Ich schlenderte durch den Eingangsbereich und mir fiel ein Flyer ins Auge: „Gospelsingen“ – Ein Wochenende lang mit Anderen singen… Ich schnappte mir einen davon, dachte aber erstmal: „Kann ich an dem Wochenende überhaupt? Ist ja doch noch zwei Monate hin, bis das stattfindet! Und alleine anmelden, eigentlich gar nicht mein Ding. Hmm…Mal schauen!“  Ich wartete noch ein paar Tage ab, aber irgendwie lies es mich nicht los und ich meldete mich ganz mutig an.

Letzten Freitag ging es also los. Ab 17 Uhr war Treffpunkt. Ankommen, schauen, wer sonst so kommt. Da ich nicht so der Typ bin, der sich gleich unter die Menschenmenge mischt und smalltalk hält, schaute ich mir das erst mal an, blieb hinten, beobachtete. Katharina Rau, unsere Kantorin, war am hin und her wuseln. Sie hatte vorab die Organisation des Gospelworkshops übernommen. Martje Brandt, unsere Pastorin hieß alle willkommen und hakte die Namen der ankommenden Teilnehmer auf ihrer Liste ab und nahm das Geld für die Seminarkosten in Empfang. „Ach schön, die Beiden kenne ich schon mal“, dachte ich mir. Ich hatte gefragt, ob ich noch irgendwas helfen kann und erzählte kurz mit den Beiden.

Die Pausen werden genutzt, um sich kennenzulernen und zum Erzählen

Dabei berichtete Katharina, dass sie Anke Tadsen ganz dankbar sei. Sie hatte ihr im Vorfeld schon ganz viel geholfen beim Einschätzen, wie viel Essen und Trinken man überhaupt für so eine große Gruppe braucht und sie hatte die sehr leckere Willkommens – Kokos – Tomatensuppe gekocht.

Um 18 Uhr ging es also endlich richtig los, ich saß bis dahin ganz hinten. Viele Gesichter kamen mir bekannt vor, aber es war kaum jemand dabei, mit dem ich regelmäßig Kontakt habe, bzw. mit dem ich privat viel zu tun habe. Noch fühlte ich mich etwas unsicher und wusste nicht so recht wohin mit mir.

Nachdem Katharina ein paar Begrüßungs – und Dankworte zu Beginn sagte, startete jetzt endlich der Workshop mit Darius Rossol aus Köln, unser Chorleiter für die nächsten Tage. Neugierig, mit wem wir die nächste Zeit wohl verbringen werden, hatte ich schon die Tage zuvor ein bisschen über ihn im Internet recherchiert. Ein paar Infos sind mir im Gedächtnis hängen geblieben: Pianist, Musiktherapeut, Chorleiter, Gospel.

Es sollte nicht nur ein Wochenende voller Musik werden, sondern auch der Begegnung. Daher gab es, wie oben erwähnt zu Beginn die Tomatensuppe. Zeit sich kennenzulernen. Sowohl Amrumer, Föhrer und Gäste hatten sich zusammengefunden, um gemeinsam an diesem Wochenende zu singen. Es war schön und warm draußen, so verbrachten die meisten die erste halbe Stunde zum Essen und Quatschen draußen. Darius gesellte sich zu uns und gab so manchmal den Anstupser für ein Gespräch.

Und dann durfte es losgehen mit Musik machen. Ich setzte mich erst mal wieder nach hinten – wie gesagt, ich brauche meistens etwas zum Ankommen.

Kurzerhand schnappte mich unsere Pastorin und nahm mich mit, weiter nach vorne, unter die Anderen. An dieser Stelle – Danke Martje für den kleinen Schubs! 🙂

Zu Anfang wurde die Sitzordnung neu sortiert. Wer singt eigentlich in welcher Tonart. Findet euch zusammen. Ich gesellte mich zu den Sopransängern. Prima, da sitzt schon jemand, die sehr lieb aussieht. Außerdem hat sie einen Hund dabei. „Sehr gut“, dachte ich,  „hier fühle ich mich wohl.“

Darius Rossol, im Hintergrund unser Gitarrist Lars (Bild Martje Brandt)

Die nächsten Stunden verbrachten wir nicht nur mit viel singen, sondern auch mit ganz viel Lachen. Darius Rossol hat eine wahnsinnig ansteckende Leichtigkeit. „Macht euch locker!“ „Ihr schafft das auch ohne Noten!“ „Keiner muss, jeder darf!“ „Macht das, was gut für euch ist“. In ganz kurzer Zeit hatten wir schon ein kleines Repertoir an Liedern eingeübt. Und immer wieder sagte Darius: „Wunderbar!“ „Ich bin happy!“  Mit einer sehr charmanten Art wusste er uns auch zu sagen, wenn irgendwas noch besser zu singen wäre. „Schon ganz gut!“ sollte wohl heißen: „Hey, traut euch, da geht noch mehr.“ Vergleiche zwischen Kammerchorsängern, Jazzmusikern, „so singt man am Karfreitag – und so beim Gospel!“, brachten uns regelmäßig zum Lachen und motivierte einfach loszulassen und mitzumachen. 70 Stimmen klingen da echt großartig und sorgten schon am ersten Abend für ein paar Gänsehautmomente. Darius war es auch sehr wichtig, dass wir miteinander ins Gespräch kamen. „Kennt ihr eigentlich den Namen eurer Nachbarn? Redet mal fünf Minuten miteinander, dann singen wir weiter!“ Und so entstanden wirklich schöne Kontakte.

