
Sechs Kälber, die machen dieses Jahr den Anfang. Im nächsten Jahr sollen es bereits doppelt so viele sein. Zumindest wenn es nach den Plänen des Amrumer Junglandwirts Oke Martinen geht.
Doch warum überhaupt eigene Kälber ziehen? Das erste Mal ist es für den Hof der Familie nicht, dass Nachwuchs der eigenen Kühe das Licht der Welt erblickt, doch das letzte Mal ist über ein Vierteljahrhundert her. „Die Wirtschaft macht es nötig und uns vor allem auch ein Stück weit unabhängiger“, erklärt Oke. „Die Kosten für Kälber, die wir einkaufen können, sind in den letzten Jahren enorm gestiegen, und dazu kommen noch die weiter steigenden Preise für Transport und Logistik.“ Da sei es billiger, nur einen Bullen zu leihen. Doch das birgt auch Risiken. Die Verletzungsgefahr in der Herde steigt während der Verpaarung und eine Garantie, das alle Kühe sich decken lassen, gibt es auch nicht. Doch vor allem sind es die Risiken, die durch die Geburt entstehen, die dem gelernten Landwirt die größten Sorgen bereiten. „Eine unserer Kühe hat dieses Jahr auf Föhr gekalbt, da sie und das Kalb ohne tierärztliche Betreuung vermutlich nicht überlebt hätten.“ Leider war der Tierarzt nicht bereit, für die Behandlung nach Amrum zu kommen; daher war der Transport des hochträchtigen Tieres nötig geworden. Strapazen, die Oke seiner Kuh gerne erspart hätte. Doch das ist auf Amrum leider ein bekanntes Problem. Zum Glück ist dieses Mal jedoch alles gut gegangen und inzwischen stehen Mutter und Kind wieder im heimischen Stall. „Wir sind alle froh, dass es beiden gut geht! Das war auch einer der Gründe, warum wir uns aus unserer Herde für diese Muttertiere entschieden haben und die Wahl auf diese Rasse beim Bullen viel.“ Ein möglichst großrahmiger Bau mit breitem Becken und ein freundliches Gemüt, danach hat er seine Kühe ausgesucht.

Der geliehene Bulle, der letzten Herbst den Damen zugesellt wurde, stammt von der Rasse der Japanese Black ab, in Deutschland weitgehend als Wagyū-Rind bekannt. Diese Rasse bringt nicht nur relativ kleine Kälber zur Welt, was die Geburt erleichtern kann, sondern zeichnet sich auch durch eine langsame Mast und daraus resultierend einer hervorragenden Fleischqualität aus. Anders als bei anderen Rassen ist das Fett im Fleisch der Wagyū-Rinder nicht punktuell, sondern gleichmäßig und sehr fein im Muskelfleisch verteilt. Das macht das Fleisch nicht nur zu einer Delikatesse, sondern auch zu einem gefragten Luxusprodukt. „Wir vermarkten das Fleisch unserer Rinder schon seit einiger Zeit komplett selbst, als fertiges Gericht in unserem Foodtruck, als Fleischerzeugnis oder direkt als frische Ware.“ Durch die Einkreuzung der neuen Rasse verspricht sich der junge Unternehmer nicht nur einen neuen Qualitätsstandard, sondern auch einen höheren Absatz. „Unsere Gäste hier auf Amrum schätzen unsere Produkte und sind auch gerne bereit, für hervorragende Qualität mehr zu bezahlen.“ So erhofft sich Oke den Erfolg der neu anlaufenden Rinderzucht.

In wenigen Wochen soll es endlich so weit sein, die Tiere dürfen auf die große Sommerweide umziehen. Soviel unbekanntes Terrain kann für die jungen Rinder schon erstmal beängstigend wirken, doch unter den wachsamen Blicken der Mütter werden sie von Tag zu Tag schnell mutiger werden und ihre neue Welt erobern. Fünf Monate sollen sie hier voraussichtlich mit ihren Müttern zusammen verbringen. Da die Kühe nicht gemolken werden, gehört die Milch ganz den Kälbern, ein Unterschied, den man nicht nur den Kälbern, sondern auch den entspannten Muttertieren ansieht. Familie Martinen ist zufrieden; der Grundstein für die erfolgreiche Entwicklung einer eigenen Rinderzucht ist gelegt.
AmrumNews Online-Zeitung der Insel Amrum


Die Eltern können stolz sein auf Ihren Sohn und sind es sicher auch.
Stolz kann auch der Sohn sein das die Eltern ihn machen lassen.
Das Fleisch ist schon sehr lecker und es ist der höhere Betrag wert.
Alle Achtung, Oke Martinen.
Bei mir zu Hause vor Ort kaufe ich auch beim Bauer, mir ist wichtig, dass es den Tieren so lange sie leben gut geht.
Sie werden vor Ort geschlachtet und haben keinen Stress in einer Großschlachterei und so schmeckt es auch.