Der erste Abend ging also ruckzuck vorbei. Ach ja, beim Gospel gibt es ja auch immer Soloparts. Wer sich traute, durfte am Ende des Abends nach vorne kommen und ab dem nächsten Tag zeigen, was er kann. Martje fragte mich noch:“Und, gehst du vor?“ „Auf keinen Fall!“ schmunzelte ich.

Toll, dass sich doch so viele mutige und tolle Sänger fanden, die das gerne übernahmen und wirklich toll machten.

Am Samstag trafen wir uns erst ab 13 Uhr. Alle gelernten Lieder vom Vortag wiederholen, neue dazulernen, um am Abend ein ganz besonderes Konzert zu geben. Darius nahm uns ganz viel Sorge und Druck raus. Er betonte immer wieder so sehr, dass er an uns glaube, dass wir das schaffen, bis wir es selber taten. Zumal ich schon beim Aufwachen ein Lied im Kopf hatte, bei dem ich dachte, „den Text lerne ich nie…“

Die Band kam dazu: Lars Behrend von Föhr mit der Gitarre und Johnny Baer am Schlagzeug, aus der Nähe von Köln, der schon öfter mit Darius unterwegs war und auch gerne immer wieder nach Amrum kommt.

Und auf einmal waren wir schon in der Generalprobe, hatten wir uns doch alle noch nicht einmal vor 24 Stunden das erste Mal getroffen. Völlig verrückt!

Ein besonderes Konzert (Bild Martje Brandt)

Und schon standen wir gemeinsam auf der Bühne. Erst dachte ich: „Wow, jetzt müsste man ein Foto machen!“ Der Gemeindesaal war voll! So viele sind zu unserem Konzert gekommen. In der vorderen Reihe saß meine Familie. Mein Sohn grinste mir zu und winkte. Meine Mama sagt immer: „Manche Bilder muss man einfach im Herzen behalten!“ Genau so ein Moment war das. Richtig schön!

Das Konzert war großartig! Es hat so viel Spaß gemacht. Das Publikum wurde miteinbezogen, zwischendurch gab der Shantychor noch sein Bestes und am liebsten hätten wir hinterher weitergesungen.

Gospelgottedienst zum Abschluss (Bild Martje Brandt)

Zum krönenden Abschluss gab es am Sonntag noch einen Gospel – Gottesdienst. Ein paar Mitsänger konnten leider nicht mehr dabei sein und trotzdem waren wir immer noch viele.

In Martjes Predigt sprach sie davon, dass man an manchen Tagen einen Balken vorm Kopf hat. Nur noch alles dunkel, blöd und schwierig ist. Nur noch sieht, was der Andere falsch macht. Nur noch die Splitter sieht, die das Schöne und Gute irgendwie überdecken.Und wie wichtig es ist, diesen Balken wieder wegzuschieben, bzw. wegschieben lässt und dass man wieder Licht und Wärme in sein Herz lässt. Anderen Menschen wieder offen begegnet ohne Vorurteile.

Sie sagte zu Darius das, was wir die letzten Tage erlebten:“Darius du bist so ein Mensch. Du urteilst nicht. Du wertest nicht. Du sagst, jeder kann singen.“  Darauf folgte großer und zustimmender Applaus. Ja alle fühlten sich angenommen und genau richtig. Das Glaubensbekenntnis wurde nicht gebetet, stattdessen sangen wir: Natambea Nuruni Mwake – Ich lebe im Licht Gottes!

Und voller Licht und Wärme in unseren Herzen endete auch dieser Tag!

Danke Darius, dass war wirklich unglaublich schön! Und auch Danke an alle Anderen, die mit dabei waren! Wir freuen uns schon auf das nächste Mal!

Über Susanne Schwarz

Susanne Schwarz kam 1981 in der Vorderpfalz zur Welt- aufgewachsen am Haardtrand, mit Blick auf den Pfälzer Wald, inmitten eines Weinbaugebietes. Sie verbrachte in ihrer Kindheit viele glückliche Sommerferientage auf Amrum, wodurch der Wunsch immer größer wurde, nur einmal für längere Zeit dort zu leben. Nach dem Abitur 2001 kam sie zum ersten Mal für ein FSJ auf die Insel. Ein weiterer Aufenthalt folgte nach ihrer Ausbildung in Stuttgart. Die Sehnsucht nach der Insel aber blieb. 2015 lies sie das Festland also hinter sich und zog zusammen mit ihrem Mann zurück nach Amrum, wo sie heute mit ihrem Sohn in Wittdün wohnen.

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